Daenerys kurz vor ihrem ''Trick''

"Game of Thrones" Staffel sechs, Folge vier

In "The Book of the Stranger" kündigt sich das Ende einer langen Reise an und es gibt denkwürdige Begegnungen.

Spoiler-Warnung: In diesem Episodenblog wird die Handlung der jeweils beschriebenen "Game of Thrones"-Folge verraten.

In den vergangen Folgen der sechsten Staffel "Game of Thrones" hat es sich bereits angekündigt, in Folge vier "The Book of the Stranger" wurde es überdeutlich: Daenerys Targaryens - oft kopflos wirkende - Reise auf Essos dürfte bald zu Ende sein. Fast wirkt es so, als wäre ihre Geschichte wieder am Ausgangspunkt angelangt. Wie am Ende der ersten Staffel steigt sie auch in "The Book of the Stranger" nackt aus einem Feuer und wie damals knien Dothraki nieder. Damals kamen im Feuer auch drei Drachen auf die Welt, dieses Mal sterben Daenerys' Feinde - die Pferdelords. Schade, dass Khal Moro schon wieder weg ist, er war ein interessanter Neuzugang zu Staffel sechs. Wobei er sich in der vierten Folge schlecht benommen hat: Erst einer Frau den Mund verbieten, dann ihr hundertfache Vergewaltigung androhen - so verdient man sich einen grausamen Tod.

Fraglich ist, was nun mit Daenerys Verehrer-Doppel, Jorah Mormont und Daario Naharis, passiert. Jorah ist sterbenskrank (was Daario jetzt auch weiß) und Daario wird seine Rolle als Liebhaber der weißhaarigen Königin eher nicht mehr aufnehmen können. Vielleicht werden sie ihr einfach folgen - wie die anderen -, denn auch die beiden knien sich am Ende von "The Book of the Stranger" hin.

"I will do as Jon Snow commands"

Wenn jemand in "Game of Thrones" angebetet wird wie der angekündigte matrialische Messias "Azor Ahai", dann Daenerys. Aber die immer noch tendenziell depressive Melisandre übersetzt die alte Prophezeiung über den "Warrior of the Light" anders, nennt ihn "Prince, that was promised" - und das kann eher nur ein Mann sein. Wer es ist, das weiß sie (schon wieder): Jon Snow. Wie war das mit Stannis? Und wo ist Shireen? Diesen Fragen von Davos weicht sie geschickt aus. "I will do as Jon Snow commands", sagt sie zu ihm.

Sansa, Brienne und Podrick kommen an die Wall
Sansa, Brienne und Podrick kommen an die Wall(c) HBO

Jon will in den Süden, nach Winterfell. Das wollte er schon am Anfang der Folge, und erst recht, als seine Schwester in Castle Black einreitet. Endlich gibt es ein Wiedersehen zweier Stark-Kinder. Ironischerweise sind es genau die beiden, die einander am wenigsten mochten. Trotzdem fallen sich Sansa und Jon in die Arme - ein rührender Moment.

"Come and see"

Sansa ist nordländisch stur, wenn es darum geht, ihr Ziel zu erreichen. Sie will Winterfell einnehmen - mit oder ohne Jons Hilfe. Wie sie ihn zu überreden versucht, zeigt auch, dass sie von Littlefinger gelernt hat. Aber sie wird ihn nicht länger überreden müssen: Ein Brief von Ramsay Bolton trifft an der Wall ein - und die Einladung ist unüberhörbar. "Come and see", heißt es darin mindestens drei Mal. Dieser "Pink Letter" oder "Bastard Letter" genannte Brief ist deutlich anders formuliert als in den Büchern. In der Serie hört er sich jedenfalls noch deutlicher nach einer Falle an.

Zumindest wissen wir durch den Brief jetzt, dass Jons "wilder" Halbbruder Rickon im Verlies von Winterfell eingesperrt ist. Oshas halbherziger Mordversuch an Ramsay geht - wie zu erwarten war - schief. Das ist ein Dämpfer für all die Anhänger der Theorie, dass sich die Lords des Norden gegen den "Warden of the North" Ramsay Bolton verschworen haben und Rickons Auslieferung nur ein Teil dieses Komplotts ist.

Was wird Ramsay wohl tun, wenn Jon mit einer Wildings-Armee Richtung Winterfell marschiert? Rickon freilassen?

Brienne hat einen Verehrer!

Wir hoffen mal, Jon und Sansa lassen sich nicht verblenden - immerhin haben sie kluge Köpfe wie Davos (ein Stratege, kein Kämpfer), Brienne of Tarth und Tormund Giantsbane an ihrer Seite. Wobei Tormund durch Brienne abgelenkt wirkt. Bei den Wildlingen gilt eine kämpfende Frau als attraktiv, nicht wie bei den langweiligen Menschen südlich der Wall, die sich lieber brave Ladys aussuchen. Brienne hat einen Verehrer!

Starke Schwester, schwacher Bruder

Insgesamt gibt es drei Wiedersehen von Geschwistern in "The Book of the Stranger": Theon Greyjoy trifft auf den Iron Islands ein, gerade rechtzeitig, um die Ambitionen seiner Schwester Yara auf die die Herrschaft zu unterstützen. Falls sich jemand fragt, wieso Theon nicht mit an die Wall gegangen ist, sondern "heim": Damit die Zuschauer das Interesse an den Ereignissen auf den Iron Islands nicht völlig verlieren. "Look at me", fordert Yara mehrfach - und meint damit wohl nicht nur Theon. 

Vergleichsweise wenig spannend sind auch die Ränke in King's Landing. Cersei hat ihren Sohn König Tommen und ihren mächtigen Onkel Kevan sowie Olenna Tyrell, Oma von Königin Margaery, endlich zum Aufstand gegen den Hohepriester High Sparrow überredet. Es wäre nicht Cersei, glaubte sie nicht, damit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Den High Sparrow loswerden und die Tyrells entmachten. Dass sie damit einen Bürgerkrieg entfachen dürfte, ist nicht nur ihr egal: "Better them than us", sagt Olenna zum Small Council. Wenn sie sich da einmal nicht täuschen.

Noch eine stärkere Schwester

Der High Sparrow erlaubt die dritte Begegnung von zwei Geschwistern, die wir in der Folge sehen - und wie bei Theon und Yara ist es die einer starken Schwester und eines gebrochenen Bruders. Die inhaftierte Margaery sieht endlich den inhaftierten Loras wieder.

Auf Margaerys Gespräch mit dem High Sparrow bezieht sich auch der Titel: Er zitiert eine Textstelle aus "The Book of the Stranger". Was dieses Buch genau ist, das wird nicht näher erklärt. Ich verstand es als eine Art religiöse Erweckungsgeschichte, vielleicht sogar die des High Sparrow selbst. Wenn dem so ist, dann hat der Hohepriester darin gelogen. Denn seine Geschichte ist anders als die im Buch beschriebene, wie er freimütig Margaery erzählt. Ist das ein Schlüsselmoment? Ist der High Sparrow also doch nur ein Lügner?

Meister der Lügen in "A Game of Thrones" ist natürlich Petyr "Littlefinger" Baelish. The Eyre erscheint wieder auf der Landkarte - und Littlefinger manipuliert auch gleich den zu beeindruckender Körpergröße angewachsenen Robin Arryn, Lord des gebirgigen Gebietes. Dieser befiehlt Lord Yohn Royce, die Ritter der Vale zu versammeln - und gen Norden zu marschieren, um seiner lieben Cousine Sansa zu helfen. Was bleibt einem da anderes zu sagen, als: das schau ich mir an. Littlefingers Intrigen habe ich jedenfalls satt.

Der Nahe Osten von "Game of Thrones"

Schön, wenn jemand einmal direkte diplomatische Verhandlungen führt, so wie Tyrion Lannister mit den Herrschern über den Sklavenstädten. Er bietet ihnen sieben Jahre Übergangsfrist für die Abschaffung der Sklaverei an. Im befreiten Meereen macht er sich damit ausschließlich Feinde. Zu trauen ist den Sklavenhaltern ebenfalls nicht. Wieso also wirkt Tyrion so zuversichtlich? Denn ich habe den Eindruck, Slaver's Bay ist der Nahe Osten von "Game of Thrones" - und Tyrion wird sich daran die Zähne ausbeißen, Frieden bringen zu wollen.

Offene Fragen:

  • Woher hat Daenerys eigentlich dieses wahnsinnige Selbstbewusstsein?
  • Ist Olenna Tyrell wirklich so leicht manipulierbar? Sie kann weit bessere Intrigen schmieden als Cersei, das wissen wir spätestens seit der "Purple Wedding".
  • Littlefinger: Sansa hat ihn einmal gefragt, was er wolle, und er hat geantwortet: "Everything." Hofft er, alles zu bekommen, wenn er das Land nur genug ins Chaos stürzt, bis sie alle gegenseitig zerfleischen und er als einziger übrig bleibt? Wenn ja, dann hat Littlefinger diese Rechnung ohne die White Walker gemacht.
  • Falls sich jemand fragt, wer Kevan Lannisters Sohn Lancel ist, von dem gesprochen wird: Das ist der, der sich riesig das Symbol des High Sparrow auf die Stirn geritzt hat.

Zitate der Woche

  • Tyrion: "Give freedom a chance." Klingt wie der Titel eines Liedes beim Song Contest!
  • Jorah zu Daario: "You didn't get much discipline as a child, did you?"
  • Dolorous Edd zu Sansa: "Sorry for the food. It's not what we're known for."
  • Theon über Ramsay: "He broke me into a thousand pieces."

 

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Redaktioneller Hinweis: Die aktuellen "Game of Thrones"-Folgen werden der Autorin vom Sender Sky zur Verfügung gestellt, der die Serie in Österreich zeigt.