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Madoff schädigte auch eigene Familie

Protest
(c) REUTERS (MIKE SEGAR)
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Zu den Geschädigten des mutmaßlichen Milliardenbetrügers zählen auch seine Frau, seine Söhne sowie sein Bruder. Finanzaufseher raten den Opfern, rasch Ansprüche geltend zu machen.

Wien (b.l./ag.). Zu den Geschädigten des mutmaßlichen Milliardenbetrügers Bernard Madoff zählen auch seine Frau Ruth, seine Söhne Mark und Andrew sowie sein Bruder Peter. Das geht aus einem Gerichtsdokument mit den Namen von mehr als 13.000 Geschädigten hervor, das ein New Yorker Gericht am späten Mittwochabend veröffentlicht hat. Wie viel jeder einzelne der Geschädigten investiert hat, ist dem Dokument aber nicht zu entnehmen.

Unter den Namen der Opfer findet sich auch jener des derzeitigen Anwalts von Madoff, Ira Sorkin. Zu den Geschädigten zählen weiters zahlreiche Banken und Prominente. So stehen die Wiener Bank Medici und die Bank Austria auf der Liste. Die Kunden der Bank Medici gehören mit einem kolportierten Schaden von 3,6 Mrd. Euro zu den größten Opfern von Madoff.

 

50 Mrd. Dollar Schaden

International sind die UBS, die Bank of America und die Citigroup unter den Geschädigten vertreten. Auch viele Prominente sind betroffen, etwa der Schauspieler John Malkovich oder der Talkmaster Larry King. Zu den am stärksten Geschädigten dürfte der Unternehmer Carl J. Shapiro zählen, der Madoff laut Schätzungen bis zu 400 Mio. Dollar (307,69 Mio. Euro) Dollar anvertraut hatte. Wie viele Personen indirekt geschädigt wurden, weil sie etwa über eine Bank in einen Hedgefonds oder Dachhedgefonds investiert haben, der seinerseits bei Madoff veranlagt hat, ist nicht bekannt.

Insgesamt soll der Vermögensberater und Exchef der New Yorker Technologiebörse Nasdaq mit einem Schneeballsystem Investoren weltweit um 50 Mrd. Dollar (38,46 Mrd. Euro) geprellt haben. Es dürfte sich um einen der größten Betrugsskandale der US-Geschichte handeln. Madoff hatte den Investoren hohe Profite in Aussicht gestellt, die allerdings voraussetzten, dass immer neue Anleger Geld investierten. Lange Zeit galten die Madoff-Fonds als Erfolgsgeschichte. Es gab kaum Verluste, auch nicht im vierten Quartal des Vorjahres, als sich weltweit die Finanzkrise zuspitzte. Im Dezember wurde der Finanzjongleur schließlich unter Betrugsverdacht festgenommen. Gegen Kaution kam er wieder frei und steht seither unter Hausarrest.

950 Mio. Dollar des verschwundenen Geldes wurden inzwischen sichergestellt. Das Geld soll in einen Fonds fließen und an die Opfer ausbezahlt werden, sagte der Treuhänder von Madoffs Firma, Irving Picard. Ein Datum, wann mit der Ausschüttung begonnen wird, konnte er nicht nennen. Geschädigte können noch bis 2. Juli ihre Ansprüche geltend machen.

 

Schaden bis 4.März melden

Zu einem ungewöhnlichen Schritt entschloss sich das „Committee of European Securities Regulators“ (CESR), zu dem die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) zählt: Die Finanzaufseher erteilten Handlungsanweisungen für Geschädigte. Haupttenor: Man sollte rasch Ansprüche geltend machen.
•Wer direkt bei der Bernard L. Madoff Investment Securities LLC mit Sitz in den USA investiert hat, sollte nicht bis 2.Juli warten, sondern seine Ansprüche bis 4.März beim Treuhänder anmelden. Bis zum 2.Juli zu warten kann bedeuten, dass der Umfang des Anlegerschutzes verringert wird. Die Gesellschaft für Anlegerschutz (US Securities Investor Protection Corporation) kann höchstens einen Betrag von 500.000 Dollar pro Kunde ausschütten.
• Den Unternehmen, die vom Madoff-Skandal betroffen sind (etwa Wertpapierdienstleistern und Banken), raten die Finanzmarktaufseher, ihre Kunden nachdrücklich über alle Schritte zu informieren, die sie zur Wiedererlangung des Geldes setzen.
•Privatanleger, die fürchten, indirekt Verluste erlitten zu haben (weil sie in einen Fonds investiert haben, der bei Madoff investierte), und die von ihrer Bank noch nicht informiert wurden, sollen auf Aufklärung drängen. Erteilt der Berater keine zufriedenstellende Auskunft, sollte man formell Beschwerde einreichen. Potenziell betroffen sind primär Hedgefonds und Dachhedgefonds.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2009)