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Ellenbogentechnik ist nicht genug

(c) Katharina Roßboth
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Nach wie vor sind Frauen in den Chefetagen unterrepräsentiert. Edeltraud Hanappi-Egger, erste Rektorin der WU, plädiert für einen Mix aus Konkurrenz und Kooperation.

„Konkurrenz ist ein Phänomen des Alltags“, sagt die neue und bislang erste Rektorin der Wirtschaftsuniversität in Wien (WU), Edeltraud Hanappi-Egger. Ebenso wie Kooperation. „Im beruflichen Leben wird man weder ohne das Eine noch ohne das Andere auskommen.“ Die Meinung des israelischen Autors Eyal Winter, demnach Männer evolutionsbedingt wettbewerbsfreudiger seien als Frauen, weshalb letztere oft auf der Karriereleiter stecken bleiben würden, teilt die Professorin aber nicht: „Ich halte diesen biologischen Denkansatz für überholt.“ Immerhin gebe es ausreichend Frauen, die berufliche Konflikt- und Konkurrenzsituationen nicht scheuen würden.

Das stelle sie auch immer wieder in ihren Lehrveranstaltungen zum Thema „Gender and Diversity in Organizations“ fest: „Die Studentinnen haben keine Scheu, sie wissen genau was sie wollen.“ Vorlesungen oder Übungen, in denen Durchsetzungskraft gelehrt würde, seien folglich nicht notwendig. „Ich finde es bedenklich, wenn manche Studienautoren behaupten, die Ellenbogentechnik sei das einzig Wahre – es braucht weit mehr Qualifikationen, um im Beruf erfolgreich zu sein.“

Dennoch wirken aktuelle Zahlen ernüchternd: Während es weit mehr weibliche als männliche Absolventen gibt, dominieren die höheren universitären Ebenen weiter die Männer. Selbiges gilt für den übrigen Arbeitsmarkt. Nach wie vor finden sich überdurchschnittlich mehr Männer in führenden Positionen, als Frauen: Laut des „Frauen.Management.Reports“ der AK Wien lag der Frauenanteil in den Geschäftsführungen der 200 umsatzstärksten Unternehmen Österreichs im Jänner bei 5,9 Prozent. Das ergibt, blickt man bis auf das Jahr 2002 zurück, eine marginale Steigerung von 2,2 Prozentpunkten. Ein weiteres Ergebnis der Erhebung: In nur 36 der Top 200 Unternehmen ist mindestens eine Position in der Geschäftsführung oder im Vorstand mit einer Frau besetzt. In nur zwei der geprüften Firmen haben es Frauen bis zur Vorstandvorsitzenden bzw. alleinigen Geschäftsführung geschafft: Sabine Herlitschka (Infineon AG) und Tatjana Oppitz (IBM GmbH). Stärker vertreten ist das weibliche Geschlecht indes in Aufsichtsräten. Der aktuelle Stand: 16,2 Prozent – im Vergleich: 2006 lag er bei 7,7 Prozent, 2014 bei 13,9 Prozent.

Komplexe Problemstellung

„Das ist eine komplexe Problemstellung und aus der Sicht von berufstätigen Frauen, die gerne in die Chefetage wollen, ist diese Auflistung sicher nicht sonderlich erfreulich“, sagt Hanappi-Egger. Mehr noch: „Wir betreiben hier eine massive volkswirtschaftliche Ressourcenverschwendung.“

Mit einen Grund dafür sieht sie im Vorgehen bei der Personalbeschaffung. Konkret: „Man sucht sich meist Personen, die einem selbst ähneln – gleich und gleich gesellt sich gerne. Weiters es nach wie vor für Männer authentischer als für Frauen, Führungspositionen einzunehmen.“ Hinzu komme ein Geschlechter-Bias: „Die Erwartungen an Frauen und Männer in Managementpositionen sind nicht die gleichen “, so die Professorin.

Neben den Rahmenbedingungen spiele auch der persönliche Wille eine Rolle: „Viele Frauen bewerben sich nicht. Auch wird oft angenommen, dass sie nicht an einer Karriere interessiert sind, werden aber nicht gefragt,“ beschreibt Hanappi-Egger die Situation. Das bedeute, dass in Firmen im Sinne eines Talente-Managements bewusst damit umgegangen werden müsse, dass Frauen sich nicht unbedingt vordrängen: „Oft warten sie bis ihnen eine Position angeboten wird.“ Dann schnappe ihnen dies aber oft ein selbstbewussterer Kollege weg. „Hier sind auch die Vorgesetzten gefordert, ein besseres Kommunikationssystem zu etablieren, sodass sie über mehr Informationen hinsichtlich der Leistungen der Einzelnen verfügen.“ Ein weiterer Lösungsansatz: „Berufstätigkeit darf keine Entweder-Oder-Entscheidung sein – weder für die Frau noch für den Mann.“ Gleiches gelte für die Frage der Kinderbetreuung.

Nicht anfreunden kann sich die Rektorin indes mit der sehr ideologisch geführten Debatte um Quotenregelungen – im November 2013 stimmte das Europäische Parlament für eine Geschlechterquote von 40 Prozent in den Führungsetagen europäischer Unternehmen. „Quoten sind hilfreich. Wieso ist man hier so emotional?“, frage sie sich. „Ich sehe darin eine wichtige Entscheidungshilfe – bei gleicher Qualifikation wird eben die Frau bevorzugt.“