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Hohe Strafen für Topmanager

Haftstrafen für Banker und Wirtschaftsbosse sind in der Justizgeschichte nichts Neues. Die meisten kamen vorzeitig frei.

Wien (red.). Zwei Jahre befindet sich der frühere Bawag-Chef Helmut Elsner jetzt schon in Untersuchungshaft; für viele Beobachter rekordverdächtig lange. Aber Elsner ist nicht der einzige Wirtschaftsboss Österreichs, der von der Justiz härter angefasst wurde.

Ernst Gassner, Ex-Generaldirektor der Bank Burgenland (BB), wurde im Februar 2001 wegen Untreue zu zehn Jahren Haft verurteilt. Nach Antrag auf Strafmilderung wurde auf acht Jahre reduziert. Gasser war als Direktor der BB auf einen deutschen Finanzjongleur hereingefallen und hatte mit vollen Händen Kredite vergeben. Schaden für die BB: 130 Mio. Euro. Nach vier Jahren und vier Monaten Haft wurde der damals 65-jährige Gasser im Oktober 2004 vorzeitig freigelassen.

Wolfgang Rieger, Gründer und Besitzer der Riegerbank und gleichzeitig Präsident des Fußballklubs Lask, fälschte in den Neunzigern die Bilanzen seiner Bank und setzte sich mit 100 Mio. Schilling an die Côte d'Azur ab. Er stellte sich aber der Justiz, kam in U-Haft und wurde im Februar 1999 zu achteinhalb Jahren Haft wegen Veruntreuung und betrügerischer Krida verurteilt. Im Mai 2003 kam Rieger – nach vier Jahren und sechs Monaten – vorzeitig bedingt frei.

Hermann Gerharter übernahm im Jahr 1990 die „rote“ Handelskette Konsum. Bei einem Schuldenberg von umgerechnet 1,9 Milliarden Euro wurde 1995 Ausgleich angemeldet. Gerharter wurde wegen fahrlässiger Krida zu zehn Monaten bedingt, später wegen einer anderen Causa zu 15 Monaten bedingt verurteilt. Im Zuge des Bawag-Prozesses bekam er im Mai 2008 wegen Beihilfe zur Untreue zwei Jahre Haft – davon 6 Monate unbedingt.

Mike Lielacher war 1990 Börsenguru bei der Ersten. Er wurde aber dann beschuldigt, der Bank Millionenschäden zugefügt zu haben. Er saß kurz in U-Haft, wurde zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, der OGH hob das Urteil aber auf und in einem neuen Prozess wurde Lielacher 1997 völlig freigesprochen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2009)