„Game of Thrones“ Staffel sechs, Folge fünf

„The Door“ ist eine herausragende Folge. Wir erfahren, wie eine Figur zu ihrem Namen kam und lernen Neues über die Gefahr aus dem Norden.

Spoiler-Warnung: In diesem Episodenblog wird die Handlung der jeweils beschriebenen "Game of Thrones"-Folge verraten.

„Das ist die Folge, in der die sechste Staffel gut wurde“, schrieb der „Guardian“ über die Folge der vergangenen Woche, „Book of the Stranger“. Ich sage: Sie ist schon längst gut – und „The Door“ ist sogar herausragend, eine der besten Folgen bisher. Trotz fehlender Buchvorlage verliert die Serie nicht an Qualität – im Gegenteil. In Staffel sechs hat sich „Game of Thrones“ von einigen Lasten befreit (Dorne) - das tut ihr gut.

„The Door“ beginnt schon stark: Sansa näht wieder, einen Mantel für ihren Bruder – mit der Nadel in der Hand wurde sie in der allerersten Folge eingeführt: die junge Lady aus Winterfell. Stets würdevoll. Auch bei ihrem Treffen mit Petyr „Littlefinger“ Baelish in Molestown bleibt Sansa gefasst. Sie schreit nicht, sie weint nicht – obwohl sie aufgewühlt ist. Wusste Littlefinger von Ramsays Grausamkeit, will sie wissen. Wusste er, wem er sie überließ? Die Antwort gibt sie sich selbst: „If you didn't know, you're an idiot. If you did know, you're my enemy“, sagt sie. Sansa appelliert an sein Gewissen – und das scheint kurz auch zu funktionieren. Aber Littlefinger ist ein Experte darin, Unsicherheiten auszunützen, Zweifel zu nähren – und irgendwo tief drin in Sansa steckt tatsächlich Angst, auch von Jon Snow im Stich gelassen zu werden.

Brienne und Tormund ...

Verschweigt sie ihrem Halbbruder deswegen ihr Treffen mit Lord Baelish? Vertrauen baut man anders auf, Sansa. Dass Brienne of Tarth jetzt zu Sansas Onkel Tully reist, damit dieser sein Heer für eine Schlacht um den Norden zur Verfügung stellt, ist jedenfalls das vorläufige Aus für die bisher beste Romanze von Staffel drei: Tormund Giantsbane hat definitiv ein Auge auf Brienne geworfen. Wieso gerade sie in den Süden aufbrechen muss und nicht jemand anders? Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Damit die Zuseher sich für diesen Handlungsstrang zumindest annähernd interessieren, "bereichert" man ihn mit einer der bekannteren Figuren.

Ähnliches schrieb ich auch zu Theon, der auf den Iron Islands die Ambitionen seiner Schwester Yara auf den Thron unterstützt. „She is your rightful ruler“, sagt er. Leider zählen für die Männer auf den Inseln ein ... sagen wir „männliches Geschlechtsmerkmal“ mehr als Loyalität und Verstand. Sie wählen darum Euron Greyjoy, den Onkel von Yara und Theon, zum König. Interessant ist aber, dass dieser Daenerys Targaryen in ihrem Kampf um den Eisernen Thron unterstützen will. Erste Amtshandlung (nach dem obligatorischen Beinahe-Ertrinkungstod): Baut 1000 Schiffe für Daenerys. Gut, damit bin ich einverstanden.

Aber wohin brechen Theon und Yara, die vor ihrem mordlustigen Onkel fliehen, auf?

„I command you to find a cure“

Daenerys' Szene ist kurz, aber rührend. Sie lässt nicht zu, dass ihr treuer, todkranker Ritter Ser Jorah Mormont sie verlässt. „I command you to find a cure“, befiehlt sie. Es gab eine Figur in „Game of Thrones“, die die lepra-ähnliche Krankheit Greyscale überlebt hat: Shireen Baratheon. Die wurde inzwischen bekanntlich ermordet. Nicht aber die Frau, die sie - möglicherweise - heilte: Melisandre.

(c) HBO/HELEN SLOAN

Man kann über die Roten Priesterinnen sagen, was man will, aber sie sind mächtig. So auch die Neue: Kinvara (gespielt von Ania Bukstein). Tyrion Lannister will sie für ihren Zwecke einspannen (Friede!) aber wieder einmal zeigt sich das bedrohliche Gesicht von Religion. „If you are a true friend, you have nothing to fear from me“, sagt sie zu Varys, der sich mit ihr einen verbalen Schlagabtausch liefert. Damit meint sie die bedingungslose Unterstützung für Daenerys – Ähnliches hörten wir vergangene Woche von Melisandre über Jon Snow. Werden wir irgendwann ein Duell zwischen zwei Roten Priesterinnen sehen? Das wäre toll.

„You'll never be one of us, Lady Stark“

Weiter westlich auf Essos ist Arya bereit, ihre Identität einem Gott zu opfern – nicht dem Roten Gott, sondern dem Vielgesichtigen. Aber das reicht wohl immer noch nicht. „You'll never be one of us, Lady Stark“, sagt ihre Stockkampf-Lehrerin und Jaqen H'ghar stimmt mit ein. Sie bekommt aber trotzdem einen Auftrag – ihren zweiten für einen Mord.

Wie wunderbar leicht beginnt anschließend die Szene, in der Arya den Schauspielern zuschaut, von denen sie eine töten soll. Das Vergnügen in Aryas Gesicht! Bald schlägt es in Irritation um, denn ihr Vater Ned Stark kommt in dem Stück vor – dargestellt als dümmliche, machtgeile Witzfigur. Seine Enthauptung (Aryas großes Trauma) ist nur eine Pointe. Die Geschichte wird bekanntlich von Siegern geschrieben. Dass Cersei und Joffrey in dem Stück als arme Opfer dastehen, kann aber eher nicht in ihrem Interesse sein. Warum Arya die (schwangere) Schauspielerin Lady Crane ermorden soll, erfährt sie nicht. Ihr Plan, den Rum zu vergiften, weil nur Lady Crane Rum trinke, ist aber riskant.

Kommen wir also zu Hodor.

Die wichtigste Geschichte in „The Door“ spielt nördlich der Wall bei Bran, Meera, dem Three-Eyed Raven und eben Hodor. Die White Walker gab es nicht immer, sondern sie wurden gemacht, erfahren wir - das ist unerwartet. Die Children of the Forest haben sie geschaffen – als Waffen im Kampf gegen die Menschen. Die Kontrolle über seine Schöpfung hat das kleinwüchsige Urvolk längst verloren.

Endlich sehen wir die Szene aus dem Trailer, in der der Night's King in einer Vision Bran berührt – und so erfährt, wo Bran ist. Dass der König der White Walker selbst mit seinen Gefährten und seiner gesamten Zombie-Armee kommt, um sich einen verkrüppelten Buben zu holen, ist vielleicht ein bisschen übertrieben - dürfte aber ein Hinweis darauf sein, welche wichtige Rolle Bran noch zu spielen hat. Entwischen tut er ihnen trotzdem.

„Hold the Door!“

Der Kampf der Children of the Forest gegen die White Walker und die Wights ist so aussichtslos wie dramatisch. Bran selbst reist währenddessen mental wieder in die Zeit zurück – zu dem Moment, als sich sein Vater von seinem Vater verabschiedete. Aber das ist nicht der historische Moment, um den es bei dieser Vision geht, sondern die Werdung Hodors, der einst Wylis hieß. Bran nimmt in der Vergangenheit Besitz von Hodor und schafft so einen Riss in der Zeit. Und endlich wissen wir, warum Hodor Hodor heißt – es steht kurz für „Hold the Door“. Das ist die letzte Anweisung, die er bekommt.

Hut ab vor dem Schauspieler Kristian Nairn (der zur Comic Con Vienna kommt), der Hodor sechs Staffel lang spielte - und viele Fans mit seiner Darstellung gewann. Noch in dieser Folge gibt es eine Szene, in der Hodor mit Meera Reed über das Zubereiten von Eiern „spricht“. Natürlich sagt er nur „Hodor“ - aber wie unterschiedlich er dies betont! Man weiß genau, was er von der Idee, Eier mit Speck und Blutwurst zu essen, hält.

Nicht nur Hodor hat sich für Bran geopfert, sondern auch sein Wolf, Summer. Bran und Meera verschwinden alleine im Schneesturm auf der Flucht vor dem Night's King. „Terrible things happen for a reason“, glaubt die neue Rote Priesterin. Wir hoffen, sie behält recht.

Auffälliges

  • Meera Reed hat einen White Walker getötet.
  • Als Bran die Zombie-Arme durchschritt, habe ich mir erwartet, Onkel Benjen Stark zu sehen.
  • Kan Bran die Vergangenheit verändern? Nein, sonst wäre Hodor nicht schon lange Hodor gewesen, oder?
  • Wie schnell kann Littlefinger reisen? Er braucht nur eine Folge von der Eyrie bis fast an die Wall?
  • Dolorous Edd ist quasi Lord Commander – Gratulation!
  • Das Stück, das Arya sieht, erinnert mich an ein Schauspiel bei Joffreys Hochzeit – mit Zwergen. Arya erfährt durch das Stück auch, dass ihre Schwester Sansa Tyrion heirateten musste - ist Tyrion jetzt ein Kandidat für Aryas Liste?
  • Habt ihr euch auch gefragt, wie die neue Rote Hohepriesterin ohne ihre Kette aussieht?
  • Ein Penis in Großaufnahme – echt, „Game of Thrones“? Naja, ist zumindest eine Abwechslung.

Zitate der Woche:

  • Hodor: „Hodor.“
  • Ned Starks Vater zum kleinen Ned: „Try to stay out of fights. But if you have to fight, win.“ 

Nachtrag:

Im Text steht, dass Melisandre Shireen geheilt habe - aber genau wird Shireens Heilung nie beschrieben. Es sollen aber mehrere Wunderheiler und Magier beteiligt gewesen sein. Ich gehe davon aus, dass auch Melisandre darunter war. Aber das ist eigentlich nur Spekulation.

Der "Game of Thrones"-Blog im Überblick

 

Theorie zu Rickons Rückkehr: Verrat oder Verschwörung?

Wie gut kennt ihr eucht bei "Game of Thrones" aus? Hier geht es zum Quiz

Redaktioneller Hinweis: Die aktuellen "Game of Thrones"-Folgen werden der Autorin vom Sender Sky zur Verfügung gestellt, der die Serie in Österreich zeigt.