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Werte: Welser FPÖ will Kinder zu Gedichten verpflichten

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Der FPÖ-Bürgermeister der Stadt Wels schreibt den Kindergärten vor, dass die Kinder fünf deutschsprachige Lieder und ebenso viele Gedichte vortragen können müssen.

Welche Lernziele soll ein Kindergarten erfüllen? Für den FPÖ-Bürgermeister von Wels, Andreas Rabl, sind einige offenbar sehr klar. In seinem Auftrag erstellte die Welser Dienststelle "Kindergärten und Horte" deshalb einen Wertekodex, in dem neben allgemeinen Verhaltensregeln auch konkrete Bildungsangebote definiert werden.

Inhalte des Kodex sind etwa die kulturellen Grundwerte, betont werden mehrmals die christlichen Feste. Erntedank und Nikolaus sollen den Kindern "Brauchtum, Tradition, Werte und Gemeinschaft" näher bringen. Ein Punkt, der für städtische Kindergärten wohl ungewöhnlich ist: Zu den jeweiligen christlichen Festen müssen Besuche einer Kirche angeboten werden.

Fünf deutschsprachige Gedichte rezitieren

Doch ein Punkt erregt besondere Aufmerksamkeit: "Die Kinder sind fähig, mindestens 5 deutschsprachige Lieder und mindestens 5 deutschsprachige Gedichte zu singen bzw. vorzutragen (eine konkrete Festlegung der Lieder und Gedichte erfolgt)", heißt es in dem Schreiben an die Kindergärten.

Die Elementarpädagogik-Plattform EduCare übt hier harte Kritik: In Wels habe es einen Aufschrei gegeben und die Kindergartenpädagoginnen hätten sich an die Plattform gewandt. "Kultur wird hier gleichgesetzt mit christlicher Religion", so Heide Lex-Nalis, Sprecherin der Plattform EduCare gegenüber der "Presse". Das würde vielen sauer aufstoßen. Genauso wie die Betonung von Ordnung, Leistung und Disziplin im Kindergarten.

Prinzipiell könne ein Bürgermeister den Kindergärten so etwas auch gar nicht vorschreiben, so die Meinung von EduCare. Man fordere bereits seit Jahren, dass der Bund Verantwortung für das Kindergartenwesen übernehmen solle. Derzeit ist es Ländersache. Und: "Es ist schon schwierig genug, sich in allen Fragen mit jedem einzelnen Bundesland einigen zu müssen – wenn jetzt aber auch noch die Bürgermeister mitmischen, wird es komplett unübersichtlich" sagt Heide Lex-Nalis, Sprecherin der Plattform EduCare.

Entspannungstechniken als Ziel

Auch fern der Integration kann der Wertekodex Anlass zur Diskussion geben: Enthalten ist manches, was sicherlich als allgemeines Ziel gesehen werden kann, etwa: Die Kinder können Konflikte bewältigen, "indem sie sich Fehler eingestehen, sich versöhnen und anderen Kindern und Menschen verzeihen". Hier stellt sich wohl die Frage, wie es möglich sein kann, dieses "konkrete Lernziel" zu erfüllen. Eher amüsant scheinen dagegen Punkte wie dieser: "Die Kinder haben verschiedene Entspannungsübungen erlernt und können diese im Alltag individuell einsetzen."