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Eventmanagement: „Hausverstand und gute Nerven“

NON SPORTS - Eurovision Song Contest 2015
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Ob Song Contest, Life Ball, Sommernachtskonzert, Firmenfeier oder Traumhochzeit: Events zu organisieren, verlangt Professionalität und Gelassenheit.

Es ist eine glamouröse Arbeitswelt, in die James Abram im März eingetaucht ist. Für sein Pflichtpraktikum im Studium Sport-, Kultur- und Veranstaltungsmanagement an der FH Kufstein hat er sich das größte Charity-Event Europas auserkoren, den Life Ball. „Ich führe Künstlerlisten, buche Flüge, erstelle Schedules, kommuniziere mit Debütantinnen und vieles mehr“, sagt Abram. Er hat zusammen mit Freunden schon etliche kleinere Events organisiert, aber „ein Event wie den Life Ball wird man so schnell nicht finden“. Auch wenn das Praktikum sehr zeitintensiv sei, sei es eine tolle Gelegenheit für einen Einblick in eine der größten Veranstaltungen Österreichs und dafür, mit interessanten Menschen in Kontakt zu kommen. Nachteil eines Großevents ist für den Praktikanten, „dass man nur eine Abteilung kennenlernt und keinen Einblick in das gesamte Treiben erhält“. Für seine Zukunft möchte sich Abram auf keine Richtung festlegen. Schließlich werden Studierende in einem Eventmanagement-Studium oder in der techniklastigeren Studienrichtung Event Engineering, die Ton-, Licht- und Pyrotechnik beinhaltet, auf ein breites Spektrum an Tätigkeitsfeldern vorbereitet. Bei seinem Praktikum kann er im Studium gelernte Inhalte abrufen, am wichtigsten seien jedoch „Hausverstand und gute Nerven“.

Zuständig für alles

Mehr als beschäftigt ist derzeit auch Christian Buchmann. Er managt eines der öffentlichkeitswirksamsten Klassikevents: das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker zur Festwochen-Eröffnung, das als weltweit größtes klassisches Open-Air-Konzert gilt. Buchmann ist für Koordination und Qualitätssicherung aller Abläufe zuständig, für Fragen der Finanzierung, der Sicherheit, für das Einholen von Genehmigungen und Angeboten. Im Park von Schloss Schönbrunn hat er sich um technische Erfordernisse der TV-Stationen zu kümmern, um Notausgänge, die Demontage störender Fahrradständer, die Messung von Publikumsströmen und um Maßnahmen zur Verhinderung von Terrorakten.
Die Vorbereitungen auf das Konzert sind für Buchmann, im Hauptberuf Leiter einer Künstleragentur und Geschäftsführer des Wiener Kammer-Orchesters, eine drei- bis viermonatige Intensivphase. Ein aufregender Berufseinstieg ist das Sommernachtskonzert auch für Buchmanns Mitarbeiter Sascha Akbarian „Aha-Erlebnisse habe ich fast täglich, da die Arbeit sehr flexibel gestaltet werden muss“, so der Musikmanagement-Student an der Donau-Uni Krems. „Man ist permanent mit Fragen und Situationen konfrontiert, denen man rasch und kompetent entgegentreten muss.“ Sein Studium sei eine wertvolle Orientierungshilfe, die ein strukturelles Grundverständnis liefert. Im Arbeitsalltag seien jedoch Organisation, zwischenmenschliche Interaktion und Flexibilität gefragt. „Die Praxis besteht größtenteils aus Learning by Doing.“
Auf ähnlichem Weg hat Ingrid Schediwy-Fuhrmann zum Eventmanagement gefunden. Auch sie hat einen Zertifikatslehrgang für Kulturmanagement absolviert. Und auch sie ist für die Wiener Philharmoniker tätig, als freie Mitarbeiterin für PR und Marketing. Eventmanagement betreibt sie als zweites Standbein, in der vielleicht gängigsten Form – als Einzelunternehmerin. Zu ihrem Tätigkeitsbereich zählen vor allem Hochzeiten und Firmenevents. Letztere kombiniert die leidenschaftliche Hobbysportlerin auf Wunsch mit sportlichen Rätselrallyes oder Teambuilding-Aktionen. Die PR- und Marketingarbeit sei für sie eine gute Ergänzung zum Eventmanagement, die ihr wertvolle Synergien biete, sagt Schediwy-Fuhrmann.

Breite Leistungspalette gefragt

Neben vielen Erfolgserlebnissen – etwa dem Lob glücklicher Brautpaare – kann Schediwy-Fuhrmann auch von negativen Aspekten dieses Berufs berichten: „Mehrmals ist es mir passiert, dass potenzielle Kunden sagen, ,Danke für Ihr Briefing, die Umsetzung kann ich selbst machen.‘ Eine Verrechnung der Vorleistungen ist dann kaum möglich.“
Jungen Leuten, die eine entsprechende Ausbildung anstreben, rät Schediwy-Fuhrmann, sehr breit aufgestellt zu sein, um eine große Palette von Leistungen zuverlässig anbieten zu können. „Diese Tätigkeiten umfassen Reiseplanung, Genehmigungen von öffentlichen Ämtern oder die Rekrutierung von Mitarbeitern im internationalen Bereich.“ Buchmann, der auch während des Interviews Fragen seiner Mitarbeiter beantwortet, fügt noch ein Konfuzius-Zitat hinzu: „Wenn du es eilig hast, gehe langsam.“