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Wifo-Chef: "Müssen uns an hohe Arbeitslosenraten gewöhnen"

PK WIFO UND IHS: 'KONJUNKTURPROGNOSE 2016 UND 2017'
Christoph BadeltAPA/ROBERT JAEGER
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Der neue Wifo-Chef Christoph Badelt hat erstmals gemeinsam mit dem IHS die Konjunkturprognose präsentiert.

"Wir müssen uns an ein bescheidenes Wachstum und leider auch an hohe Arbeitslosenraten gewöhnen", sagte der neue Wifo-Chef Christoph Badelt bei seinem ersten Auftritt bei der gemeinsamen Konjunkturprognose mit dem IHS-Experten Helmut Hofer. Der neue IHS-Chef Martin Kocher wohnte der Vorlage der neuen Prognose am Donnerstag in Wien vorerst nur als Gast bei. "Wir sollten uns keine Illusionen machen, aus den wirtschaftspolitischen Problemen herauszuwachsen", hielt Badelt fest.

Die wirtschaftspolitische Agenda müsse weniger zögerlich als bisher erfüllt werden und sich an Bildung, Forschung und Technologie orientieren. Weiterbildung sei für Langzeitarbeitslose und auch die nach Österreich kommenden Menschen wichtig, die ein geringeres Qualifikationsniveau hätten. Weiters müsste eine Senkung der Abgabenbelastung angestrebt werden, die Steuerstruktur umstrukturiert, der Faktor Arbeit entlastet und verschiedene Energiekomponenten besteuert werden, rät Badelt.

Die finanziellen Möglichkeiten des Staates für neue Aufgaben sollten durch Einsparungen erhöht werden. Angesichts der anhaltend schwachen Wachstumsraten brauche man zunehmend auch eine Diskussion um die Inhalte des Wachstums, des qualitativen Wachstums. Diese "Beyond-GDP"-Indikatoren liefern laut Wifo ein besseres Bild bezüglich Wohlstand und nachhaltiger Entwicklung einer Volkswirtschaft. Das Wifo will ihnen in Zukunft mehr Beachtung schenken.

Arbeitslosenraten dürften weiter zulegen

Im kommenden Jahr werde die Arbeitslosigkeit noch leicht zulegen, weil durch den Sondereffekt Flüchtlinge mehr Asylberechtigte auf dem Arbeitsmarkt auftauchen werden, merkte IHS-Arbeitsmarktexperte Hofer an. "Wir werden mit Arbeitslosigkeit leben müssen", so Hofer. Die Arbeitsmarktpolitik alleine werde es nicht schaffen, die Arbeitslosigkeit zu verringern, vielmehr müsste die Nachfrage nach Arbeit noch stärker ausfallen als bisher. "Das ist die einzige Möglichkeit, damit die Arbeitslosigkeit zurückgeht", so Hofer. Der Faktor Arbeit müsste entlastet, die Lohnnebenkosten gesenkt und mehr in Bildung investiert werden. Ein Problem dabei sei das relativ niedrige Produktivitätswachstum, wodurch die Löhne nicht so stark steigen könnten. Niedrig sei es vor allem deswegen, weil die Beschäftigung so stark gestiegen sei.

"Vollbeschäftigung wie vor 20 Jahren sehen wir nicht am Horizont", ergänzte Badelt. 200.000 neue Jobs bis 2020, wie es Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) angekündigt hat, seien aber "durchaus denkbar".

Nicht unerwähnt ließen die beiden Wirtschaftsforscher die sich abzeichnende Gefahr protektionistischer Tendenzen im internationalen Handel, die sich etwa beim Brexit aber auch bei den Freihandelsabkommen TTIP und CETA abzeichneten. Österreich würde davon stark negativ betroffen werden. Freihandelsabkommen seien auf jeden Fall etwas positives. Berechtigte Sorgen müssten aber berücksichtigt werden, die Politik müsse sich auch um die Verlierer kümmern.

Wifo-/IHS-Konjunkturprognose
APA

(APA)