Schnellauswahl

G8: Sogar die Erde ist dem Cavaliere gnädig

(c) EPA (Eric Feferberg)
  • Drucken

Ein entspannter Gipfel, Lob für den Gastgeber: Berlusconi ist trotz seiner Eskapaden international angesehen - sogar auf seine Witzeleien habe er verzichtet, heißt es.

L'Aquila. Eine nette Ironie der Geschichte: Alle Staats- und Regierungschefs, die zum G8-Gipfel in L'Aquila aufmarschiert sind, haben ihre First Ladys mitgebracht. Die machen am Rande des Geschehens überall eine blendende Figur. Nur der Gastgeber, Silvio Berlusconi, steht einsam auf der Bühne. Ausgerechnet er, der Frauenheld, dessen Affären die italienischen Zeitungen seit Monaten füllen.

Berlusconi könnte sich damit trösten, dass auch Angela Merkel, wie üblich, ohne Ehegatten angereist ist. Doch Berlusconi braucht keinen Trost. Er hat in den drei Tagen von L'Aquila stärker denn je erreicht, was er bereits für verloren glaubte: die Anerkennung vonseiten der Mächtigen dieser Erde. Die Frauengeschichten, so heißt es aus Delegationskreisen, hätten nirgendwo eine Rolle gespielt. Berlusconi habe sich als seriöser, sachorientierter Diskussionsleiter und effizienter Gipfel-Organisator empfohlen; sogar auf seine Witzeleien habe er verzichtet.

 

„Eine starke Führungsfigur“

Das mehrfache Lob von Barack Obama gar, das ging dem stark angeschlagenen Regierungschef runter wie Öl: Berlusconi sei „ein exzellenter Gastgeber“, sagte der US-Präsident, „eine starke Führungsfigur“. Was will man mehr?

Es war Berlusconis dritter G8-Gipfel. Der erste – 1994 in Neapel – verlief ruhig, aber den an Ort und Stelle folgenden UN-Gipfel zur Organisierten Kriminalität ruinierte die Staatsanwaltschaft, als sie Berlusconi auf offener Bühne mitteilte, gegen ihn werde wegen Bestechung ermittelt. Der zweite Gipfel – 2001 in Genua – ist einzig wegen der gewalttätigen Ausschreitungen und der Polizeibrutalität gegen Demonstranten in Erinnerung geblieben.

Den Gipfel von L'Aquila ging Berlusconi mit extremer Nervosität an. Nach Ende der drei Gipfeltage hingegen herrscht eitel Sonnenschein. Die Erde von L'Aquila hat zwar häufig, aber nur leicht gebebt. Die Delegationen waren trotz der engen, tendenziell spartanischen Wohnbedingungen in der Kaserne zufrieden; die G8-Runde der führenden Industriestaaten ist erfolgreich und „dauerhaft“ um sechs Schwellenländer erweitert und damit repräsentativer für die globalisierte Wirtschaft geworden; was für den Klimaschutz und die Doha-Welthandelsrunde versprochen worden ist, lässt sich zumindest als Erfolg darstellen. Am Ende zeigte auch noch das große Afrika-Spektakel wenigstens viel guten Willen.

 

„Nicht erreicht, was ihr wolltet“

Gut angekommen bei den evakuierten Bewohnern von L'Aquila sind die „Ruinen- und Solidaritätstouren“ von Barack Obama, Angela Merkel und den First Ladys. Dass auch der russische Präsident Dmitrij Medwedjew durch die zerstörte Innenstadt von L'Aquila gegangen ist, fiel nicht weiter auf.

Dafür sorgte US-Kinostar George Clooney für Aufsehen. Er hatte zwar mit den G8 nichts zu tun, besichtigte aber eine Zeltstadt, um den Evakuierten nahe zu sein. Das hatte kein Staatschef gewagt, Berlusconi am allerwenigsten: Kritische Fragen, angestauter Unmut über den „allzu langsamen“ Wiederaufbau hätten seine Stimmung gewiss gestört.

So aber, geschickt flankenbereinigt, feiert Berlusconi seinen Erfolg. Einem Reporter der linksliberalen Tageszeitung „La Repubblica“, die seit Monaten fanatisch versucht, den Regierungschef abzusägen, wollte Berlusconi bei der Pressekonferenz zuerst das Mikrofon entziehen. Dann aber besann er sich und rief grinsend: „Auf jeden Fall habt ihr nicht erreicht, was ihr wolltet. Macht's gut!“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2009)