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Das Rittern um den OMV-Finanzvorstand hat begonnen

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OMV. Noch hat der Mineralölkonzern das Ausscheiden von Finanzvorstand Davies nicht bestätigt. Namen, wer sein Nachfolger sein könnte, dringen dennoch schon nach außen.

Wien. Weder der Vorstand noch der Aufsichtsrat der OMV wollten bisher bestätigen, dass der langgediente Finanzvorstand des Konzerns David Davies, das Unternehmen bald verlassen soll, wie die „Presse“ kürzlich berichte. Im Gegenteil: Erst vor wenigen Tagen betonte der neue OMV-Boss Rainer Seele, wie sehr er die Zusammenarbeit mit dem Briten genieße. Und dennoch dringen schon Namen aus OMV-Kreisen nach außen, wer Davies nachfolgen soll.

Drei Kandidaten dürften nach „Presse“-Informationen in der engeren Auswahl stehen: Christoph Trentini, Daniel Turnheim und Thomas Winkler. Zwei von ihnen, Trentini und Turnheim, sind sowohl für das Management der OMV keine Unbekannten. Turnheim arbeitet seit 2002 für das Unternehmen, wurde 2009 Vorstand der türkischen OMV-Tochter Petrol Ofisi und wechselte 2011 als Finanzvorstand zum rumänischen Ölkonzern Petrom, an dem die OMV 51 Prozent hält. Schon 2012 kehrte er als sogenannter „Senior Vice President Corporate Finance“ nach Österreich zurück, eine Funktion in der er drekt an den Vorstand zu berichten hat. Sein Inhouse-Konkurrent Trentini, der wie Turnheim bei einem Hearing in den vergangenen Wochen unter die Lupe genommen wurde, ist seit 2004 bei der OMV und leitet als Senior Vice President das Controlling.

Beiden eilt der Ruf voraus, fachlich hervorragend zu sein. Und beide haben den Vorteil, den Konzern, der sich in der Phase des Umbruchs befindet, bis ins Mark zu kennen. Insider bezweifeln dennoch, dass Trentini oder Turnheim das Rennen machen. Ihr Nachteil: beide sind noch unter Gerhard Roiss, dem Vorgänger des jetzigen OMV-Bosses, groß geworden.

Winkler passt zur Strategie

Bessere Chancen werde daher dem Dritten, Thomas Winkler, eingeräumt. Er gilt als enger Vertrauter des früheren Magna-Bosses und Ex-Aufsichtsratsvorsitzenden der ÖIAG, Sigi Wolf. Dieser soll sich nun auch für Winkler stark machen, der einst nicht nur zwei Jahre im Management der Magna-Europa-Holding tätig, sondern auch Wolfs Stellvertreter im Aufsichtsrat der ÖIAG war. Erfahrung als Finanzvorstand hat der Salzburger beim ZellfaserherstellerLenzing gesammelt, das er jedoch 2013 vorzeitig verließ. Für Winkler spricht, dass er ideal zur neuen Strategie von Seele passt, der gerade dabei ist, Milliarden-Projekte mit der russischen Gazprom einzufädeln. Und Winkler kann gut mit den Russen; Zuletzt war er Aufsichtsrat von Bashneft, einem Ölkonzern, der bis vor Kurzem zur Holding Sistema des russischen Oligarchen Wladimir Jewtuschenkow gehörte. Bei Sistema hatte er zuvor auch die Mobilfunksparte als Vizechef gemanagt.

OMV-Sprecher Johannes Vetter erklärte, Personalangelegenheiten „grundsätzlich nicht“ zu kommentieren: Und “Vorstandsangelegenheiten gehören außerdem zu den Aufsichtsratsagenden.“ Peter Oswald, Aufsichtsratsvorsitzender der OMV, reagierte ebenfalls auf die Anfrage der "Presse: "Ich bitte um Verständnis, dass ich dies nicht kommentieren kann."


[LMZOB]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2015)