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Ein neuer urbaner Luxus an der Mur

Toplagen. Wohnten Grazer gern im Grünen, locken High-End-Projekte jetzt in die Stadt.

Der anspruchsvolle Grazer hat die Stadt wiederentdeckt. War der Innenstadtbereich lange Jahre eher nicht die Wohngegend jener, die es sich aussuchen konnten, so hat sich das in den vergangenen Jahren deutlich geändert. Zwar ist die Innere Stadt nach wie vor eher ein Miet- denn ein Kaufmarkt, weil viele der Zinshäuser im Familien- oder Besitz institutioneller Anleger sind, schön langsam kommen aber Luxusprojekte auf den Markt, die die Preise in der Stadt neu definieren – etwa der Pfauengarten zwischen Karmeliterplatz und Stadtpark, am Joanneumring oder aktuell der Wilde Mann an der Jakoministraße.
Das einst an der Mur als unerreichbar geltende Preislimit von 10.000 Euro pro Wohnquadratmeter wird für diese neuen Luxusprojekte inzwischen durchaus aufgerufen. Und auch gezahlt, wie Stefan Schönhofer, Geschäftsführender Gesellschafter von Schönhofer-Hammerl Immobilien sagt: „Die haben wir bei einem Dachausbau am Freiheitsplatz 1 inzwischen erzielt“, so der Makler.

Allerdings sind fünfstellige Summen in der Grazer Innenstadt nach wie vor die Ausnahme, realistischer sind für High-End-Immobilien in den Einserlagen Preise zwischen 7500 und 8000 Euro. Zu denen zählen in der Stadt grundsätzlich Geidorf, das Herz-Jesu- und das Universitätsviertel, die besten Adressen finden sich am Ring, am Freiheits-, Karmeliter- und Kaiser-Josef-Platz.
Und jetzt eben auch an der Jakoministraße: Insgesamt 2700 Quadratmeter Nutzfläche werden hier von der Pluto Vermögensentwicklung saniert und aufgestockt, neben Büro- und Geschäftsräumen entstehen 29 luxuriöse Wohnungen und Penthouses in Größenordnungen von 32 bis 125 Quadratmetern Wohnfläche. „13 Einheiten sind schon verkauft“, freut sich Schönhofer über die rege Nachfrage. „Das Besondere vor allem an den Penthouses ist die einzigartige Architektur mit wirklich großzügigen Außenflächen“, schwärmt der Makler.

Aber auch im Inneren sorgen Raumhöhen zwischen 3,5 und fünf Metern mit bodentiefen Fenstern für eine luftige Atmosphäre und Ausblicke über die Dächer der Stadt. Wobei die Außenflächen derzeit fast ein wenig begehrter seien als die Wohnflächen selbst, bei denen sich viele Interessenten durchaus mit weniger Platz zufriedengeben. Was Schönhofer durchaus nachvollziehen kann, denn „bei einem Quadratmeterpreis von 7500 bis 8000 Euro braucht es für entsprechend große Flächen einfach viel Kapital“.

Am grünen Rand

Das braucht es auch traditionell bei den Klassikern unter den Grazer Luxuslagen. Die Gegenden, in denen die begehrten Villen stehen, sind der Ruckerl- und der Rosenberg sowie die Lagen rund um den Hilmteich; zu den prestigeträchtigen Straßennamen auf den Visitenkarten gehören unter anderem die Schubertstraße und die Nibelungengasse. „Wenn dort eine Villa verkauft wird, braucht man meist nicht einmal eine Annonce schalten“, weiß Luise Eder, Inhaberin des gleichnamigen Immobilien-Unternehmens, „da hat man als Makler genügend Interessenten im Kundenstock.“ Diese müssten für entsprechende Liegenschaften bereit sein, zwischen 1,5 und drei Millionen Euro lockerzumachen, so Eder. Zu den Faktoren, die den Preis noch einmal ein wenig anheben können, zählt neben dem Blick über die Stadt vor allem jener auf den Schlossberg samt Uhrturm – dem Grazer Äquivalent zum Stephansdomblick in Wien.

Ein verhältnismäßig günstiges Angebot ist da die Jugendstilvilla, das Eder aktuell um knapp 1,2 Millionen in ihrem Portfolio hat. In der Nähe des LKH St. Leonhard wartet das Jahrhundertwendeobjekt auf neue Besitzer, die für den Kaufpreis 590 Quadratmeter Grund und 290 Quadratmeter Wohnfläche bekommen. Diese verteilt sich auf zehn Zimmer und drei Geschoße mit Parkett- und Fliesenboden, neben dem großzügigen Garten mit Altbaumbestand sorgt auch noch eine 30 Quadratmeter große, erhabene Terrasse für den Zugang ins Freie. Das um circa 1905 erbaute Haus ist komplett saniert und hat einen Carport, ein Tiefgaragenplatz kann außerdem zugekauft werden.

Ganz im Grünen

Und wenn es wirklich im Grünen sein soll, hat der Grazer bekanntlich eine Gegend vor der Haustür, die Wienern, Tirolern und Deutschen weite Anreisen wert sind. Begehrt sind in der Südsteiermark nach wie vor luxuriöse Zweitwohnsitze, die traditionelle Elemente wie alte Presshäuser oder Kellerstöckln mit modernen Annehmlichkeiten verbinden. Und vor allem eine Allein- und Aussichtslage abseits der im Herbst stark frequentierten Ausflüglerrouten vorweisen können. Wer hier in den begehrten Orten wie Gamlitz, Kitzeck oder Ehrenhausen etwas im High-End-Bereich kaufen will, sollte inzwischen deutlich mehr als eine halbe Million Euro dafür einplanen. „Wenn man ein bisschen Grund dabei haben will, sind eher 700.000 Euro bis zu einer Million realistisch“, weiß Karin Marchl, geschäftsführende Gesellschafterin von Herzog Immobilien.

Wobei es die Grazer selbst gar nicht unbedingt in die Südsteiermark zieht, viele bevorzugen die Gegend um Stainz und die Schilcher Weinstraße. „Stainz ist leicht erreichbar, und dort gibt es auch Schulen, in die die Kinder gehen können“, so Marchl, was gewichtige Argumente für jene Steirer sind, die zwar in der Natur wohnen. aber zum Arbeiten nach Graz pendeln. Entsprechend unterscheiden sich Nachfrage und Preise hier kaum noch von jenen in der Südsteiermark. Auch hier im Westen sind Anwesen mit Charme und Geschichte heiß begehrt und fallen in die Kategorie „gut, aber aus“.
Eines dieser raren Objekte im Herzog'schen Portfolio ist ein Winzerhaus in der Nähe von Stainz, das über der Nebelgrenze liegt und auf einem Grundstück von über 7000 Quadratmetern steht. Von den jetzigen Besitzern liebevoll restauriert, findet sich hier neben dem Haupthaus noch der umgebaute ehemalige Stadel, der heute zwei Apartments beherbergt. Insgesamt gibt es für die aufgerufenen 795.000 Euro 300 Quadratmeter Wohn- und 445 Quadratmeter Nutzfläche, außerdem einen Mostkeller, eine alte, zu einem Grillplatz umgebaute Obstpresse sowie ein Poolhaus samt Pool. Von dem aus der Blick auf das Schloss Stainz geht – das zwar nicht der Uhrturm ist, aber mindestens so schön anzuschauen. (sma)

Graz und Umgebung

Begehrte Lagen in Graz sind Geidorf, das Herz-Jesu- und das Universitätsviertel, der Ring, Freiheits-, Karmeliter- und Kaiser-Josef-Platz, neuerdings auch die Jakoministraße. Beste Villenadressen sind Ruckerl- und Rosenberg sowie die Hilmteichnähe. In der Südsteiermark sucht eine durchaus internationale Klientel Zweitwohnsitze in Gamlitz, Ehrenhausen und Kitzeck. Die Grazer wissen auch die Schilcher Weinstraße und Stainz plus Umgebung zu schätzen.