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Ukraine: Der Abwärtssog an vielen Fronten

(c) EPA (IGOR VOROBYOV)

Das wirtschaftliche Desaster in der Ukraine, deren Wirtschaft heuer mit 5,5 Prozent schrumpfen dürfte, hat einige Väter.

Wien. Je näher der Frieden in der Ostukraine zu kommen scheint, umso mehr treten jene Frontlinien zutage, an denen das Land wirtschaftlich zu zerbrechen droht. Nicht zuletzt die Spannungen im Osten haben dazu geführt, dass die Währung in den vergangenen Tagen rasant an Wert verloren und nun gar den Internationalen Währungsfonds (IWF) auf den Plan gerufen hat. Man stehe diesbezüglich bereits in engem Kontakt mit der Notenbank, so der IWF am Mittwochabend.

Der Ukraine selbst, deren Wirtschaft heuer mit 5,5 Prozent schrumpfen dürfte, fehlt für Stützungskäufe das Geld, nachdem die Währungsreserven seit dem Vorjahr um 64 Prozent auf 6,5 Mrd. Dollar geschrumpft sind. Die Währung selbst hat seit Jahresbeginn um die Hälfte abgewertet.

Schon vor eineinhalb Wochen hatte der IWF einen Kredit von 17,5 Mrd. Dollar zugesagt, dem verschiedenen Angaben zufolge bis zu 40 Mrd. Dollar an Hilfsgeldern aus dem Westen folgen könnten. Allein, für die Auszahlung braucht es Gesetzesänderungen, die sich schon zuvor oft schwierig gestalteten, weshalb Premier Arseni Jazenjuk das Parlament bereits gedrängt hat. „Es besteht ein starker Widerstand, weil viele Leute in unterschiedlicher Weise vom alten, ineffizienten und auf weite Strecken korrupten System profitieren“, so Kalman Mizsei, Chef der EU-Beratermission in der Ukraine.

Vor dem Hintergrund dieser internen Schwächen eröffnete Russland nun eine neue Front, indem es Kiew der Unterversorgung der abtrünnigen Ostrepubliken mit Gas bezichtigt und die Versorgung selbst in die Hand nehmen will. Gas ist aber nicht der einzige Hebel Moskaus. Ein weiterer sind die drei Mrd. Dollar, die Russland an ukrainischen Anleihen hält. Schon hat Moskau der Ukraine Vertragsverletzungen vorgeworfen, weshalb man eine vorzeitige Rückzahlung verlangen könne. (est)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.02.2015)