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Blackout auf der Krim: Rechter Block erklärt Stromkrieg

(c) REUTERS (REUTERS TV)
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Durch Anschläge auf Starkstromleitungen wurde die Elektrizitätsversorgung der Halbinsel unterbrochen. Die mutmaßlichen Täter: ukrainische Nationalisten.

Sewastopol/Kiew. Anschläge auf Starkstromleitungen in der Ukraine haben auf der von Russland im Frühjahr 2014 annektierten Halbinsel Krim zu einem Blackout geführt. Bis zu zwei Millionen Einwohner waren ohne Strom und Heizung, die Behörden richteten einen Krisenstab ein und riefen den Notstand aus. Zumindest gesellschaftlich wichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser konnten relativ rasch aus Notstromaggregaten wieder versorgt werden. Da mit großer Wahrscheinlichkeit ukrainische Nationalisten vom Rechten Block hinter den Anschlägen auf die Stromleitungen stehen, könnte das zu einer weiteren Verschärfung des ohnedies extrem angespannten Verhältnisses zwischen Kiew und Moskau führen.

Die ukrainischen Nationalisten blockieren zusammen mit Krimtataren schon seit über zwei Wochen Warentransporte auf die Halbinsel, die auf dem Landweg nur über ukrainisches Territorium versorgt werden kann. Sie wollen damit die Freilassung von in Russland gefangenen gehaltenen Ukrainern und die Aufhebung von Einreiseverboten gegen krimtatarische Politiker erreichen. Mit den Anschlägen auf die Starkstromleitungen in der Nacht zum Sonntag haben sie auch zwei südukrainische Bezirke, Cherson und Mykolajiw, von der Stromversorgung teilweise abgeschnitten.

 

Angriffe auf Reparaturtrupps

Laut dem ukrainischen Energiekonzern Ukrenergo könnte die Stromversorgung innerhalb weniger Tage wiederhergestellt werden. Das Problem: Die Nationalisten und die krimtatarischen Aktivsten bemühten sich, den Zugang von Reparaturtrupps zu den beschädigten Leitungen und Masten zu verhindern und lieferten sich Raufereien mit paramilitärischen Polizeieinheiten.

Rund 70 Prozent der Elektrizität auf der Krim kommt weiterhin aus der Ukraine. Mit eigenen Kraftwerken, Gasturbinen und Dieselgeneratoren wurde versucht, die Stromversorgung zumindest teilweise wieder zu gewährleisten. Heizen war zunächst kein Problem, nachdem am Wochenende noch Außentemperaturen von 18 Grad gemessen wurden. Der heutige Montag wurde zu einem arbeitsfreien Tag erklärt.

Auf der anderen Seite bleibt Russland ein wichtiger Partner der Ukraine bei der Energiegewinnung – sei es durch Erdgas- und Erdöllieferungen, sei es durch Kohle. Bis Jahresende wollte Kiew 200.000 Tonnen Kohle in Russland einkaufen, zumal es von bisherigen Kohlelieferungen aus der abtrünnigen Ostukraine abgeschnitten ist.

 

Verlängerung der Russland-Sanktionen

Unterdessen gibt es Berichte, dass sich beim G20-Treffen vor einer Woche im türkischen Antalya eine Fünferrunde darauf geeinigt haben soll, die westlichen Sanktionen gegen Russland wegen der Interventionen Moskaus in der Ukraine um ein weiteres halbes Jahr bis Juli 2016 zu verlängern; die Sanktionen wären Ende dieses Jahres ausgelaufen. In Antalya sollten sich US-Präsident Barack Obama, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, der britische Premier David Cameron, Italiens Regierungschef Matteo Renzi und der französische Außenminister Laurent Fabius darauf verständigt haben, bis alle Elemente des Minsker Abkommens umgesetzt seien.

Eine westlicher Diplomat erläuterte: „Wir haben nur die eine Chance, von Russland das zu bekommen, was wir erreichen wollen, wenn wir weiter die Sanktionenkarte spielen. Die finanziellen Sanktionen müssen bis zum bitteren Ende bestehen bleiben.“ Vor allem in Zusammenhang mit geplanten Wahlen in der Ostukraine müsse der Druck auf Moskau aufrecht bleiben.

 

Zehn Extremisten getötet

Im Nordkaukasus haben russische Spezialkräfte nach Angaben der Regierung in Moskau zehn Extremisten getötet, die mit der Terrormiliz Islamischer Staat verbündet gewesen seien sollen. Die mutmaßlichen Islamisten seien Angehörige einer bewaffneten Gruppe gewesen, „die dem Islamischen Staat die Treue geschworen“ habe, verlautbarte am Sonntag das russische Anti-Terror-Komitee.

Schauplatz des Anti-Terror-Einsatzes war die Unruherepublik Kabardino-Balkarien im nördlichen Kaukasus. Nahe der dortigen Hauptstadt Naltschik sei es zu einem Schusswechsel von Verdächtigen mit russischen Sicherheitskräften gekommen. (Reuters, afp)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2015)

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