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Auto oft besser versichert als man selbst

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Unfall- und Haftpflichtversicherung sollten auf der Prioritätenliste ganz oben stehen, meint Versicherungsexperte Punzl. Zusatzkrankenversicherungen seien Luxus.

Wien. Die Österreicher sichern Sachwerte oft besser ab als die eigene Person. „Fast jeder schließt eine Kaskoversicherung für sein Auto ab, aber eine Berufsunfähigkeitsversicherung kaum“, stellt Alexander Punzl, Präsident des Österreichischen Versicherungsmaklerrings, fest. Grundsätzlich hält er folgende Versicherungen für wichtig: Unfallversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, Privathaftpflichtversicherung, Rechtsschutzversicherung und Hinterbliebenenvorsorge.

Unnötige Brillenversicherung

„Auf Ski- oder Brillenversicherungen kann man verzichten“, meint Punzl. Für Luxus hält er auch die private Zusatzkrankenversicherung. Denn diese sei relativ teuer, und medizinische Grundversorgung erhalte man auch ohne Zusatzkrankenversicherung. Dass es trotzdem sinnvoll sein kann, eine solche abzuschließen, will er nicht in Abrede stellen. Vorne auf der Prioritätenliste sollte sie aber nicht stehen, da hätten die Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherung Vorrang. Auch eine Pflegeversicherung sei sinnvoll, doch seien die Produkte noch wenig ausgereift. Die meisten hängen sich an die Sozialversicherung an und zahlen ab einer bestimmten Pflegestufe– hier ist man abhängig davon, dass der Staat seine Kriterien nicht ändert. Andere Produkte legen eigene Kriterien an und zahlen, wenn der Versicherte bestimmte Tätigkeiten nicht mehr ausüben kann. Das lässt Interpretationsspielraum.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist aus zwei Gründen kein Renner in Österreich: Erstens ist sie relativ teuer, was freilich auch auf die Zusatzkrankenversicherung zutreffe. Zweitens sei sie sehr beratungsintensiv. Das Risiko, dass man seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, werde oft unterschätzt, vor allem von Angestellten. „Doch sind psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch und können ebenso zu Berufsunfähigkeit führen wie ein Unfall.“

Auch eine Unfallversicherung halten viele nicht für notwendig, da sie ohnehin sozialversichert sind. Doch die gesetzliche Unfallversicherung zahlt nur bei Arbeits-, nicht aber bei Freizeitunfällen. Private Unfallversicherungen zahlen auch bei Dauerfolgen und übernehmen Heilkosten, Bergungskosten und gegebenenfalls die Kosten von kosmetischen Operationen. Haftpflichtversicherungen sind meist in der Haushaltsversicherung inkludiert, doch sollte man auf eine ausreichend hohe Deckungssumme (mindestens drei Mio. Euro) achten. Von Kombiangeboten (Paketen, die von Rechtsschutz- über Unfallversicherung alles zu einem günstigen Tarif anbieten), rät Punzl ab. Dabei werde der individuelle Bedarf selten abgedeckt. Ein Familienvater brauche etwa eine andere Vorsorge als ein alleinstehender Jungunternehmer.

Bündelprodukte wenig sinnvoll

Dieser Ansicht sind, wie berichtet, auch Reinhold Baudisch und Michael Doberer vom Onlinevergleichsportal durchblicker.at. Klassische Bündelprodukte kombinierten oft einen Schutz, den man nicht brauche, mit einem Schutz, der nicht ausreiche. Auch enthalten sie oft eine Er- und Ablebensversicherung. Das sei aber nur die Kombination aus einer Versicherung (Hinterbliebenenvorsorge) mit einer Geldanlage– zwei Bereiche, die man besser voneinander trennen sollte.

Onlineplattformen eignen sich für Vergleiche oder für wenig beratungsintensive Produkte (etwa die Kfz-Versicherung). Sonst kann man die Dienstleistung eines Maklers hinzuziehen. Der Unterschied zum Versicherungsagenten besteht darin, dass Makler unabhängig, aber dafür kostenpflichtig beraten. Sie haften bei Fehlberatung und stehen dem Versicherten im Schadensfall zur Seite. Versicherungsagenten arbeiten hingegen im Auftrag von Versicherungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2015)