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Test: Erste Eindrücke von Canons 5DsR

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Mit der 5Ds und der 5DsR setzt Canon neue Maßstäbe: 50,6 Megapixel in einem Kleinbildsensor. Wir konnten eine 5DsR für ein paar Stunden testen.

Als die ersten Digitalkameras Anfang der 2000er-Jahre auf den Markt kamen, galt vor allem eine Zahl als verkaufsentscheidend: die der Megapixel.

Die Nikon D1 konnte 1999 mit 2,7 Megapixel aufwarten, Canon ein knappes Jahr später mit der D30 bereits mit 3,1 Megapixel. Nikon konterte mit 5,3 Megapixel im Jahr 2001 (Nikon D1X), um ein Jahr später von Canon mit der D60 (sechs Megapixel) und der 1Ds (elf Megapixel und lange Zeit der Maßstab) überboten zu werden.

So ging es weiter, bis irgendwann die Zahl 18 bis 20 Megapixel erreicht war und eine Steigerung nicht mehr viel Sinn machte: Die Bildqualität war für die meisten Situationen und Anwendungen ausreichend, vor allem aber stieß man vor einigen Jahren mit einer noch höheren Auflösung an die Leistungsgrenzen des Sensors.

Innovative Nikon D800E

Doch dann machte Nikon einen bedeutenden Schritt und stellte im Frühjahr 2012 zwei bemerkenswerte Kameras vor: Die D800 und die D800E, die im Vollformat über 36,3 Megapixel verfügen - eine bis dahin im Kleinbildformat nicht gekannte Auflösung.

Interessant war vor allem die D800E, die einen zweiten Tiefpassfilter hat, der die Wirkung des ersten Tiefpassfilters aufhebt. Das hat vereinfacht gesagt zur Folge, dass Details viel schärfer abgebildet werden.

Es dauerte drei Jahre, bis Hauptkonkurrent Canon auf die D800 und die D800E (die mittlerweile zur D810 verschmolzen sind) eine Antwort hatte. Doch die fiel Anfang des Jahres heftig aus: Canon stellte zwei 50,6-Megapixel-Kameras vor, die 5Ds und die 5DsR (Modell mit invertiertem Tiefpassfilter). Eine solche Auflösung kannte man bisher nur von digitalen Mittelformatkameras. Jetzt sollte erstmals ein Kleinbildsensor (24x36 Millimeter) solche Datenmengen liefern - und das zum Bruchteil des Preises eines Mittelformatsensors.

Überraschend geringes Rauschen

Alle Diskussionen über die Qualität der Kameras war bisher reine Theorie - weil es sie noch nicht gibt (in Österreich sind sie ab Mitte, Ende Juni erhältlich). Die wenigen Sample-Bilder, die Canon veröffentlichte, waren streng ausgewählt und unter kontrollierten Bedingungen entstanden. Nur wenige Fotografen konnten bisher die Kameras unter Alltagsbedingungen zu testen.

“Die Presse” hatte jetzt die Möglichkeit, mit einer 5DsR in Wien für einige Stunden zu fotografieren. Es ist noch immer ein Vorserienmodell, deshalb legt Canon auch Wert auf den Hinweis, dass die Bildqualität noch nicht jener der endgültigen Serienmodelle entsprechen muss. Was für uns eine Frage aufwirft: Was soll noch besser werden? Die Kamera lieferte durchwegs beeindruckende Ergebnisse.

Besonders überraschend war nach dem Kurztest die Qualität der Bilder bei hohen ISO-Werten. Die Pixeldichte, die sich aus 50,6 Megapixel auf einem Kleinbildsensor ergibt, würde normalerweise viel Noise erwarten lassen. Doch das ist nicht der Fall: ISO 3200 ist kein Problem, auch Bilder mit ISO 6400 sind durchaus verwendbar (wir haben parallel jpg- und RAW-Bilder gemacht, eingestellt war für jpg der neue Picturestyle “Fine Detail”. Alle gezeigten Bilder sind unbearbeitete jpg direkt aus der Kamera. Die Kamera ist ein Vorserienmodell).

Aufnahme bei 3200 ISO
Aufnahme bei 3200 ISO
100-Prozent-Ausschnitt aus dem Bild mit ISO 3200
100-Prozent-Ausschnitt aus dem Bild mit ISO 3200: Unbearbeitetes jpg
100-Prozent-Ausschnitt aus dem Bild mit ISO 3200
100-Prozent-Ausschnitt aus dem Bild mit ISO 3200: Unbearbeitetes jpg

 

Zum online bereits viel diskutierten Dynamikumfang trauen wir uns keine endgültige Aussage zu. Unsere RAW-Bilder zeigten einen ähnlichen Umfang wie jene der 5DIII, die - je nach Test - bei etwa zwölf Lichtwerten liegt. An Nikon kommt das nicht heran. Einen Moire-Effekt aufgrund des invertierten Tiefpass-Filters der 5DsR hatte kein Bild, die Motive waren dafür aber auch nicht kritisch.

Aufnahme bei ISO 1600
Aufnahme bei ISO 1600
100-Prozent-Ausschnitt aus dem Bild oben bei ISO 1600
100-Prozent-Ausschnitt aus dem Bild oben bei ISO 1600

Die Bilder der 5DsR haben eine Größe von 8688 x 5792 Pixel. Druckt man sie mit 300dpi aus, ergibt das ein Bild mit 76 x 49 Zentimeter. Alle Fotos haben dank des Tiefpass-Aufhebungsfilters eine bemerkenswerte Schärfe und großen Detailreichtum, wie man ihn sonst nur von größeren Sensoren kennt (etwa er Leica S2). Das macht die 5DsR vor allem für Naturfotografen interessant.

Wirklich entscheidend bei einer Auflösung von 50,6 Megapixel sind die Objektive. Wir hatten auf unserer Testkamera das ausgezeichnete EF 11-24/4. Wer ältere Objektive hat, etwa das EF 24-105/4 oder noch die erste Serie des EF 24-70/2.8, sollte sich für die 5DsR oder auch für die 5Ds ein Upgrade überlegen.

Blick vom Stephansdom: Ausschnitte siehe unten
Ausschnitte siehe unten
100-Prozent-Ausschnitt
100-Prozent-Ausschnitt aus obigem Bild
100-Prozent-Ausschnitt
100-Prozent-Ausschnitt aus obigem Bild
100-Prozent-Ausschnitt
100-Prozent-Ausschnitt aus obigem Bild

Noch ein Wort zur Praxis: jpg-Bilder haben eine Größe von mehr als 15 Megabyte, RAW-Dateien kommen auf etwa 60 MB. Fotografiert man simultan jpg/RAW, sollte man schnelle Speicherkarten verwenden, um unfreiwillige Pausen zu vermeiden, wenn die Kamera die Daten auf die Karte schreibt. Und auch der PC sollte zur Verarbeitung der RAW-Bilder entsprechend ausgestattet sein, sonst wird es mühsam.

Wer die 5Ds und die 5DsR ausprobieren möchte - Canon macht eine Roadshow mit Stationen in Salzburg (9. Juni), Graz (11. Juni) und Wien (17. Juni).