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Aufnahmeprüfung: „Ganz ohne Lernen geht es nicht“

Wer sich gut vorbereitet, muss beim Aufnahmetest, hier für Medizin an der Uni Wien, weniger schwitzen.(c) APA/ Georg Hochmuth
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Kommende Woche startet die Anmeldung für die Aufnahmeverfahren in Medizin und anderen begehrten Studienrichtungen. Private Kurse bereiten auf die Tests vor.

In manchen Fächern steht die wichtigste Prüfung schon an, noch bevor das Studium überhaupt begonnen hat. Die Rede ist von den Aufnahmetests. Neben medizinischen Fächern ist auch in beliebten Bereichen wie Psychologie oder Publizistik die Zahl der Studienanfänger begrenzt. Übersteigt die Zahl der Bewerber das Platzangebot, müssen Aufnahmetests entscheiden, wer studieren darf. Gleiches gilt an vielen FH.

Während die Politik über Sinn, Ausweitung und konkrete Gestaltung der Tests sinniert, interessiert die angehenden Studenten primär eines: Wie bestehe ich die Prüfung? Modus und Zeitplan der Aufnahmeverfahren variieren je nach Fach und Hochschule. Wichtigster Punkt ist, keine Fristen zu versäumen. Die Anmeldung für die Aufnahmetests an der Uni Wien sowie für die Medizinstudien an anderen österreichischen Unis startet am 1. beziehungsweise 2. März. Generell empfiehlt es sich, sich auf den Homepages der jeweiligen Uni oder FH frühzeitig über Fristen, Ablauf und erforderliche Unterlagen zu informieren. Für den Medizintest etwa sind 110 Euro im Voraus zu überweisen. Besonders stark variieren die Modalitäten an den FH. Oft sind sowohl ein Test als auch ein persönliches Gespräch vorgesehen.

 

Eigene Motivation prüfen

Die Zulassung zum Medizinstudium ist österreichweit einheitlich geregelt. Auch die Fristen für andere Studien werden von den jeweils anbietenden Unis miteinander abgestimmt, berichtet Cornelia Blum, Pressesprecherin der Universität Wien. Dort ist ein (nicht benotetes) Online Self Assessment Voraussetzung für die Teilnahme an den meisten Aufnahmetests. „Das Ziel ist, die Bewerber mit den Inhalten des Studiums vertraut zu machen und Vorstellungen mit der Realität in Abgleich zu bringen“, so Blum. Bei den Lehramtsstudien an der Uni Wien sind seit letztem Jahr ebenfalls ein Self Assessment sowie ein schriftlicher Test und – falls der Test zu weniger als 30 Prozent bestanden wurde – ein persönliches Gespräch vorgesehen. Dieses ist allerdings rein informativ.

An der Johannes-Kepler-Universität Linz (JKU) wird als erste Stufe ein Motivationsschreiben gefordert. Dieses gibt den Lehrenden interessante Einblicke in die Sichtweise der Studenten, sagt Herbert Kalb, Vizerektor für Lehre. Durchfallen kann man in dieser Stufe aber nur, wenn man ein Juxschreiben abgibt. Die Aufnahmetests (für Sozialwirtschaft und Wirtschaftswissenschaften) waren an der JKU noch nie notwendig, da es bislang immer weniger Bewerber als Plätze gegeben hat. Ein Fall, der an der Uni Wien „eher selten“ vorkommt, so Blum. Besonders „überbucht“ sind in der Regel Medizin und Psychologie – Letzteres bis zum Vierfachen der verfügbaren Plätze.

Die Inhalte der Aufnahmetests für Medizin können unter www.medizinstudieren.at abgerufen werden. Auch für die meisten anderen Aufnahmetests finden sich Infos zu den Fragen auf den Webseiten der entsprechenden Hochschule. Evaluierungen hätten laut Blum gezeigt, dass die Tests treffsicher seien. Welche Teile sich für die Kandidaten als besondere Stolpersteine erweisen, kann die Expertin nicht sagen, dazu seien die Fächer zu unterschiedlich. Blum ist bewusst, dass nicht alle Studenten unter gleichen Voraussetzungen starten. Allerdings sei der Test für jeden schaffbar, der sich ernsthaft vorbereitet. Nachsatz: „Ganz ohne Lernen geht es allerdings nie.“

Wer das nicht auf sich allein gestellt tun will, für den gibt es eine wachsende Zahl an Vorbereitungskursen. So hat etwa das Nachhilfeinstitut IFS an acht Standorten in Österreich Studentenkurse für Uni- und FH-Aufnahmeprüfungen im Programm. Speziell auf das Medizinstudium gemünzt hat das Wifi Oberösterreich seit dem Vorjahr sowohl komplette Kurse als auch Kurzmodule im Programm, die die naturwissenschaftlichen ebenso wie die Themen Logik und Textverständnis abdecken. Laut den Rückmeldungen der Bewerber aus den ersten Kursen seien es vor allem die letzteren Bereiche, die den Kandidaten Schwierigkeiten bereiten, berichtet die zuständige Produktmanagerin am Wifi OÖ, Gudrun Primas.
Entsprechend habe man am Wifi eigene Unterlagen erstellt. Insgesamt sind die Vorbereitungskurse ein neues Feld, Unterlagen kommen laufend hinzu, so Primas. Auch wenn sich die Prüfung von Jahr zu Jahr ändert und genaue Infos laut Primas nur spärlich zu bekommen sind, hält die Produktmanagerin die Vorbereitung für wichtig. „Man ist besser eingestellt und kann mit der Stresssituation und dem Multiple-Choice-System besser umgehen“, so Primas. Eine Ausweitung des Angebots auf andere Aufnahmeprüfungen, etwa für den Polizeidienst, ist angedacht.

Eine breite Palette an Vorbereitungskursen für Uni-, FH- oder Blaulicht-Organisationen findet sich auf www.aufnahmeprüfung.at. Wie Organisator Michael Unger erklärt, bietet dieses Portal Infos zum Thema Aufnahmeprüfungen und vermittelt Kurse, die von selbstständigen Trainern angeboten werden. Diese durchlaufen laut Unger ein „mehrstufiges Auswahlverfahren“ und müssen gewisse Qualitätskriterien wie beschränkte Gruppengröße erfüllen. Die Abrechnung erfolgt über courseticket.com.

 

Vorbereitung je nach Lerntypus

Zur Zielgruppe zählt Unger unter anderem Absolventen von Schultypen, in denen Naturwissenschaften „eher Nebensache“ sind, und die diesen Teil der Tests unterschätzen. Auch der Lerntypus sei entscheidend: „Auditive Lerntypen, die lieber hören als lesen, profitieren besonders von den Kursen.“ Zudem können Präsenzkurse oder auch selbst organisierte Lerngruppen die Disziplin fördern. Das sei besonders wichtig, da meist gleichzeitig die Maturavorbereitung ansteht. Bezüglich Studienrichtungen ist vor allem der Gesundheitsbereich gefragt, weil es hier für die angestrebten Berufe nur jeweils eine bestimmte Ausbildung gibt. An den FH ortet Unger ein Stadt-Land-Gefälle in Bezug auf den Andrang, entsprechend auch auf die Selektivität der Auswahlverfahren. Nach Fächern betrachtet herrscht bei Betriebswirtschaft und Kommunikation der größte Konkurrenzdruck.

Informationen

Infos zu Ablauf und Inhalten bei den Aufnahmetests finden sich auf den Webseiten der jeweiligen Hochschulen, für Medizin unter medizinstudieren.at.
Vorbereitungskurse (Auswahl):
► Wifi OÖ (für Medizin), https://online.wkooe.at/wifi
► IFS-Studentenkurse (diverse Fächer) www.studentenkurse.at.
aufnahmeprüfung.at: Infos und Kursanbieter für diverse Aufnahmetests, Info-Veranstaltung am 6. März auf der BeSt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2015)