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Third Party Ownership: Fußballhelden auf Kredit

SOCCER - BL, RBS vs Groedig
Sabitzer(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Felix Roittner)
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Nicht nur ein Klub, sondern mehrere Investoren halten unterschiedliche Anteile an Fußballprofis. Was auf den ersten Blick wie moderne Sklaverei anmutet, ist ein gängiges System, das weltweit mit Stars handelt.

Wien. „Es bedroht die Integrität unserer Wettbewerbe, schädigt das Image und wirft Fragen der Menschenwürde auf“, sagte Uefa-Präsident Michel Platini unlängst beim Kongress in Wien. Der Franzose ist einer der schärfsten Kritiker des Third Party Ownership (TPO), dessen Hintergrund und Akteure die Fußballwelt spalten.

Aber was ist diese Third Party Ownership? Investoren erwerben Transferrechte von Fußballern. Um gehörig mitzuverdienen, sollte der Spieler auf größerer Bühne einschlagen und für viel Geld weiterverkauft werden. Es ist nichts anderes, als eine Wette auf den steigenden Marktwert von Fußballern. Das Modell birgt jedoch die Gefahr, dass Klubs unter Druck gesetzt werden, diverse Spieler für Investoren – gewinnbringend – weiterzuverkaufen. Denn bei einem auslaufenden Vertrag oder wenn ein Spieler beispielsweise durch eine Verletzung an Wert verliert, wäre die Investition verloren.

 

Von Südamerika nach Europa

Dieses Modell, das den altbekannten Transfermarkt zu verdrängen scheint, ist in den 1990er-Jahren in Südamerika entstanden. Dort ist es bis dato weiterhin gängige Praxis. In Brasilien liegen 80 bis 90 Prozent aller Transferrechte in der Hand Dritter. Es hat sich in den vergangenen Jahren auch in Europa verbreitet. In Portugal steht Third Party Ownership auf der Tagesordnung, Spieler mit derartigem Vertragswerk machen ein Drittel des gesamten Marktwerts der Liga aus. In Osteuropa stellen Geschäfte dieser Form 40 Prozent des Marktanteils dar. Einem Report der Unternehmensberatung KPMG zufolge haben Investoren in Europa Anteile an über 1100 Spielern – mit einem Marktwert von 1,1 Milliarden Euro – erworben.

Diese Einnahmequelle scheint nun plötzlich zu versiegen. Denn der Weltverband Fifa hat beschlossen, dass ab 1. Mai ein weltweites Verbot für TPO-Geschäfte gilt. Man befürchtet, dass Klubs zu viel ihrer Selbstbestimmung einbüßen, die meisten Ligen haben das Verbot begrüßt. Sie argumentieren, dass dieses Modell die Preise für Spieler in die Höhe treibe und vor allem Personen bereichere, die keinerlei Interesse am Fußball haben.

 

„Niemand wird gezwungen“

England hat das Modell nach dem Fall des argentinischen Stürmers Carlos Tévez, der von São Paulo zu West Ham gewechselt war, bereits 2008 untersagt. Premier-League-Boss Richard Scudamore sprach von „moderner Sklaverei“. Auch die Fifpro, die Vertretung der Profifußballer, äußerte Bedenken. „Aus moralischer Sicht ist es verrückt, 50 Prozent eines Spielers zu besitzen“, meint Fifpro-Chef Theo Van Seggelen. Auch in Frankreich und Polen sind diese Geschäfte untersagt.

Doch gerade die Erfahrungen in England zeigen, dass ein Verbot wenig bringe, heißt es in der Branche. Investoren würden doch immer Wege finden, es zu umgehen. Jochen Lösch vom Sportvermarkter Traffic handelt mit Transferrechten, der „New York Times“ bestätigte er: „TPO existiert, weil der Markt es will. Wir haben niemals jemanden gezwungen, das Geld zu nehmen.“

Die spanische und portugiesische Liga haben nun Beschwerde bei der Europäischen Kommission gegen das Fifa-Verbot eingereicht. Ihr Argument: Finanziell schwächere Klubs werden benachteiligt, weil ihnen der Zugang zu dieser Form des Fremdkapitals verwehrt wird. Ein Beispiel dafür ist Atlético Madrid. Vergangene Saison war Atlético der erste spanische Meister seit zehn Jahren, der nicht Barcelona oder Real hieß. Ohne TPO wäre das unmöglich gewesen, sagen Befürworter. Tatsächlich hat Atlético, als Banken nach Ausbruch der Finanzkrise bei Kreditvergaben restriktiver wurden, Investoren zur Finanzierung von Spielern wie Diego Costa eingebunden. Vorstand Miguel Angel Gil bestätigt, dass diese Finanzierung dem Klub ermöglicht habe, „mit Real Madrid und Barcelona mitzuhalten“.

TPO dient als Sprungbrett, Stars wie die Kolumbianer James Rodriguez und Radamel Falcao (beide Porto), der Argentinier Angel di Maria, der Brasilianer David Luiz (beide Benfica) spielten in Portugal, bevor sie weiterzogen.

 

Skepsis in Österreich

Auch in den Niederlanden regt sich Widerstand: Ajax Amsterdam kann Spielern ein Jahresgehalt von einer Million Euro zahlen, das ist sechsmal weniger als Klubs in England oder Spanien. Der neue Rekord-TV-Vertrag der Premier League (7,9 Milliarden US-Dollar) macht die kleinsten Klubs reicher als den einstigen Topklub Ajax Amsterdam. Darum bietet der Verein seinen Spielern selbst bis zu zehn Prozent ihrer Transfersumme an. Auch diese Praxis wäre wohl nach dem Fifa-Verbot nicht mehr erlaubt.

In Österreich herrscht grundsätzlich Zustimmung zum Verbot, aber auch gehörige Skepsis. Zwei prominente Beispiele gab es hierzulande: Rapid hat ÖFB-Teamspieler Marcel Sabitzer zwar mithilfe von Investoren finanziert, bei seinem Transfer nach Salzburg ging aber weniger als die Hälfte der Zwei-Millionen-Euro-Ablöse an die Hütteldorfer. Offenbar lukrativer ist es für die Wiener Austria verlaufen. Der Israeli Omer Damari wurde von Tel Aviv geholt und mit großem Gewinn nach Leipzig weitertransferiert. Bundesliga-Vorstand Reinhard Herovits sagt, es gebe die Ansicht, dass „die Fifa lediglich ihr Gewissen beruhigen“ wolle und dass es sich bei der Regelung um totes Recht handle. Eine gewisse Ungewissheit bleibt, der Handel mit Fußballern geht weiter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2015)