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"ORF-Mediathek"-DVDs sollen auf den Markt kommen

Bis zu 1.000 Titel sind in den nächsten zehn Jahren geplant, gestartet wird bereits im Herbst. Schwerpunkt sind regionale Produktionen. ORF-Kommunikationschef Strobl: E-Commerce findet nicht statt.

Der ORF will eigenproduzierte Klassiker im Rahmen einer "ORF-Mediathek" neu unters Volk bringen. Bis zu 1.000 Titel sollen in den nächsten zehn Jahren vom Hoanzl-Verlag als DVD-Editionen auf den Markt kommen. ORF-Kommunikationschef Pius Strobl träumt davon, dass "in zehn Jahren in jedem österreichischen Wohnzimmer ein Ziegel mit ORF-Produktionen steht". Erste DVDs sollen ab Herbst 2009 nach Themen und Sparten geordnet auf den Markt kommen, Schwerpunkt sind laut ORF-Aussendung "regionale Produktionen".

Laut Strobl geht es um eine "haptische" Mediathek. Da es sich um alte Produktionen handelt, habe der ORF in vielen Fällen gar keine Online-Rechte, sagte er. Eine E-Commerce-Anwendung durch den ORF finde jedenfalls nicht statt. Eine Konkurrenz zu der von Online-Direktor Thomas Prantner geplanten Plattform "ORF Online-TV", sieht Strobl dementsprechend nicht. Prantner selbst wollte sich zu dem Deal nicht äußern.

Die Tageszeitung "Der Standard" berichtete am Mittwoch von Verwunderung unter Stiftungsräten, da das Gremium über den Deal nicht informiert wurde. Laut Strobl gibt es bisher lediglich einen Rahmenvertrag mit Absichtserklärung, es gebe weiters gewisse Wertegrenzen für Verträge, bei denen der Stiftungsrat konsultiert werden muss. Dass diese Grenze überschritten wird, glaubt Strobl nicht. Karl Krammer, Leiter des SPÖ-"Freundeskreises" im ORF-Stiftungsrat, will sich in jedem Fall bei der kommenden Stiftungsratssitzung das Geschäftsmodell und die Vertragslaufzeit erläutern lassen, wie er sagte.

Der Hoanzl-Verlag hat in den vergangenen Jahren bereits rund 500 Titel mit ORF-Content auf den Markt gebracht. Der neu zu schließende Deal sei eine "Erweiterung des Lizenzgeschäftes und ein Markenbindungsprojekt", so Strobl. Hoanzl sei ein geeigneter Partner, damit ORF-Klassiker "nicht in der Ramschkiste landen". Die Markenrechte "ORF-Mediathek" sollen weiter dem ORF gehören, der auch die volle Steuerungskompetenz darüber besitzt, welche Titel wann veröffentlicht werden, welche Editionen im Rahmen der "ORF-Mediathek" erscheinen und welche ORF-Produktionen mit anderen Partnern auf DVD umgesetzt werden.

(APA)