Human Rights Watch: Kurden diskriminieren Araber

Peshmerga-Einheiten rücken bei Mosul vor
Peshmerga-Einheiten rücken bei Mosul vorReuters

Die Menschenrechtsorganisation wirft kurdischen Peshmerga-Truppen im Nordirak vor, geflohene Araber an der Rückkehr in deren Dörfer zu hindern. Die Kurden-Regierung weist die Kritik zurück.

Als die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) vergangenen Sommer ihre Großoffensive im Nordirak startete, wurden nicht nur Kurden sondern auch viele Araber in die Flucht geschlagen. Jetzt wirft die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) kurdischen Peshmerga-Einheiten vor, geflohene Araber an der Rückkehr in deren Dörfer zu hindern. Araber, die durch den IS-Vormarsch vertrieben worden waren, würden teils seit Monaten davon abgehalten, wieder in ihre Häuser zu ziehen, kritisiert HRW.

Kurdische Flüchtlinge dagegen seien in die Gebiete zurückgelassen worden und hätten teilweise sogar Häuser erhalten, die Arabern gehören. Human Rights Watch warnte vor einer "kollektiven Bestrafung" von Arabern.

Kurdenvertreter: "Schutz vor Sprengsätzen"

Die kurdischen Truppen brachten nach der Flucht der irakischen Armee vor dem IS im Sommer und während der späteren Abwehrkämpfe gegen die Jihadisten Gebiete unter ihre Kontrolle, die außerhalb der offiziellen Grenzen der autonomen Kurdenregion liegen.

HRW erklärte, es gebe Hinweise auf eine gezielte Diskriminierung von Arabern. Einige kurdische Behördenvertreter hätten dies damit gerechtfertigt, dass Araber die Jihadisten unterstützt hätten.

Der kurdische Regierungsvertreter Dindar Sebari wies am Donnerstag mehrere der Vorwürfe zurück. Kein einziges Haus eines Arabers sei von Kurden besetzt worden, sagte Sebari. Anrainer würden nur an der Rückkehr gehindert, um sie vor versteckten Sprengsätzen zu schützen. Wenn Araber festgenommen wurden, dann weil der Verdacht bestehe, dass sie mit der IS-Miliz kollaborierten, sagte Sebari.