Saudiarabien steigert Waffenkäufe um 275 Prozent

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Dank vieler Konflikte blüht der Waffenhandel weltweit. Die USA, Russland, China, Frankreich und Deutschland verdienen am stärksten am Export von Kriegsmaterial.

Die aktuellen Konflikte im Nahen Osten und die Spannungen in Ostasien lassen die Waffenkäufe steigen. Laut einer heute, Montag, veröffentlichten Studie des Friedensforschungsinstituts Sipri sind in den Jahren 2011 bis 2015 um 14 Prozent mehr Waffen exportiert worden als in den Jahren 2006 bis 2010. Die größten Lieferanten waren die USA, Russland, China, Frankreich und Deutschland.

Der aktuelle Syrien-Konflikt dürfte indirekt zur Steigerung beigetragen haben. Denn bei den involvierten Staaten stieg der Ankauf von Waffen in den vergangenen Jahren an. So legten etwa die saudiarabischen Waffenimporte um nicht weniger als 275 Prozent zu. Das gelieferte Kriegsmaterial kam vor allem aus den USA, Großbritannien und Kanada. Saudiarabien unterstützt nicht nur sunnitische Kräfte in Syrien, sondern griff selbst im Jemen in einen Konflikt mit den schiitischen Houthi-Rebellen ein. Das Land gibt mittlerweile mehr als ein Zehntel seines jährlichen Bruttoinlandsprodukts für die Rüstung aus. Damit liegt Saudiarabien gemeinsam mit dem Oman weltweit an der Spitze.

Auch Russland, das mit Militäroperationen in Syrien das Assad-Regime unterstützt, hat in den vergangenen Jahren seinen Verteidigungsetat erhöht. 2014 lag er laut Sipri bei 84,5 Mrd. Dollar. Saudiarabien kam im selben Jahr bereits auf 80,7 Mrd. Dollar. Gleichbleibend hoch ist das Niveau der Waffenimporte in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Um 88 Prozent gestiegen sind auch die Einfuhren im Irak.

 

Vietnam kauft deutlich mehr

Auffällig ist ein beachtlicher Zuwachs von Rüstungsimporten in Vietnam um 699 Prozent. 93 Prozent dieser Waffen lieferte Russland. Den rasanten Anstieg erklärt Sipri mit dem Territorialkonflikt mit China beziehungsweise Taiwan im Südchinesischen Meer.

China setzt indessen immer stärker auf die eigene Waffenherstellung. Entsprechend haben sich die Importe um ein Viertel reduziert. Mit einem Verteidigungshaushalt von 216 Milliarden Dollar (2014) ist China hinter den USA (610 Mrd. Dollar) derzeit die zweitgrößte Militärmacht der Welt. Während die Vereinigten Staaten ihre Militärausgaben weitgehend konstant halten, legt China von Jahr zu Jahr zu. Seit 2009 wurde der Etat verdoppelt. Für die Führung in Peking ist die Waffenproduktion auch zu einem internationalen Verkaufsschlager geworden. Laut Sipri konnte China seine Exporte im angeführten Vergleichszeitraum um 88 Prozent steigern.

Auch in Mexiko stiegen die Einkäufe von Waffen deutlich (um 331 Prozent). Dies dürfte auf den Kampf der Regierung gegen das Drogenkartell zurückzuführen sein. Südamerikanische Staaten halten ihre Militärausgaben hingegen weitgehend auf gleichem Niveau.

 

Europa reduzierte Käufe

Während die Waffenexporte aus anderen Erdteilen zunehmen, exportierten europäische Staaten zwischen 2011 und 2015 weniger als in den fünf Jahren davor. In Frankreich, dem wichtigsten europäischen Produzenten, fielen die Ausfuhren um knapp zehn Prozent, in Deutschland um 51 Prozent.

Auch die Importe gingen in Europa – um 41 Prozent – zurück, was vor allem mit der prekären budgetären Situation in Griechenland und Spanien zu erklären sei, so die Sipri-Experten. Importe nach Griechenland und Polen gingen um deutliche 77 Prozent bzw. 65 Prozent zurück. (ag./red.)