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Ruf nach Reform der US-Börsenaufsicht

(c) Reuters (Ray Stubblebine)
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Nach Madoff-Skandal fordert der neue US-Präsident Obama einen Umbau des Kontrollsystems.

New York/Wien (höll). Im Zuge des größten Betrugsfalls in der Finanzgeschichte, den der New Yorker Broker Bernard Madoff verursacht hat, soll nun die amerikanische Börsenaufsicht SEC reformiert werden. „Unser Kontrollsystem hat jämmerlich versagt und wir müssen es jetzt umbauen“, sagte der einflussreiche US-Abgeordnete Paul Kanjorski von den Demokraten am Dienstag bei einer Anhörung zum Madoff-Skandal im Finanzausschuss des Repräsentantenhauses. Auch die Republikaner sind für eine Umstrukturierung der Börsenaufsicht.

Die Behörden haben die Geschäfte von Madoff in den vergangenen 16 Jahren mindestens achtmal unter die Lupe genommen. Obwohl es immer wieder Hinweise über Unregelmäßigkeiten gegeben hatte, flog das 50 Mrd. Dollar schwere „Schneeballystem“ nicht auf.

 

SEC-Chef räumt Fehler ein

Der scheidende SEC-Chef Christopher Cox hat bereits Fehler seiner Behörde eingeräumt und eine interne Untersuchung angeordnet. Pikant ist, dass Madoffs Nichte im Vorjahr einen ehemaligen ranghohen SEC-Beamten heiratete. Dieser war federführend an den Überprüfungen der Handelsaktivitäten des mutmaßlichen Betrügers beteiligt.

Die Nichte wiederum arbeitete in der Firma von Madoff als Compliance-Juristin. Sie war für die Einhaltung der Gesetze und Vorschriften zuständig. Künftig sollen den Mitarbeitern der Aufsicht private Kontakte zu jenen Gesellschaften, die sie prüfen sollen, weitgehend untersagt werden.

Angesichts der Finanzkrise stehen derzeit die SEC und andere Aufseher generell in der Kritik. Sie sollen nicht ausreichend vor den Risken an den Märkten gewarnt haben.

Der künftige US-Präsident Barack Obama will das umstrittene US-System verschiedener Finanzkontrolleure straffen. „Wir brauchen eine Aufsicht, die den Erfordernissen des 21. Jahrhunderts entspricht“, sagte ein Berater von Obama. Der 70-jährige Madoff galt lange Zeit als Star der US-Finanzszene. Er hatte den Anlegern jahrzehntelang ständig hohe Gewinne versprochen. Er legte das Geld aber nicht an, sondern verteilte es ähnlich einem Pyramidenspiel immer weiter. Im Zuge der Finanzkrise brach das Kartenhaus zusammen. Mit einem kolportierten Schaden von 3,6 Mrd. Dollar zählen Kunden der Wiener Bank Medici zu den größten Opfern. Medici steht inzwischen unter Staatsaufsicht. Auch Kunden der Bank Austria haben viel Geld verloren.

 

Juwelen an Söhne verschickt

Für Madoff selbst wird es immer enger: Ihm droht die Untersuchungshaft. Denn er soll die Kautionsauflagen gebrochen und versucht haben, Juwelen und anderen Besitz beiseitezuschaffen. Konkret verschickte der ehemalige Wall-Street-Banker fünf Pakete mit wertvollen Gegenständen an seine Söhne und Freunde. Ein Objekt sei mehr als eine Million Dollar wert gewesen, sagte der Staatsanwalt. Aufgeflogen war das Ganze, weil sich die Söhne bei den Behörden meldeten.

Madoffs Anwalt erklärte, dass es sich um Erbstücke wie Uhren und Füllfedern gehandelt habe. Diese würden nicht unter die Kautionsauflage fallen. Der zuständige Richter will so rasch wie möglich über die Untersuchungshaft entscheiden. Morgen soll es dazu eine Anhörung geben. Madoff war Mitte Dezember gegen Kaution von zehn Millionen Dollar freigekommen. Er darf seine Luxuswohnung in Manhattan abends nicht verlassen und muss elektronische Fußfesseln tragen.

Bei der Internet-Plattform eBay erfreut sich Madoff dagegen großer Beliebtheit. T-Shirts, Badetaschen, Taschenlampen und andere Sammlerstücke mit dem Firmenlogo des früheren US-Börsenchefs überschwemmen derzeit das virtuelle Auktionshaus.

 

200 Dollar für Madoff-Artikel

Einige hundert Dollar ist den Bietern eine Jacke mit dem Firmen-Schriftzug „Madoff Securities“ wert, ein Madoff-Mauspad stand zwischenzeitlich immerhin bei knapp 200 Dollar. Die Verkäufer, oft frühere Angestellte des US-Investors, preisen die Artikel als „besonders selten“ an und werben mit Sprüchen wie „Besitzen Sie ein Stück Finanzgeschichte“. Auch Scherzartikel gibt es zu kaufen – wie ein T-Shirt mit dem Bild des Brokers und den Worten „Trust me“, zu Deutsch: „Vertrau(t) mir“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.01.2009)