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Athen: Putzfrauen feiern Wiedereinstellung im Finanzministerium

GREECE PROTEST
(c) APA/EPA/ORESTIS PANAGIOTOU (ORESTIS PANAGIOTOU)
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"Mit Ungehorsam wird Geschichte geschrieben": 595 griechische Putzfrauen wurden 2013 gefeuert. Doch sie kämpften für ihre Jobs.

595 griechische Putzfrauen, die vor mehr als einem Jahr von den Finanzbehörden gefeuert wurden, haben einen langen Kampf für ihre Wiedereinstellung hinter sich. Trotz aller Einschüchterungsversuche setzten sie sich mit täglichen Demonstrationen gegen ihre fristlose Kündigung zur Wehr. Und die Mühen waren nicht umsonst: Die neue Regierung unter dem Linkspolitiker Alexis Tsipras verkündete am Mittwoch ihre Wiedereinstellung und sorgte damit für Jubelschreie und Tränen der Freude.

"Für die Troika waren wir Bauernopfer"

"Es gibt noch Gerechtigkeit! Für die Troika waren wir Bauernopfer. Aber wir haben Mut und Kampfeswillen gezeigt", ruft eine der Putzfrauen, Katerina Kapodistria. Im September 2013 waren sie von einem Tag auf den anderen fristlos gefeuert worden. Damit erfüllte die Regierung des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Antonis Samaras Auflagen der Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und Europäischer Union zur Verschlankung des Staatsapparats.

Seit der Entlassung demonstrierten etliche der Reinigungskräfte täglich vor dem Finanzministerium im Zentrum von Athen. Im Laufe der Zeit wurde ihre Aktion zu einem der am meisten beachteten Arbeitskämpfe in Griechenland. Solidaritätsgruppen im In- und Ausland unterstützten die zwischen 45 und 65 Jahre alten Frauen, die ihrer einzigen Einnahmequelle beraubt wurden. Es gab sogar Berichte, der sozialkritische britische Filmregisseur Ken Loach wolle einen Film über die kämpferischen Frauen drehen.

Langer Gerichtsstreit

Auch Tsipras' Partei Syriza stellte sich hinter die Reinigungskräfte. Diese betrieben eine eigene Website mit ihrem Symbol, der zur Faust geballten Hand in einem roten Gummihandschuh. Bei zahlreichen Solidaritätsdemonstrationen brachten sie Eimer und Besen mit. Im Mai 2014 richteten die Frauen dann ein Zeltlager vor dem Finanzministerium ein. Im selben Monat hatten sie vor Gericht ihre Wiedereinstellung erstritten. Die Richter machten unter anderem geltend, dass sich das Ministerium mittlerweile privater Subunternehmen bediene, deren Reinigungsleistung teurer sei.

GREECE UNEMPLOYMENT
Der rote Handschuh wurde zum Symbol für den Arbeitskampf der Putzfrauen.(c) APA/EPA/ORESTIS PANAGIOTOU (ORESTIS PANAGIOTOU)

Gegen das Urteil ging der griechische Staat in Berufung. Der Oberste Gerichtshof in Athen entschied im Juni, dass das Ministerium die Frauen zumindest bis zur Entscheidung über die Berufungsklage nicht weiter beschäftigen müsse.
Die Frauen setzten ihren Kampf fort und waren zunehmend Repressalien ausgesetzt. Bilder von Bereitschaftspolizisten, die vor dem Ministerium wehrlose 50- und 60-jährige Frauen zum Teil krankenhausreif prügelten, gingen um die Welt. Jetzt feiern die Kämpferinnen in ihrem improvisierten Zeltlager unter einem Che-Guevara-Porträt ihren Sieg. "Mit Ungehorsam wird Geschichte geschrieben", ruft eine von ihnen in ein Megafon.

"Erhoffen uns besseres Leben für die Ärmsten"

Der Syriza-Finanzminister Yannis Varoufakis stellt eine sofortige Reduzierung der Ausgaben seines Ministeriums in Aussicht, um die Wiedereinstellung der Putzfrauen zu ermöglichen. "Von der neuen Regierung erhoffen wir uns ein besseres Leben für die Ärmsten", sagt Lilly Giannaki, die nun auch wiedereingestellt werden dürfte. Insgesamt wollen rund 300 Frauen in ihren alten Job zurückkehren. Die anderen sind in Rente oder haben eine andere Arbeitsstelle gefunden.

(APA/AFP/Alvaro Villalobo)