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Warum wenige aufs E-Auto abfahren

Laden in der eigenen Garage: Laut Experten vor allem in Städten schwer zu realisieren.
Laden in der eigenen Garage: Laut Experten vor allem in Städten schwer zu realisieren.(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Mit 4000 Euro stützt der Bund künftig den Kauf eines Elektroautos. Experten glauben, dass ein großer Bremser jedoch die fehlende Ladeinfrastruktur in privaten Garagen ist.

Wien. Wer ab 1. Jänner 2017 ein Elektroauto kauft, bekommt vom Staat dafür 4000 Euro aus dem Steuertopf geschenkt. Für sogenannte Plug-in-Hybride gibt es immer noch einen Bonus von 1500 Euro. Mit diesen und weiteren Maßnahmen (siehe auch Kasten), will die Bundesregierung der Elektromobilität einen deutlichen Schub geben. Derzeit fahren gerade einmal 0,17 Prozent der 4,8 Millionen zugelassenen Pkw mit Batterieantrieb.

Die für das Förderpaket verantwortlichen Minister, Jörg Leichtfried (Verkehr, SPÖ) und Andrä Rupprechter (Umwelt, ÖVP), hoffen so, den Bestand an E-Autos von derzeit 8517 um weitere 16.000 Fahrzeuge steigern zu können. Ob dieses Ziel erreicht wird, dürfte jedoch auch von anderen Faktoren abhängen. Eine Reihe von Experten ist nämlich der Meinung, dass die Wechselwilligkeit der Konsumenten nicht nur vom Preis der Fahrzeuge abhängt, sondern vor allem über die Verfügbarkeit von Ladestationen definiert wird. Und darunter sind offenbar jene besonders wichtig, die zu Hause in der Garage vorhanden sind.

 

Anschlüsse selten nachrüstbar

Ebendort ist insbesondere in städtischen Gebieten mit großen Wohnanlagen ein Stromanschluss baulich oft nicht realisierbar. Dabei spielen elektrisch betriebene Fahrzeuge gerade im urbanen Gebiet ihre Stärken gegenüber Verbrennungsmotoren aus. „Um Elektroautos entsprechend nutzen zu können, brauchen wir zusätzlich zu den öffentlichen Schnellladestationen eine Parallelinfrastruktur in privaten Garagen. Insbesondere in Städten wird das ein großes Thema werden“, glaubt Johannes Vavra. Er ist Vorsitzender der Österreichischen Gesellschaft für Energietechnik und Stabsstellenleiter für Netztechnik bei den Wiener Netzen.

Zu tun hat das Problem mit dem Nutzungsmuster von Elektroautos. Ladepunkte im öffentlichen Raum sind eigentlich nur dazu da, um mit hoher Ladeleistung die kurze Reichweite binnen kurzer Zeit zu verlängern. Das eigentliche „Volltanken“ geschieht jedoch dort, wo das Fahrzeug mit geringen, die Batterie schonenden Ladeströmen über Nacht versorgt werden kann: zu Hause.
Was in Garagen und Carports von Einfamilienhäusern meist technisch einfach und auch kostengünstig realisierbar ist, scheint in weiten Teilen der städtischen Bausubstanz fast unmöglich: die Nachrüstung eines Stromanschlusses. Vavra glaubt, dass dieser wichtige Sektor von der Politik direkt angesprochen werde müsse. Zum Beispiel in Form großer Wohnbauträger oder Genossenschaften, die sich dann zumindest bei Neubauten gleich um die entsprechende Infrastruktur kümmern könnten.

Obwohl schon Deutschland in Form fehlender Nachfrage schlechte Erfahrungen mit Ankaufsförderungen gemacht hat, sind auch hierzulande 53 des 72 Mio. Euro schweren Anschubpaketes für diese Schiene reserviert. Der Rest soll in Zuschüsse für öffentliche Schnellladestationen (je 10.000 Euro) und private Ladepunkte (je 200 Euro) fließen. Für jede Art von Förderung verlangt der Staat jedoch, dass der Fördernehmer Strom bezieht, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern stammt. Als Nachweis hierfür muss ein aufrechter Liefervertrag mit einem Anbieter vorgewiesen werden können.

Leichter tun sich die Minister Leichtfried und Rupprechter bei Betrieben im Einflussbereich der Republik. So werden die ÖBB 50 bestehende Park & Ride-Anlagen mit Schnellladestationen ausstatten. Und auch der Autobahnbetreiber Asfinag ist bereits dabei, sämtliche Raststationen im 2183 Kilometer langen Straßennetz mit entsprechenden Geräten nachzurüsten. Zudem kündigten die beiden Politiker an, sämtliche Dienststellen des Bundes daraufhin untersuchen zu lassen, ob diese sinnvoll auf Elektromobilität umgerüstet werden können.

 

Gute Werte im EU-Ranking

Auch wenn der Markt für E-Autos in Österreich im Vergleich zum konventionellen Sektor nach wie vor mikroskopisch klein ist: Im EU-Vergleich gehören Österreichs Autofahrer zu den Vorreitern. 94 batteriebetriebene Fahrzeuge pro 100.000 Einwohner sind ein Spitzenwert. Deutschland liegt bei 47, der EU-Schnitt bei nur 37. (awe)

Auf einen Blick

E-Mobilitätspaket. Gemeinsam mit Österreichs Autoimporteuren stellen Verkehrs- und Umweltministerium 72 Mio. Euro Fördergeld für Elektromobilität zur Verfügung. E-Autos, die ab 1. Jänner 2017 gekauft werden und einen Listenpreis von höchstens 50.000 Euro haben, werden mit 4000 Euro gestützt. Plug-in-Hybride mit 1500 Euro. Für öffentliche Ladepunkte sind jeweils 10.000 Euro Zuschuss vorgesehen, für private Stationen 200. Weiters erhalten Elektroautos Kennzeichen mit grüner Schrift, um sie leichter unterscheidbar zu machen, wenn sie Vorzüge wie etwa Gratisparken an Ladestationen in Anspruch nehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2016)