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Fundierte Ausbildung mit kleinem Schlupfloch

Postoperative Massnahmen nach Hueftoperation - Lymphdrainage
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Mit 1. September tritt das novellierte Medizinische Masseur- und Heilmasseurgesetz (MMHmG) in Kraft und bringt mehr Wirbel als Ordnung in die Ausbildungslandschaft.

Jährlich werden österreichweit mehrere hundert Masseure ausgebildet. „Das Faszinieren de an diesem Beruf ist, dass man mit einfachen Mitteln sehr große Erfolge erzielen kann“, sagt Josef Bergler, Geschäftsführer des Ausbildungszentrums Dr. Bergler in Graz. Es hat sich auf wissenschaftlich fundierte Therapieformen spezialisiert, die auch im Zuge der Medizinischen Masseur- und Heilmasseurausbildung gelehrt werden. „Die Techniken und Wirkungen werden zunehmend wissenschaftlich aufbereitet“, so Bergler. „Studien können immer besser zeigen, welche Behandlung wie und wofür wirkt.“

Hohes Ausbildungsniveau

Ob Wifi, Massageschule oder E-Learning – um qualitativ ein ähnlich hohes Niveau bieten zu können, müssen sich alle Ausbildungen an das Medizinische Masseur- und Heilmasseurgesetz (MMHmG) halten. Grundsätzlich unterscheidet man drei Berufsfelder: Gewerblicher Masseur, Medizinischer Masseur, Heilmasseur. „Vor allem die Berufe des Medizinischen Masseurs und des Heilmasseurs liegen im Trend, da diese Masseure sowohl am Gesunden als auch am Kranken Therapien durchführen dürfen, der Gewerbliche Masseur lediglich Wellnessmassagen am Gesunden“, erklärt Bergler. „Dementsprechend unterschiedlich sind auch die Ausbildungskriterien und die Berufschancen.“ Die Ausbildung zum Gewerblichen Masseur dauert sechs Monate. Am umfangreichsten ist die Ausbildung zum Medizinischen Masseur (bis zu 1950 Stunden). Sie erstreckt sich über mindestens ein Jahr. Beruflich die breitesten Entfaltungsmöglichkeiten hat der Heilmasseur. Die Aufstockung vom Medizinischen Masseur zum Heilmasseur setzt eine sechsmonatige Zusatzausbildung von rund 800 Übungseinheiten voraus. Mit einer Ausbildungsdauer von bis zu 2750 Stunden besitzt der Heilmasseur die höchstmögliche Massageausbildung in Österreich.
Im MMHmG gibt es allerdings ein Schlupfloch. Es besteht die Möglichkeit einer individuellen Befähigung für das reglementierte Gewerbe der Massage. Um den Gewerbeschein zu erhalten, genügt es, wenn sich der Interessent an der WKO unter Bezahlung einer Gebühr (ca. 400 Euro) prüfen lässt – die Ausbildungskosten zum Gewerblichen Masseur liegen dagegen zwischen 4000 und 6000 Euro, die Gesamtausbildung bis zum Heilmasseur bis zu 15.000 Euro. „Einzige Zulassungsvoraussetzung für den Prüfungsantritt zur Befähigungsprüfung ist die Volljährigkeit“, sagt Sigrid Wesiak, freiberufliche Heilmasseurin und Pressesprecherin des Bundesverbandes der Heilmasseure und Medizinischen Masseure Österreichs (BHÖ). „Es wird weder der Besuch festgesetzter Lehrgänge vorausgesetzt, noch werden dementsprechend qualifizierte Lehrkräfte vorausgesetzt.“ Der fachliche Inhalt der Befähigungsprüfungen ist nicht einheitlich geregelt. Geprüft wird von Sachverständigen, allerdings fehlen gesetzlich vorgeschriebene medizinische Qualifikationen der Prüfungskommission. Praktische und theoretische Fächer wie etwa Massagetechniken zu Heilzwecken können theoretisch von Gewerblichen Masseuren geprüft werden, die nie eine medizinische Ausbildung absolviert haben.
Auch bei einem weiteren Punkt sind sich WKO-Bundesinnung und BHÖ nicht einig. Während sich die Innung für eine Verkürzung der Ausbildung von Gewerblichen zu Medizinischen Masseuren einsetzt, sieht die BHÖ darin einen Qualitätsverlust. Gewonnen hat die Innung: Ab 1. September benötigen Gewerbliche Masseure auf dem Weg zum Medizinischen Masseur um ein Drittel weniger Praxiseinheiten. „Es ist nicht nur ein Qualitätsverlust der Ausbildung, sondern daraus folgend eine Verminderung der Therapieerfolge“, sagt Wesiak. Auch zwischen Heilmasseuren und Physiotherapeuten bestehen Auffassungsdifferenzen. Physiotherapeuten sind durch ihre Ausbildung automatisch Heilmasseure, obwohl sie nicht die Ausbildung für die einzelnen Massagetechniken haben – es sei denn durch freiwillige Zusatzqualifikationen. Das bedeutet, dass Physiotherapeuten die gleiche Therapieform trotz geringerer Massage-Praxisstunden ausüben – und meist sogar noch mehr dafür bezahlt bekommen.

Masseur per E-Learning

Die Ausbildungsmöglichkeiten für alle drei Stufen der Masseur-Befähigung sind zahlreich (siehe Kasten). Für den Gewerblichen und Medizinischen Masseur gibt es sogar eine E-Learning-Variante. Die Massageschule EPWA in Tirol, gegründet von Christoph Pedevilla, bietet die Möglichkeit E-Learning mit Präsenzlehre zu verknüpfen. „Die E-Learning-Einheiten sollten jeweils vor der Präsenzzeit studiert werden“, sagt Pedevilla.