Im Vorjahr 90.000 Asylanträge in Österreich

Das Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen.
Das Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen.APA/HERBERT NEUBAUER

Im Vergleich zu 2014 gab es einen Anstieg um gut 200 Prozent. Afghanen stellten die meisten Asylgesuche.

Das Innenministerium hat die vorläufigen Asylzahlen für das vergangene Jahr vorgelegt. Demnach wurden rund 90.000 Ansuchen gestellt und damit um gut 200 Prozent mehr als im Jahr davor, als 28.000 Anträge abgegeben wurden. An den historischen Höchstwert von 170.000 im Jahr 1956 zur Zeit der Ungarn-Krise kam man freilich nicht heran.

Allerdings ist es doch schon lange Zeit her, dass auch nur annähernd so viele Flüchtlinge nach Österreich kamen. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 wurden gerade einmal 11.012 Anträge gezählt.

Größte Flüchtlingsgruppe waren über das ganze Jahr gerechnet die Afghanen mit 25.202 Anträgen. Knapp dahinter folgen mit 25.064 Ansuchen die Syrer. Schon abgeschlagen auf Platz drei liegen die Iraker mit 13.528 Anträgen. Alle anderen Gruppen haben weit weniger als 10.000 Ansuchen abgegeben.

24.000 Menschen reisten seit Jahresbeginn ein

Am Montag war bekannt geworden, dass Deutschland täglich zwischen 50 und 200 Flüchtlingen an der Grenze abweise und zurück nach Österreich schicke. Auch an der österreichisch-slowenischen Grenze aber werden immer wieder Flüchtlinge abgewiesen, die lediglich durch Österreich durchreisen und hier keinen Asylantrag stellen wollen.

Was die "Frage der Einreise und der Weiterreise" betreffe, sei es "kein Automatismus, dass jeder, der durch Österreich weiterreisen will, das auch kann", sagte Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck. Dies gelte freilich nicht für Menschen, die hier einen Asylantrag stellen wollten. Dies sei unabhängig von der Nationalität jederzeit weiterhin möglich.

Allein in den ersten zehn Tagen des neuen Jahres seien 25.000 Flüchtlinge über Slowenien nach Westeuropa gereist, berichtete die Nachrichtenagentur STA. In Österreich kamen im selben Zeitraum rund 24.000 Schutzsuchende an. 1.652 Menschen wurden an der Grenze Kärntens mit Slowenien seit Jahresbeginn zurückgewiesen. Dies geschah nach Angaben des Kärntner Polizeisprechers Michael Masaniger aufgrund fehlender Dokumente oder unglaubwürdiger Angaben.

Spielfeld: Zeit ohne Ankünfte zum Zaunausbau genutzt

Am steirisch-slowenischen Grenzübergang Spielfeld wurden seit 6. Jänner wurden keine Flüchtlinge registriert. Der Zustrom hat sich von Slowenien nach Kärnten verlagert. Die Zeit wurde zum weiteren Ausbau des sogenannten Grenzmanagements für bis zu 10.000 Menschen täglich genutzt.

Woran es in den vergangenen Monaten gemangelt hat, wurde nun durch Umstrukturierung geschaffen: ausreichend Platz und möglichst keine langen Stehzeiten für Flüchtlinge. Mit dem Aufbau zweier weiterer Großzelte am früheren "Trichter", wo es zu großen Menschen-Ansammlungen und aufgeheizten Situationen gekommen war, hofft man hier die Situation künftig entschärft zu haben. "Flüchtlinge werden von den slowenischen Kollegen bis zur Grenze gebracht", so Polizist Fritz Grundnig. "Innerhalb eines zu beiden Seiten vier Meter hohen Zauns im Bereich des Flugdachs der früheren slowenischen Zollstation gehen die Menschen entlang, bis sie zum ersten Zelt gelangen." Darin werden sie entlang von Absperrgittern weitergeleitet und erhalten ein Formular, in dem Name, Geburtsdatum, Herkunft und Fluchtroute angegeben werden sollen. Dolmetscher stehen zur Unterstützung bereit. Mit dem Formular geht es ins nächste Zelt, in dem die Menschen ebenfalls über "Leitlinien" aus hüfthohen Absperrgittern zu einem der 48 kleinen "Checkpoints" geleitet werden. Je zwei solche sind in einem Container untergebracht, über die sich zum Witterungsschutz ein Großzelt erstreckt.

Die auch "Schnecken" genannten Wege in mehreren Windungen sorgen dafür, dass Ankommende praktisch ständig in Bewegung sind und nicht das Gefühl von Stehzeiten bekommen, so die Einsatzkräfte. "Ein Durchlauf von Registrierung bis zur Abfahrt mit Bussen wäre für einen Menschen in bis zu 20 Minuten möglich", erklärte Grundnig.

(APA)