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Sprachliche Zombies

(c) AP (Chris Nakshima-Brown)
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Manche Dinge sind schon so ausgelutscht, dass der Hohlraum irgendwann implodiert.

Dummerweise verteilen sich durch diesen Knall immer wieder neue Kolonien des ewig Gleichen in alle Richtungen und überziehen die Welt mit einer Patina jenseits jeglicher Originalität. Klassisches Beispiel ist die ewige Frage, welche drei (wahlweise fünf) Dinge man wohl auf eine Insel mitnehmen würde. Längst totgeglaubt tauchen diese unseligen Inselrankings als Zombies der alternativen Fragestellung in Interviews und Kettenmails noch immer regelmäßig auf.

Ein solches Zombiedasein fristet auch der arme Lazarus, dessen Auferstehung immer wieder als Referenz für Comebacks auf sportlicher, politischer oder künstlerischer Bühne herhalten muss – hätte Michael Jackson seine Londoner Konzerte noch absolvieren können, wäre dieser Vergleich wohl wieder herangezogen worden. Aus bekannten Gründen wird diese Phrase in besagtem Fall wohl eher nicht mehr gebraucht werden – obwohl, sollte ein Album mit bisher unveröffentlichten Songs in den Charts ganz vorne landen, würden wohl einige Kritiker erst recht wieder diesen Vergleich bemühen.

Im Grab rotieren (zugegeben, auch schon ziemlich oft wiedergekäut. Sorry!) wird wohl Helmut Qualtinger, wenn jede Auseinandersetzung gleich in Relation zu „Simmering gegen Kapfenberg“ gesetzt wird. Gibt es denn keine anderen brutalen Schlachten, die man für einen Vergleich aus der Kredenz holen kann? Es würde unserem sprachlichen Koordinatensystem jedenfalls nicht schaden, manchen Referenzpunkt nicht bei jeder Gelegenheit anzusteuern.

Zum Abschluss – was würde ich auf die Insel mitnehmen? Nur einen nassen Fetzen. Um jeden zu traktieren, der mir diese Frage stellt.


erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2009)