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Ringen um Opel wird zum Dreikampf

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(c) AP (Michael Probst)

Fiat und Magna haben am Mittwochabend ihre Angebote für den deutschen Autobauer abgegeben. Auch der US-Finanzinvestor Ripplewood mischt mit. Die deutschen Minister wollen die Konzepte diese Woche erörtern.

Im Ringen um die Rettung von Opel haben die potenziellen Investoren Fiat und Magna Angebote für den angeschlagenen Autobauer vorgelegt. Wie der italienische Hersteller Fiat am Mittwochabend in Turin mitteilte, gilt das Angebot für das europäische Geschäft der deutschen General-Motors-Tochter und deren britische Schwester Vauxhall. Einzelheiten nannte Fiat nicht. Sollte die Übernahme zustande kommen, werde ein neuer Konzern gebildet, der Fiat einschließlich der Beteiligung an Chrysler sowie Opel umfassen würde. Der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna legte laut der "Rheinischen Post" (Donnerstag) zusammen mit dem russischen Autobauer Gaz ein Übernahme-Konzept beim deutschen Wirtschaftsministerium vor.

Auch Ripplewood mischt mit

Unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtete die Zeitung, eine Absichtserklärung sei um genau 18.00 Uhr gesendet worden. Magna will mit Gaz und finanzieller Unterstützung der russischen Sberbank die Mehrheit an dem angeschlagenen Konzern übernehmen. Der Zulieferer gab zunächst keinen Kommentar ab. Neben Fiat und Magna gab laut General Motors auch der amerikanische Finanzinvestor Ripplewood über seine europäische Tochter RHJ International ein Gebot ab. Die Bundesregierung bevorzugt jedoch einen Investor, der möglichst selbst in der Automobilbranche tätig ist.

Enormer Zeitdruck

Die Verhandlungen über Opel stehen unter einem enormen Zeitdruck. Die deutsche Regierung versucht den Autobauer aus dem drohenden Insolvenzstrudel der US-Mutter General Motors (GM) herauszuhalten. Für die Konzepte potenzieller Investoren war zunächst eine Abgabefrist bis Mittwochabend gesetzt, dann aber gelockert worden.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm versicherte, die Bundesregierung werde sich parallel zu GM und US-Regierung umgehend an die Auswertung der Zukunftsmodelle für den deutschen Autobauer machen. Man stehe innerhalb der zuständigen Bundesministerien sowie mit den betroffenen Landesregierungen, aber auch mit GM, Opel und GM-Europe sowie mit der US-Regierung in ständigem Kontakt.

Der deutsche Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) kündigte nach einem Treffen der zuständigen Minister und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin an, dem Unternehmen solle möglichst noch vor Ende des Monats eine Perspektive geboten werden. Der amerikanische Opel-Mutterkonzern GM muss seinerseits bis zum 29. Mai der US-Regierung ein tragfähiges Zukunftskonzept vorlegen. Doch selbst die Konzernspitze räumt inzwischen ein, dass eine GM-Insolvenz kaum mehr zu verhindern sei. Dies hätte für die deutsche Tochter Opel gravierende Folgen.

GM-Europachef Carl-Peter Forster ging in der Fachzeitschrift "auto motor und sport" (Freitag) jedoch davon aus, dass Opel auch im Fall der Insolvenz von GM weiter arbeiten könne und Zugriff auf alle Technologien behalte. Opel beschäftigt in vier deutschen Werken rund 25.000 Menschen.

Keine eindeutigen Signale von GM

Grundsätzlich entscheiden der ums Überleben kämpfende GM-Konzern sowie die US-Regierung über einen Einstieg von Investoren. Weder von GM noch von der US-Regierung kamen bisher eindeutige Signale. Da der Bund aber Bürgschaften für die Finanzierung einer Beteiligung geben soll, werden die Konzepte auch in Berlin vorgelegt und geprüft.

Regierungssprecher Wilhelm sagte, die Runde der zuständigen Minister werde sich in dieser Woche erneut treffen, um die Konzepte zu erörtern. Eine Verhandlungsdelegation stehe weiterhin bereit, kurzfristig nach Washington zu reisen, um eine Herauslösung von Opel auszuloten. In einem ersten wichtigen Schritt hätten sich Bund, Länder mit Opel-Standorten und staatliche Banken am Dienstagabend auf eine Brückenfinanzierung verständigt, die Opel in der derzeitigen unübersichtlichen Lage Zeit für weitere Verhandlungen mit Investoren verschaffen solle.

Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) sagte, der Finanzbedarf des Autobauers solle über einen verbürgten Kredit, für den der Bund und die Länder je zur Hälfte geradestehen, gedeckt werden. Thüringen will 51 Mio. Euro beisteuern, Nordrhein-Westfalen 150 Mio. Euro und Rheinland-Pfalz laut Südwestrundfunk (SWR) rund 102 Mio. Euro. Hessen will sich nach Angaben des Wiesbadener Finanzministeriums mit 447 Mio. Euro beteiligen. Insgesamt sind 1,5 Milliarden Euro Überbrückung im Gespräch.

Mit dem Treuhandmodell soll Opel aus dem Gesamtkonzern herausgelöst werden, um negative Auswirkungen einer GM-Insolvenz auf die deutsche Tochter zu vermeiden. Bedingung für das Treuhandmodell ist laut Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), dass Opel-Interessenten zukunftsträchtige Konzepte vorlegen. Andernfalls hält er auch eine "geordnete Insolvenz" für denkbar.

(Ag.)