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Spielberg: „Lausbubenstreiche sind verboten“

MEDIENTAG RED BULL AIR RACE: ARCH
(c) APA/ROBERT JAEGER
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Das Red-Bull-Air-Race gastiert ab heute in Spielberg, Hannes Arch will dabei eine Rechnung begleichen. Über schlaue Investments, gewagte Stunts und Frachtflüge im Himalaja.

Die Presse: Gewinnt beim Air Race der beste Pilot oder das schnellste Flugzeug?

Hannes Arch: Jeder ist sich bewusst, dass es nicht Geld ohne Ende gibt. Dementsprechend wird Motortuning nicht frei gegeben, das begrüße ich. Eigentlich bleibt nur die Aerodynamik und die bedarf langer Forschung, damit etwas weitergeht. Deshalb verprassen wir nicht unser Budget für Modifikationen, die nur vielleicht etwas bringen. Wir wollen schlau investieren.

Was bleibt dann noch übrig?

Im Moment investieren wir in ein Datenmanagement. In Zukunft werden uns diese Daten helfen, wirklich etwas zu entwickeln. Ich will natürlich jedes Rennen gewinnen, es ist also gar nicht leicht zu sagen: Ich arbeite jetzt dafür, dass in ein paar Jahren alles passt.

Von welchen Summen reden wir? Was kostet etwa Ihr Flugzeug, die Edge 540?

Bei Zivko Aeronautics in Oklahoma kann es jeder um 450.000 Euro kaufen. Für den Rennsport kann man noch ein paar Hunderttausend hineinstecken. Selten gibt es dasselbe Modell gebraucht als Airshow-Flieger um 250.000. Das ist, wie wenn man einen normalen oder einen aufgemotzten Golf kauft.

Zuletzt hat Ihr Slalomflug durch den Tauernwindpark für Aufsehen gesorgt. Sie nannten das Manöver einen Lausbubenstreich. . .

In der Luftfahrt ist es ja so: Lausbubenstreiche sind generell verboten. Klar könnte ich mitten durch Wien ... (überlegt, lacht). Aber das ist heutzutage einfach nicht drinnen.

Es war also alles genau geplant?

Absolut. Die Leute, die solche Genehmigungen ausstellen, sind ja keine Idioten. Wir haben das gemeinsam in einem Risikomanagement evaluiert und sind zum Ergebnis gekommen: Das passt. Ich habe zum Beispiel die Distanzen auf einem Flugplatz ausgelegt. So kommt dann ein Projekt zustande, das absolut zu verantworten ist. Aber solche Stunts sind nicht meine Priorität, sondern das Air Race.

Dort ist Weltmeister Paul Bonhomme abgetreten. Der WM-Favorit heißt nun Hannes Arch.

Das ganze Feld ist ausgeglichener, es gibt mehr Piloten, die gewinnen können. Das macht es einerseits schwieriger, den Titel zu holen, andererseits ist das eine Chance.

Das Air Race war in einer Sackgasse, hat drei Jahre pausiert und ist 2014 zurückgekehrt. Ist es nicht vor allem eine Flugshow?

Es ist ein Sport, der sich entwickelt. Und die Richtung stimmt. Die Schwierigkeit ist, dass es ein öffentliches Reglement gibt – also wie eine Formel 1 mit normalen Verkehrsregeln. Ausrutscher in der Organisation wie in Abu Dhabi (Arch wurde disqualifiziert und hat die Kurssetzung kritisiert, Anm.) sind als Work in Progress zu sehen. Es ist in aller Interesse, einen wirklichen Sport daraus zu machen und keine Airshow.

In der Formel 1 werden die Piloten klein gehalten. Haben Sie im Air Race ein Mitspracherecht?

Die Qualität könnte gesteigert werden, wenn noch mehr auf die Piloten gehört wird. Unsere Bedingungen sind einfach: Ich muss an meine Grenze gehen können. Ich bin der Erste, der disqualifiziert werden will, wenn ich diese Grenze überschreite. Aber ich will auch ganz knapp hinfliegen können und deswegen der Schnellste sein.

Beim Heimrennen in Spielberg war das zuletzt nicht der Fall.

Mit einem Fehler wie im Finale 2014 kann ich umgehen. Wenn du wie im Vorjahr beim ersten Tor so eine Watsche vom Wind bekommst, dass du in den Pylon hineinfliegst, nervt das aber. Ich bin also motiviert, der Kurs liegt mir, in Spielberg passt die Energie.

Wie steht es um die eigene Energie? Wollen Sie immer der Draufgänger bleiben?

Solange ich Energie habe und umsetzen kann, wird es auch so weitergehen.

Sie haben unlängst den nepalesischen Helikopterschein gemacht und fliegen dort für SOS Nepal – ein Hilfsprojekt von Tiroler Alpinisten – Hilfsgüter von A nach B.

Dabei kommt alles ein bisschen zusammen: Als Bergsteiger habe ich immer von diesem Land geträumt, dazu kommt die Fliegerei und ein Hilfsprojekt mit Freunden – das fühlt sich gut an. So kam es, dass ich dort Helikopterflüge bezahle und gleich selbst fliege.

ZUR PERSON

Hannes Arch ist Air- Race-Weltmeister 2008, Alpinist und Extremsportler. Der 48-jährige Steirer peilt in Spielberg seinen ersten Heimsieg an (Sonntag, 15.05 Uhr, live Servus TV). [ APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2016)