Schnellauswahl

Enkel des Atombombers: "Abschreckung ist nötig"

Archivaufnahme von Colonel Paul W. Tibbets
Archivaufnahme von Colonel Paul W. TibbetsAPA/EPA/US NATIONAL ARCHIVE / HA
  • Drucken
  • Kommentieren

Paul Tibbets warf am 6. August 1945 die Atombombe auf die Stadt Hiroshima. Sein Enkel ist ebenfalls Offizier - und fliegt auch Bomber.

Paul Tibbets hat zehntausende Menschen getötet - und den Zweiten Weltkrieg beendet? Der Oberst der US Army warf am 6. August 1945 die Atombombe auf die Stadt Hiroshima. Wenige Tage später kapitulierte Japan. Tibbets starb 2007 mit 92 Jahren. Sein Enkel Paul W. Tibbets IV ist auch Offizier und fliegt auch Bomber. Im Interview der dpa erzählt der General, wie sein Großvater die Mission sah, was Japaner über ihn dachten und warum immer noch Bomber fliegen.

General Tibbets, hat Ihr Großvater seine Rolle an diesem 6. August 1945 kritisch gesehen?

Mein Großvater war sich immer sicher, dass er die Befehle des Präsidenten der Vereinigten Staaten ausführt und das tat er, so gut er konnte. Er wusste, dass diese Mission die Chance barg, den Zweiten Weltkrieg zu beenden und viele Leben zu retten - auf beiden Seiten - und amerikanische Soldaten zurück zu ihren Familien zu bringen. Nach dem Krieg hat mein Großvater oft Japaner getroffen, die seine Sichtweise teilten und seine Mission würdigten als Rettung von Menschenleben.

Hat er denn oft über den Tag im August 1945 gesprochen?

Mein Großvater war ein Visionär und er verstand die Bedeutung der strategischen Abschreckung in einer komplexen Welt. Durch eine zuverlässige, sichere und effiziente nukleare Abschreckung haben wir den tatsächlichen Einsatz dieser Waffen seit 1945 verhindert. Und obwohl unsere Welt immer komplexer wird, sichert die atomare Abschreckung weiter so etwas wie diese Sicherheit und Stabilität.

Sie flogen und fliegen Bomber und befehligen seit wenigen Wochen das 509th Bomb Wing - dieselbe Einheit, die Ihr Großvater kommandierte und die die beiden Atombomben vor 70 Jahren abwarf. Sind Bomber noch zeitgemäß? Oder sind sie nicht viel zu ungenau und einfacher und billiger durch Drohnen zu ersetzen?

Unsere Entscheidungsträger in der Politik haben entschieden, dass Bomber nach wie vor sehr relevant sind und einige Operationen in letzter Zeit haben gezeigt, dass es Aufgaben für bemannte und für unbemannte Flugzeuge gibt. Das Verteidigungsministerium hat einen neuen Bomber angefordert, der durchhaltefähig und überlegen ist und einen Feind abschrecken kann und entsprechend werden unsere Verteidigungssysteme modernisiert. Dieser Long Range Strike Bomber wird uns die entscheidende Flexibilität für eine große Bandbreite militärischer Möglichkeiten geben. Und das gilt konventionell wie nuklear, ganz nach unseren nationalen Grundsätzen.

ZUR PERSON

Tibbets wuchs in Montgomery, Alabama, als Enkel eines Generals und Sohn eines Reserve-Oberst der Luftwaffe auf. 1989 schloss er selbst die Ausbildung an der Offiziersschule der Luftwaffe in Colorado Springs ab. Als Bomberpilot war er weniger im Ausland, sondern vor allem in den USA selbst stationiert. Zu seiner Laufbahn gehört aber auch ein Aufenthalt am Nato Defense College in Rom.

Seit August vergangenen Jahres ist er General, seit Juni leitet er das Geschwader, das vor 70 Jahren die Atombomben abwarf. Tibbets hat 3800 Flugstunden, davon 350 im Gefechtseinsatz, unter anderem im ehemaligen Jugoslawien und in Afghanistan.

(APA/dpa)