Video: IS tötet offenbar äthiopische Christen

Die Terrormiliz IS hat in Libyen ein Video veröffentlicht, das die Tötung von rund 30 äthiopischen Christen zeigen soll. Die Echtheit konnte noch nicht bestätigt werden.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ein Video ins Internet gestellt, das die Enthauptung und Erschießung von äthiopischen Christen in Libyen zeigen soll. Die etwa fünfminütige Szene ist Teil eines halbstündigen Videos, das am Sonntag im Internet auftauchte. Unterdessen bekannten sich die Jihadisten erstmals zu einem Selbstmordattentat in Afghanistan.

Die Video-Sequenz hat den Titel: "Die Anbeter des Kreuzes, die zur feindlichen äthiopischen Kirche gehören". Ein schwarz gekleideter Jihadist hält vor der Ermordung der Äthiopier eine Ansprache in englischer Sprache "an die Nation des Kreuzes", womit die Christen gemeint sind. "Unsere Schlacht ist eine Schlacht zwischen Glaube und Blasphemie (Gotteslästerung)", sagt er. Die Christen müssten entweder zum Islam konvertieren oder die für Christen vorgesehene Kopfsteuer bezahlen, fügt er hinzu.

Die rund 20 Opfer sind auf zwei Gruppen an unterschiedlichen Orten - eine Wüstenlandschaft und eine Meeresküste - aufgeteilt. Die Angehörigen der ersten Gruppe werden aus nächster Nähe von hinten erschossen, die der zweiten Gruppe mit Messern enthauptet. Die Echtheit des Videos konnte zunächst nicht bestätigt werden.

Äthiopien verurteilt mutmaßliche Tötung

"Wir verurteilen derartige Gräueltaten scharf, unabhängig davon, ob die Opfer Äthiopier sind oder nicht", sagte der äthiopische Kommunikationsminister Redwan Hussein am Sonntag in Addis Abeba. Die Botschaft in Kairo bemühe sich, die Identität der rund 30 ermordeten Männer zu klären.

Viele Äthiopier kommen auf der Suche nach Arbeit nach Libyen oder machen dort Station, bevor sie die gefährliche Überfahrt nach Europa wagen. Fast zwei Drittel der 90 Millionen Äthiopier sind Christen. Ähnlich wie die Kopten gehören sie zu den ersten christlichen Gemeinden Afrikas. Der libysche IS-Ableger hatte Mitte Februar ein Video veröffentlicht, das die Enthauptung von 21 koptischen Christen an einem Strand bei Tripolis zeigen soll.

IS bekennt sich zu Selbstmordattentat in Afghanistan

Der IS übernahm auch erstmals die Verantwortung für einen Selbstmordanschlag in Afghanistan. Dabei hatte der Attentäter am Samstag in der ostafghanischen Provinzhauptstadt Jalalabad mindestens 34 Menschen mit in den Tod gerissen. 115 Menschen wurden laut Polizei verletzt. "Der Angriff wurde von Abu Mohammed verübt, der zu uns gehört", sagte ein Kommandant des pakistanischen Ablegers der Terrormiliz am Samstag. Ziel des schwersten Anschlags seit dem Ende des NATO-Kampfeinsatzes in Afghanistan seien Mitarbeiter der Regierung gewesen.

Auch Präsident Ashraf Ghani sagte, der IS habe sich verantwortlich erklärt. Die afghanischen Taliban verurteilten den Anschlag. Bei einem Besuch in Teheran bekräftigten Ghani und sein iranischer Amtskollege Hassan Ruhani am Sonntag, den IS gemeinsam bekämpfen zu wollen. Die IS-Gruppe, die sich zu dem Anschlag bekannte, besteht vor allem aus Extremisten, die sich von den pakistanischen Taliban (TTP) abgespalten haben. Nach Angaben aus pakistanischen Militärkreisen operiert die Bande vom Stammesgebiet Orakzai im Grenzgebiet zu Afghanistan aus.

Laut Polizei detonierte am Anschlagsort in Jalalabad einige Minuten später eine an einem Motorrad versteckte zweite Bombe, forderte aber keine Opfer. Bei einem Sprengstoffanschlag in dem an Jalalabad angrenzenden Distrikt Behsud wurden kurz darauf ein Zivilist getötet und drei weitere verletzt, wie der Sprecher der Regierung der Provinz Nangarhar, Ahmad Sia Abdulsai, sagte. Der Sprengsatz sei magnetisch an einem Auto angebracht gewesen.

Gewalt in Afghanistan nimmt zu

Die Vereinten Nationen teilten mit: "Die andauernden Selbstmordanschläge in dicht besiedelten Gegenden, die mit Sicherheit eine große Anzahl afghanischer Zivilisten töten und verstümmeln, könnten auf ein Kriegsverbrechen hinauslaufen." Das pakistanische Außenministerium erklärte, Angriffe auf Unbeteiligte könnten durch nichts gerechtfertigt werden.

In der südostafghanischen Provinz Ghasni enthaupteten Unbekannte vier schiitische Zivilisten. Der Sprecher der Provinzregierung, Nang Safi, sagte, die Angehörigen der religiösen Minderheit seien vor einigen Tagen entführt worden. Ihre Leichen seien am Samstag entdeckt worden.

Die Gewalt in Afghanistan hat in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Der NATO-Kampfeinsatz lief zum Jahreswechsel aus. Er wurde von einer kleineren Mission namens "Resolute Support" zur Ausbildung und Unterstützung afghanischer Sicherheitskräfte abgelöst.

(APA/dpa/AFP/Reuters)

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