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Rugby: Der ganze Stolz des Inselstaats

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Vatemo Ravouvou und seine Kollegen erfüllten Fidschis Goldmission.APA/AFP/PHILIPPE LOPEZ
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Bei der 14. Teilnahme an Olympischen Spielen gewann Fidschi die erste Medaille, es wurde sogar Gold. Ausgerechnet ein Brite lehrte die Spieler Disziplin, nun hagelt es Feiertage.

Rio. Zugegeben, viel war bislang nicht bekannt über Fidschi und die Liebe des Inselstaats für Sport. Golfinteressierte kennen Vijah Singh, der 53-Jährige ist dreifacher Majorsieger und als Mitglied der World Golf Hall of Fame eine lebende Legende. Außerdem strandete Tom Hanks im Hollywood-Blockbuster „Cast away“ samt Volleyball Wilson auf Modriki Island. Aber sonst? Nun, spätestens seit Donnerstag weiß man, dass einige der besten Rugbyspieler der Welt Fidschianer sind.

Im Finale deklassierte Fidschi Großbritannien mit 43:7 und schrieb damit ein Stück olympische Sportgeschichte. 1956, damals fanden die Spiele im relativ nahe gelegenen Australien (Melbourne) statt, entsandte das Land erstmals Sportler zu Olympia. Doch egal, in welcher Sportart man sich auch versuchte, für eine Medaille sollte es nie reichen – bis zum 11. August 2016. Das kleine Fidschi (rund 900.000 Einwohner) strahlte erstmals im olympischen Rampenlicht. Davor war es bereits 14 Nationen mit weniger als einer Million Einwohner gelungen, sich im Medaillenspielgel zu verewigen.

Rugby ist in Fidschi Nationalsport, fast jeder Zehnte ist eingetragener Vereinsspieler. Als das Internationale Olympische Komitee im Oktober 2009 die Wiederaufnahme Rugbys (im 7er-Format) in das Programm für 2016 nach 92 Jahren Absenz erklärte, witterte der kleine Inselstaat in der Südsee seine große Chance. Der Nationalverband engagierte den Briten Ben Ryan als Coach. Er hielt seinem Arbeitgeber die Treue, obwohl er in den ersten vier Monaten aufgrund finanzieller Turbulenzen kein Geld bekam. Ryan, 44, sollte aus schlampigen Genies hochprofessionelle Athleten formen, er stellte deren Ernährung um (mehr mageres Fleisch und Salate, weniger Kohlenhydrate), setzte auf ein hartes Fitnesstraining und sprach ein Handyverbot vor und während eines Turniers aus. „Es war immer unser Ziel, diese Goldmedaille zu gewinnen“, erklärte Ryan nach dem Finaltriumph. „Die Jungs waren phänomenal.“

 

Mittags – und kein Wodka mehr

In Fidschi kannte der Jubel im Moment des Erfolgs keine Grenzen. Der öffentliche Verkehr kam kurzerhand zum Stillstand, Menschen lagen sich in den Armen, sie weinten Tränen der Freude. „Das ganze Land spielt verrückt“, sagte Maikele Seru, Sportredakteurin der „Fiji Times“, eine von drei Tageszeitungen. Tausende verfolgten das Finale auf einem großen Bildschirm im ANZ National Stadium in der Hauptstadt, Suva, andere versammelten sich in Lokalen.

In O'Reilly's Irish Bar im Zentrum von Suva gab es mittags schon keinen Wodka mehr, das Spiel hatte um zehn Uhr vormittags begonnen. Unmittelbar nach Spielende übertrug das Staatsfernsehen nochmals alle Spiele der Nationalmannschaft auf dem Weg zu Gold. „Rugby“, bemerkte eine Einheimische, „ist unsere Religion. Wir spielen mit unseren Herzen. Das ist es, was uns zusammenbringt.“

Der Premierminister der Fidschis, Frank Bainimarama, erklärte noch in Rio, dass es zumindest einen weiteren Feiertag geben werde, drei hatte er schon während des Turniers ausgerufen. Am Sonntag kehren die vergoldeten Männer zurück nach Fidschi. Bainimarama: „Dann wird gefeiert.“

AUF EINEN BLICK

Fidschi bejubelt den Gewinn der ersten Olympiamedaille überhaupt, das Rugbynationalteam gewann das Finale im 7er-Rugby gegen Großbritannien mit 43:7. Rugby war zuletzt 1924 bei den Spielen in Paris olympisch, 2009 entschied das Internationale Olympische Komitee, die Sportart für 2016 wieder in das Programm aufzunehmen. Bronze ging an Südafrika, das Japan 54:14 bezwang. Auf dem Weg zur Goldmedaille hatten die Fidschianer im Viertelfinale auch die All Blacks aus Neuseeland bezwungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2016)