Der rote Stern des Volkstheaters hat ausgedient

Zu Beginn der Saison wird das auffällige Zeichen versteigert.

Zehn Jahre lang hat das nächtens pulsierende Leuchtsignal die Kuppel des Wiener Volkstheaters dominiert. Vor der neuen Spielzeit aber wird der fünfzackige rote Stern abmontiert, mit dem Michael Schottenberg zu Beginn seiner Intendanz ein weithin sichtbares Zeichen für seine Art von darstellender Kunst gesetzt hat. Seine Ära ist vorbei, es beginnt die Arbeit für Nachfolgerin Anna Badora, die voller Ambitionen vom Schauspielhaus Graz nach Wien gekommen ist. Am 5.September eröffnet sie mit ihrer Inszenierung von „Fasching“, einer Dramatisierung des fast in Vergessenheit geratenen Romans von Gerhard Fritsch. Es geht darin u.a. um Zivilcourage und Vergangenheitsbewältigung. Bei der Premiere wird der Stern bereits passé und hoffentlich zu einem respektablen Preis versteigert sein. Was kommt dann? Vor dem Stern reichte dem Haus eine schlichte Spitze. (norb)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2015)