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Deutscher Staat greift nach Hypo Real Estate

Hypo Real Estate
(c) AP (Michael Probst)
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Der deutsche Bund macht den Aktionären der angeschlagenen Immobilienbank ein Übernahmeangebot. Doch ein Großaktionär legt sich quer. Scheitert die Übernahme, droht die Enteignung der Aktionäre.

Der deutsche Staat hat ein Übernahmeangebot für die schwer angeschlagene Münchner Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) vorgelegt. Über den Banken-Rettungsfonds SoFFin werden nach Angaben des Bundes vom Donnerstag den Aktionären der HRE 1,39 Euro je Anteilsschein geboten. Das Angebot fällt höher aus als bislang angenommen. "Das Angebot ist die Gelegenheit für die HRE-Aktionäre, zu einem attraktiven Preis aus ihrem Investment auszusteigen", heißt es in der Mitteilung. Der gebotene Preis liege zehn Prozent über dem gesetzlichen Mindestpreis von 1,26 Euro.

An der Börse in Frankfurt am Main wurde die Aktie am Vormittag mit 1,39 Euro gehandelt und lag damit beim Wert des Übernahmeangebots.

Großaktionär legt sich quer

Großaktionär J.C. Flowers, der 24 Prozent der Anteile hält, könnte der deutschen Regierung einen Strich durch die Rechnung machen. J.C. Flowers will trotz des Angebots Anteilseigner des Immobilienfinanzierers bleiben. "Es gibt weiter eine klare Präferenz, als Aktionär im Unternehmen zu bleiben und insofern genauso behandelt zu werden, wie Aktionäre von Banken, die auch unter den Rettungsschirm mussten", sagte ein Sprecher.

Details sollten in den Angebotsunterlagen bekanntgegeben werden. Bundespräsident Horst Köhler hatte am Dienstagabend den Weg für eine HRE-Übernahme durch den Staat freigemacht, indem er das umstrittene Bankenübernahmegesetz unterzeichnete.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz riet den HRE-Kleinaktionären zum Verkauf ihrer Anteile. Das Offert sei "mangels Alternativen" attraktiv: "Unter den gegebenen Umständen ist das Angebot eine Gelegenheit für Aktionäre, ihre Anteile zu verkaufen", erklärte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker. Zugleich kritisierte er, es dürfe aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht zu einer Enteignung von Aktionären kommen.

"Pleite hätte schlimmere Folgen als Lehman"

Um die Mehrheit an der Bank zu erlangen braucht der deutsche Staat, der bereits Anteile an der Bank hält - SoFFin hält bereits 8,7 Prozent - 41,3 Prozent der Aktien. "Eine Insolvenz der HRE hätte substanzielle, kaum abschätzbare Auswirkungen auf die nationalen und internationalen Finanzmärkte", heißt es in der Mitteilung. Dies hätte "erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft".

"Diese Bank nicht zu retten hätte schlimmere Folgen als die Pleite von Lehman Brothers", sagte auch Hannes Rehm, Chef des Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin, Mitte März in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Außerdem sollen damit die bereits gewährten staatlichen und privaten Hilfen von 102 Milliarden Euro abgesichert werden. Ohne diese Garantien wäre das Institut längst bankrott.

Letzter Ausweg: Enteignung der Aktionäre

Sollte die Übernahme der vollständigen Kontrolle über die Bank auf dem Wege des Übernahmeangebots nicht gelingen, sieht das Bankenübernahmegesetz als letzte Möglichkeit eine Enteignung der bisherigen Aktionäre vor. Gegen eine derartige Vorgehensweise hat Großaktionär J.C. Flowers aber schon rechtliche Schritte angedroht.

(Ag./phu)