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Papst warnt: Erde wird zur Mülldeponie

"Gelobt seist du", die neue Umweltenzyklika von Papst Franziskus, kann ab sofort gelesen werden.(c) REUTERS
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Der Klimawandel sei "eine der wichtigsten Herausforderungen der Menschheit.". Bei der Präsentation seiner Enzyklika kam auch eine Volksschullehrerin zu Wort.

Papst Franziskus hat in seiner neuen Enzyklika Konsumrausch, Umweltzerstörung und eine Unterwerfung der Politik unter die Wirtschaft angeprangert. "Niemals haben wir unser gemeinsames Haus so schlecht behandelt und verletzt wie in den letzten beiden Jahrhunderten", erklärt der Papst in seinem Weltrundschreiben "Laudato sii", das am Donnerstag veröffentlicht wurde.

"Wenn jemand die Erdenbewohner von außen beobachten würde, würde er sich über ein solches Verhalten wundern, das bisweilen selbstmörderisch erscheint." Die Erde scheine sich in eine "unermessliche Mülldeponie" zu verwandeln.

Die Auswahl der Experten seiner Pressekonferenz war bemerkenswert. So saß neben dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Peter Turkson, dem Metropoliten von Pergamon, Ioannis Zizioulas (als Vertreter des Ökumenischen Patriarchats und der orthodoxen Kirche), dem Wissenschafter am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung Hans Joachim Schellnhuber sowie der aus Hongkong stammenden Ökonomin und Vorsitzenden des US-amerikanischen Caritasverbands "Catholic Relief Services", Carolyn Woo, auch Volksschullehrerin Valeria Martano neben dem Papst auf dem Podium.

Präsentierten die Enyklika (v.li.):Schellnhuber, Woo, Zizioulas, Turkson, Vatikan-Sprecher Lombardi, Volksschullehrerin Martano.
Präsentierten die Enyklika (v.li.):Schellnhuber, Woo, Zizioulas, Turkson, Vatikan-Sprecher Lombardi, Volksschullehrerin Martano.(c) APA/EPA/ALESSANDRO DI MEO

Umwelt und soziales Umfeld "Hand in Hand"

Martano unterrichtet an einer Volksschule an der Peripherie in Rom und ist ein Mitglied der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio. Sie berichtete über ihre Erfahrungen als Lehrerin in einem in sozialer Hinsicht schwierigen Stadtviertel Roms. "Umwelt und soziales Umfeld gehen Hand in Hand. Es wächst immer mehr die Kluft zwischen Reichen und Armen. Die Metropolen wie Rom sind immer mehr polarisierte Städte. Neben Gemeinschaften von Privilegierten gibt es Massen von Armen", sagte die Lehrerin.

Angesichts des Klimawandels ging das Oberhaupt von weltweit rund 1,2 Milliarden Katholiken hart mit Politik und Wirtschaft ins Gericht. "Die Unterwerfung der Politik unter die Technologie und das Finanzwesen zeigt sich in der Erfolglosigkeit der Weltgipfel über Umweltfragen", erklärt der 78-Jährige. Im Hinblick auf die Klimakonferenz Ende des Jahres in Paris schreibt er, es sei dringend geboten, Programme zu entwickeln und den Ausstoß von Kohlendioxid drastisch zu reduzieren. Der Klimawandel sei "eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit".

Papst will Wachstum verlangsamen

Das rasante Wachstum in reichen Ländern gehe vor allem auf Kosten der Armen, schreibt der Papst. "Wir wissen, dass das Verhalten derer, die mehr und mehr konsumieren und zerstören, während andere noch nicht entsprechend ihrer Menschenwürde leben können, unvertretbar ist." Er rief dazu auf, das Wachstum zu verlangsamen.

Und auch für soziale Netzwerke hat der Papst ein kritisches Wort übrig. Durch Medien ließen sich zwar Gefühle übermitteln und teilen. "Trotzdem hindern sie uns manchmal auch, mit der Angst, mit dem Schaudern, mit der Freude des anderen und mit der Komplexität seiner persönlichen Erfahrungen direkt in Kontakt zu kommen."

Zitate aus der Umweltenzyklika "Laudato sii"

"Wenn die Politik nicht imstande ist, eine perverse Logik zu durchbrechen, und wenn auch sie nicht über armselige Reden hinauskommt, werden wir weitermachen, ohne die großen Probleme der Menschheit in Angriff zu nehmen."

"Was gerade vor sich geht, stellt uns vor die Dringlichkeit, in einer mutigen kulturellen Revolution voranzuschreiten."

"Niemals haben wir unser gemeinsames Haus so schlecht behandelt und verletzt wie in den letzten beiden Jahrhunderten."

"Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln."

"Wenn jemand die Erdenbewohner von außen beobachten würde, würde er sich über ein solches Verhalten wundern, das bisweilen selbstmörderisch erscheint."

"Der Rhythmus des Konsums, der Verschwendung und der Veränderung der Umwelt hat die Kapazität des Planeten derart überschritten, dass der gegenwärtige Lebensstil nur in Katastrophen enden kann."

"Die Unterwerfung der Politik unter die Technologie und das Finanzwesen zeigt sich in der Erfolglosigkeit der Weltgipfel über Umweltfragen."

"Das Bündnis von Wirtschaft und Technologie klammert am Ende alles aus, was nicht zu seinen unmittelbaren Interessen gehört."

"Wir wissen, dass das Verhalten derer, die mehr und mehr konsumieren und zerstören, während andere noch nicht entsprechend ihrer Menschenwürde leben können, unvertretbar ist."

"Darum ist die Stunde gekommen, in einigen Teilen der Welt eine gewisse Rezession zu akzeptieren und Hilfen zu geben, damit in anderen Teilen ein gesunder Aufschwung stattfinden kann."

"Die wirkliche Weisheit, die aus der Reflexion, dem Dialog und der großherzigen Begegnung zwischen Personen hervorgeht, erlangt man nicht mit einer bloßen Anhäufung von Daten, die sättigend und benebelnd in einer Art geistiger Umweltverschmutzung endet."

(APA/dpa)