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Fachwissen allein ist oft nicht genug

Formel auf einer Tafel
Formel auf einer Tafel(c) www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)
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Technikerkarrieren. In ihrer Laufbahn benötigen Absolventen der MINT-Fächer früher oder später meist auch Management-Kompetenzen.

Von der Fach- zur Managementkompetenz, das ist auf dem Karriereweg vieler Techniker und Naturwissenschaftler eine große Herausforderung. Wobei die Managementkompetenz immer früher gefordert wird, wie Franz Gatterer betont. Der Unternehmensberater leitet an der FH Campus Wien einen Professional MBA, der ab Frühjahr 2016 in Kooperation mit der Webster Private University Vienna angeboten wird und der spezifisch auf die Branchen Technik, Bau und Life Science ausgerichtet ist. „80 Prozent der Personen bleiben in ihrem Berufsleben in einer Branche“, begründet Gatterer diese Ausrichtung.

Gelehrt wird neben klassischem Managementwissen, das der Kooperationspartner Webster University beisteuert, vor allem „Dynamik, Change Management und Leadership. Wir wollen keine Trennung zwischen ,Chefs‘ und ,Machern‘, sondern die Teilnehmer in die Lage versetzen, komplexe Wertschöpfungsketten gestalten zu können“, sagt Gatterer. Generell ist für den Experten die „Anschlussfähigkeit“ ein wesentliches Ziel der weiterführenden Ausbildung für Techniker, also die Fähigkeit, mit Vertretern verschiedener Fachbereiche vom Juristen bis zum Logistiker zu kommunizieren.

 

Eigene Erfahrung ansprechen

Für Gatterer kann dies nur vor dem Hintergrund eigener beruflicher Erfahrung vermittelt werden, weswegen diese Fertigkeit postgradualen Ausbildungen vorbehalten sei.

Bei der Auswahl der weiterführenden Ausbildung sei zum einen die Entscheidung zwischen „breit“ und „schmal“ – sprich wirtschaftlicher und fachlicher Vertiefung – zu treffen, und im Fall der fachlichen Vertiefung jene, ob sie interdisziplinär oder spezialisiert sein soll. „Hier bedarf es einer individuellen Karriereplanung“, so Gatterer.

Für all diese Optionen gibt es auch im Continuing Education Center der TU Wien entsprechende Angebote. „Unser Professional MBA, den wir seit 15 Jahren gemeinsam mit der Donau-Uni Krems anbieten, wird zu über 70 Prozent von Technikern absolviert“, sagt CEC-Geschäftsführerin Petra Aigner. Und weist auf den Frauenanteil von 43 Prozent hin. Bei branchenspezifischen MBA wie Automotive Industrie oder Renewable Energy in CEE gebe es kaum Quereinsteiger und entsprechend der jeweiligen Branche auch einen geringeren Frauenanteil.

Die Nachfrage sei gut. „Viele große Unternehmen entsenden immer wieder Mitarbeiter in unsere Programme“, so die CEC-Geschäftsführerin. Heuer verzeichnet das CEC eine Steigerung, sowohl bei wirtschaftlichen als auch bei fachlich orientierten Angeboten. Besonders gefragt seien derzeit Programme auf dem Immobiliensektor. Ein weiterer Trend sind englischsprachige Ausbildungen. Daher wird etwa der MBA Facility Management ab kommendem Jahr in englischer Sprache abgehalten. Auch die Teilnehmer der Weiterbildungsangebote werden laut Aigner zunehmend internationaler – und im Durchschnitt jünger. Letzteres führt Aigner auch auf das Bologna-System mit den früheren Bachelor-Abschlüssen zurück.

Bereits seit zehn Jahren bietet auch die an der gleichnamigen FH beheimatete Technikum-Wien-Academy (vormals LLL Academy) Weiterbildungslehrgänge an. Die Palette reicht von Seminaren zu Themen wie Leadership oder Usability über mehrmonatige Zertifikatslehrgänge bis hin zu MBA-Lehrgängen. Letzteres Angebot soll im Herbst 2016 um Digital Marketing und New Business Development ergänzt werden. Die MBA an der Technikum-Wien-Academy stehen prinzipiell allen Qualifizierten offen. In der Tendenz würden mehr Techniker als Nichttechniker das Angebot nutzen, wobei der Anteil je nach Programm variiert, so Sales & Product Manager Masaki Nakomura. Die Masterlehrgänge seien alle auf Anregung von Unternehmen entstanden, die entsprechenden Bedarf signalisiert haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2015)