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Kampfsport: Justiz sagt Termin ab

Themenbild: Gefängnis Wien Josefstadt
Themenbild: Gefängnis Wien Josefstadt(c) FABRY Clemens
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Am Dienstag hätten die Kampfsportler von „Not in God's Name“ ihr Projekt im Gefängnis Wien Josefstadt vorstellen sollen. 50 Minuten davor wurde es abgesagt.

Wien. Die Entscheidung muss in letzter Minute gefallen sein. 50 Minuten bevor die Kampfsportler von „Not in God's Name“ ihr Deradikalisierungsprojekt im Gefängnis Wien Josefstadt vor Gefängnismitarbeitern und Vertretern des Justizministeriums vorstellen sollten, wurde der Termin am Dienstag abgesagt. Die Sportler, teilweise bereits auf dem Weg zum Termin, mussten wieder umdrehen.

Auf Nachfrage der „Presse“ heißt es nun, dass man in einer Sitzung kurz vor dem Termin beschlossen hätte, dass das Gefängnis Wien Josefstadt aufgrund der Größe doch nicht geeignet für den Projektstart sei. „Die Fluktuation ist hier zu groß“, erklärt Andrea Moser-Riebniger, Leiterin der Abteilung Vollzug und Betreuung in der Strafvollzugs-Generaldirektion im Justizministerium. Das heißt, die Kampfsportler hätten nicht lang genug mit den gleichen Inhaftieren zusammenarbeiten können. Auf die Frage der „Presse“, warum man das erst 50 Minuten vor dem Termin bemerkt hätte, erklärt Moser-Riebniger, dass eine Runde mit Fachexperten erst so kurz davor getagt hätte – dort hätte es dann die Einwände gegeben. „Wir sind aber sehr überzeugt von dem Konzept und bleiben mit ,Not in God's Name‘ sicher in Kontakt“, sagt sie.

 

Interne Besprechungen

Zur Erinnerung: Der Verein hat Kampfsportler um sich gesammelt, die sich gegen Gewalt im Namen der Religion aussprechen. Die Sportler sind nicht nur selbst meist Muslime und Flüchtlinge, sie haben auch ihren Weg gemacht. Unter ihnen sind Größen wie der tschetschenische (und in Österreich aufgewachsene) MMA-Star Mairbek Taisumov oder Thaiboxweltmeister Foad Sadeghi, der ein Kampfsportzentrum in Wien betreibt. Sie als Vorbilder, so der Plan, sollen inhaftierten IS-Anhängern zeigen, dass Gewalt im Namen von Religion keine Lösung ist.

In nächsten Sitzungen soll laut Moser-Riebniger nun intern geklärt werden, welches Gefängnis für das Projekt infrage kommt. Wie lange das dauert? „Möglicherweise beginnt das Projekt heuer noch“, sagt sie.

Wenn es wirklich so weit kommt. Denn die Kampfsportler fühlen sich vor dem Kopf gestoßen. „Die muslimischen Sportler reichen die Hand, aber man kommt ihnen nicht entgegen“, kritisiert „Not in God's Name“-Gründer Alexander Karakas. Wobei weniger die Verzögerung den Ärger hervorgerufen hätte, als die kurzfristige Absage. Mairbek Taisumov hätte extra einen früheren Flug nach Österreich zurück genommen. Foad Sadeghi bezahlte einen Trainer, der das Kindertraining in seinem Klub übernahm, andere nahmen sich von der Arbeit frei.

Einige der Sportler hätten schon gesagt, dass sie das Justizprojekt nun nicht mehr unterstützen wollen. Trotzdem hofft der Verein weiter auf eine Zusammenarbeit. Denn der IS sei nach wie vor noch attraktiv für viele in Österreich. Karakas: „Die Kampfsportler wollen Österreich vor dem Schlimmsten bewahren.“ (win)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2016)