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Die perfekte Hülle für ein Einfamilienhaus

Haus im Gruenen
Symbolbild Einfamilienhauswww.BilderBox.com

Energie speichern, wenn Sonne oder Wind einen Überschuss erzeugen: Das gelingt mit Beton als Speichermedium. Das Projekt wurde diese Woche neben drei weiteren mit einem ACR-Kooperationspreis ausgezeichnet.

Nur von außen ist es ein Passivhaus wie viele andere. Das Haus H nahe dem niederösterreichischen Göllersdorf braucht nämlich nicht nur wenig Energie aus passiven Quellen wie der Sonne, es kann sie auch speichern. „Die Speicherung alternativer Überschussenergie aus Wind- und Solarkraft ist revolutionär“, sagt Sebastian Spaun, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie. Und auch der Geschäftsführer der Partnerfirma Aichinger Hoch- und Tiefbau greift zu Superlativen: Die gemeinsame Lösung sei die bisher beste Hülle für ein Passivhaus mit Niedrigenergiestandard, so Helmut Aichinger. Für das gelungene Kooperationsprojekt erhielten beide zu Wochenbeginn eine Auszeichnung des Forschungsnetzwerks Austrian Cooperative Research (ACR).

Dass sich mittels Bauteilaktivierung die Temperatur in Gebäuden regulieren lässt, ist schon länger bekannt. Dabei fließt Wasser durch Rohre und wärmt oder kühlt die Bauteile – ganz nach Bedarf. Neu ist nun die Kombination mit alternativer Energie: Und die kommt für das Haus H aus einer Windkraftanlage und wird nur zugeführt, wenn genug Strom da ist.

 

Sieben Tage heizen ohne Strom

Ist das der Fall, wird die Energie in den Betonteilen gespeichert und erst bei Bedarf genutzt. Die Heizung könne so sieben Tage, die Warmwasseraufbereitung drei Tage ohne Strom auskommen, sagen die Verantwortlichen. Auf diese Weise lassen sich von Windstärke und Sonneneinstrahlung abhängige Schwankungen im Stromnetz ausgleichen. Forscher und Praktiker beobachten das Haus H nun noch zwei Jahre lang genau; die Erfahrungen aus dem preisgekrönten Pilotprojekt sollen sich dann aber auch auf große Wohn- und Gewerbeobjekte übertragen lassen.

Um eine umweltfreundliche Lösung ging es auch beim zweiten von der ACR vergebenen Kooperationspreis: Dem steirischen Unternehmen Rotreat und dem Forschungsinstitut AEE Intec gelang es, die sogenannte Membran-Destillation auch für die Galvanik zu nutzen. Das Verfahren wird zum Veredeln von Produkten wie dem Verchromen von Tischfüßen oder Badezimmerarmaturen eingesetzt, aber auch zum Schutz vor Korrosion und Verschleiß. Im Projekt bauten die Partner eine Pilotanlage.

Als Drittes prämiert wurde ein Nitrierverfahren, durch das Werkzeuge länger halten. Dafür kooperierte die Vorarlberger Forschungseinrichtung V-Research mit der Firma Lingenhöhle Technologie und weiteren Partnern entlang der Produktionskette. Die Arbeiten werden im von Wissenschafts- und Technologieministerium geförderten K2-Projekt XTribologie weitergeführt.

Um die Leistungen junger Frauen in der angewandten Forschung zu würdigen, wurde auch heuer wieder der ACR Woman Award verliehen. Die Auszeichnung ging diesmal an die 28-jährige Gebäudetechnikerin Katharina Kreuter. Sie selbst habe zwar immer viel Unterstützung von Eltern, Freunden und Kollegen erfahren, aber dennoch erlebt, dass es „gesellschaftliche Schranken im Kopf“ gäbe, sagt sie. Diese will sie mit ihrem Engagement für Frauen in der Technik abbauen helfen.

Wie schon in den vergangenen Jahren gab es bei der Preisverleihung nur Sieger und keine Platzierungen. Nächstes Jahr soll es gemeinsam mit der Austria Wirtschaftsservice GmbH noch einen weiteren Preis geben: und zwar für Gründer und Start-ups.

LEXIKON

Austria Cooperative Research (ACR)ist ein österreichweites Netzwerk von Forschungsinstituten, die anwendungsorientierte Forschung für Unternehmen bieten. Speziell Klein- und Mittelbetriebe verfügen oft über keine eigene F&E-Abteilung, sie können Entwicklungsaufgaben an ACR-Institute auslagern. Einmal im Jahr prämiert die ACR die drei besten Kooperationen des vergangenen Jahres und vergibt den Woman Award.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2016)