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Die ÖBB halten sich für saniert

PK OeBB 'BILANZ 2014': KERN
ÖBB-Chef Christian KernAPA/ROLAND SCHLAGER
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Die Bahn konnte ihre Kosten im Vorjahr weiter senken und 171,7 Mio. Euro Gewinn ausweisen. Möglich gemacht haben das aber auch steigende Zahlungen der Steuerzahler.

Wien. Ein wenig stolz war er schon. Denn die erste Bilanz, die ÖBB-Chef Christian Kern in der neuen Zentrale am Hauptbahnhof präsentieren konnte, war gerade recht, um dieses „Symbol für wiedergewonnene Stärke“ einzuweihen: Die Bahn konnte im Vorjahr ihren Gewinn um 68 Prozent auf 171,7 Millionen Euro steigern. Erstmals konnten sowohl der Personen- als auch der Güterverkehr des früher notorisch Verluste schreibenden Konzerns, ihre Kapitalkosten hereinspielen.

„Wir können wieder aus eigener Kraft in die Bahn investieren“, jubelte der ÖBB-Chef am Freitag vor Journalisten. In der ausgehändigten Unterlage ging der Staatskonzern einen Schritt weiter: „Sanierung erfolgreich“, prangte auf Seite zwei der Präsentation eines Unternehmens, das immer noch 2,74 Milliarden Euro im Jahr von den Steuerzahlern überwiesen bekommt.

Kosten sinken, Umsatz tritt auf der Stelle

Dennoch ist die Freude des Bahnchefs nicht ganz unangebracht. Vergleicht man die ÖBB heute mit dem Konzern vor wenigen Jahren, zeigt sich rasch, was die relative Gesundung des Unternehmens – abseits der öffentlichen Mittel – ermöglicht hat. Von 2010 bis 2014 konnte Kern die Kosten um 335 Millionen Euro auf 5,491 Milliarden Euro nach unten drücken. Rechnet man die Kostensteigerung durch die Inflation mit, gelang es sogar, die Kosten um 750 Mio. Euro zu senken. Auch die Ausgaben für die 39.481 Eisenbahner konnten 2014 – trotz neuer Rückstellungen über 61 Mio. Euro in dem Bereich – reduziert werden. Dieser Sparkurs ist bitter notwendig, da die Bahn beim Umsatz auf der Stelle tritt.

Um den den ausgewiesenen Gewinn von 171,7 Mio. Euro zu erreichen, genügt das freilich nicht. Das System Bahn wurde in Österreich auch 2014 in weiten Teilen vom Steuerzahler getragen. Der Beitrag der Österreicher stieg um gut hundert Mio. Euro an. In Summe flossen 2,74 Mrd. Euro von Bund, Ländern und Gemeinden an den Konzern (dazu kommen 1,7 Mrd. Euro im Jahr für ÖBB-Pensionisten, die sich nicht in der Bilanz finden).

Nicht jeder Euro davon sei aber mit einer Förderung gleichzusetzen, betont Kern. Rund eine Milliarde Euro fließen für sogenannte gemeinwirtschaftliche Leistungen, also von Bund, Ländern oder Gemeinden „bestellte“ Strecken und Fahrten. Diesen Mitteln stehen Fahrkosten auf den meist unrentablen Strecken gegenüber. Die restlichen 1,74 Milliarden Euro kassiert der Konzern für Bereitstellung und Betrieb der Infrastruktur. Anders als in vielen anderen Ländern verschulden sich hierzulande die ÖBB statt dem Staat, wenn neue Schienen verlegt werden sollen. Der Bund überweist dem Unternehmen im Gegenzug einen Zuschuss zu dessen Zins- und Annuitätenzahlungen. Im Vorjahr stieg dieser Betrag um gut 50 Millionen Euro an.


Kern sieht darin nicht mehr als einen „Durchlaufposten“, da die Bahn ja ihrerseits Zinsen bezahlen müsse, um ausreichend Geld für politisch gewünschte Ausbauprogramm zu erhalten. In Summe stiegen die Nettoschulden des Konzerns um 815 Millionen Euro auf 20,84 Milliarden.

Große Gewinnsprünge „unrealistisch“

Für das heurige Jahr erwartet das Unternehmen eine weitere Steigerung des Gewinns auf knapp 200 Millionen Euro. Danach müsse aber mehr passieren, um auf Kurs zu bleiben und dem steigenden Wettbewerb gewachsen zu sein. Im Güterverkehr, wo die ÖBB in Österreich mittlerweile 19 Konkurrenten haben, konnte sich das Unternehmen im Vorjahr gut schlagen und sogar die Margen erhöhen. Die vollständige Liberalisierung des Personenverkehrs in Europa ist für die kommenden Jahre geplant. Kern sieht die Wettbewerber von morgen aber nicht nur auf der Schiene, sondern vor allem auf der Straße. Die Digitalisierung eröffne neue Geschäftsmodelle, die das System Bahn auf die Probe stellen würden. Carsharing-Modelle hätten etwa der französischen Bahn so viele Passagiere gekostet, dass sie auf einen Schlag sieben Jahre verloren hätte. In Österreich sank die Zahl der ÖBB-Kunden 2014 leicht auf 466 Millionen.

Das Unternehmen müsse in die Digitalisierung investieren, um Kunden zu halten, so Kern. Mit ein Grund, warum er in Zukunft keine großen Gewinnsprünge mehr erwartet: „Realistisch kann die Bahn ihren Gewinn nicht von 200 auf 400 Mio. steigern.“ Da würden berechtigte Rufe laut, warum stattdessen nicht die Leistung verbessert würde. Aber die 200 Millionen seien „sakrosankt“. Sonst könne man die Schulden „nie abbauen.“ (auer)

("Die Presse", Printausgabe vom 17.4.2015)