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Sparen beim Kindergarten

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Das zweite verpflichtende Gratis-Kindergartenjahr kommt nun doch nicht. Für die Industriellenvereinigung ist das eine vertane Chance.

Wien. Viele Studien zeigen: Je länger die Kinder im Kindergarten sind, umso besser ist später die Schulleistung. Daher sieht das Regierungsprogramm die Einführung eines zweiten verpflichtenden Kindergartenjahres vor. Doch die Umsetzung scheiterte bislang am Geld. Für Fünfjährige gilt schon seit Längerem eine Kindergartenpflicht. Dafür schießt der Bund den Ländern jährlich 70 Millionen Euro zu. „Für ein weiteres Jahr wäre etwa die gleiche Summe notwendig“, so Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Auch Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) hatte noch im Juni versichert, dass ab Herbst 2016 auch Vierjährige halbtags verpflichtend in den Kindergarten gehen sollen. Der Besuch soll in ganz Österreich kostenlos sein.

Aber nun ist alles ganz anders. Am gestrigen Sonntag kündigte Karmasin über die APA an, das zweite verpflichtende Kindergartenjahr werde vorerst nicht umgesetzt. Stattdessen sollen die Eltern jener Vierjährigen, die keinen Kindergarten besuchen, zu Beratungsgesprächen gehen müssen. Die Pädagogen sollen in individuellen Gesprächen versuchen, Barrieren abzubauen, und einen Besuch empfehlen, so Karmasin.

Für die Industriellenvereinigung ist der Rückzieher „bedauerlich“. „Leider wurde eine wirklich große Chance vertan, gezielt genau dort anzusetzen, wo Bildungsinvestitionen am meisten bringen: nämlich in der Elementarbildung“, sagt IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Investitionen in die frühkindliche Bildung rechneten sich x-fach. „Umso unverständlicher ist es, dass die von vielen Experten vorgeschlagene und im Regierungsprogramm verankerte Maßnahme nicht umgesetzt wird“, so Neumayer.

 

Bund-Länder-Lähmung

Das Thema zeige wieder einmal: „Das komplexe Geflecht zwischen Bund und Ländern lähmt vieles, was dieses Land an Reformen braucht“, so Neumayer. Die Industriellenvereinigung hat ein eigenes Konzept ausgearbeitet. Demnach sollen Kinder in zwei verpflichtenden Gratis-Kindergartenjahren an die Schule herangeführt werden. Im letzten Jahr soll bereits mit der Volksschule kooperiert werden. Zunächst sollen die Elternbeiträge sozial gestaffelt werden, mittel- und langfristig soll die gesamte Kindergartenzeit gratis werden. Die Kosten sollten kein Problem sein, wenn eine Umschichtung der Familientransfers von Geld- hin zu Sachleistungen erfolge, so die Industriellenvereinigung.

Gefordert wird weiters eine Bundeskompetenz für die Elementarpädagogik. „Die Qualität darf nicht vom Wohnort abhängen“, betonte zuletzt Therese Niss von der Jungen Industrie. Derzeit gebe es neun unterschiedliche Rahmenbedingungen, neun unterschiedliche Bezahlsysteme und neun unterschiedliche Betreuungsschlüssel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2015)