Kroatien – Schweiz: Disput um „Neo-Ustascha“-Sänger

(c) EPA (Horacio Villalobos)

Kroatiens Präsident Mesic rügt die Regierung nach Protestnote wegen Einreiseverbot.

Wien/Zagreb (APA/som). Er ist ein umstrittener kroatischer Exportartikel – und er sorgt derzeit für diplomatische Spannungen zwischen der Schweiz und Kroatien: der ultranationalistische Sänger Marko Perkovi? alias „Thompson“.

Als Reaktion auf ein Einreiseverbot in die Schweiz aufgrund von Sicherheitsbedenken zitierte die kroatische Regierung den Schweizer Botschafter vergangenen Donnerstag ins Zagreber Außenministerium. Die Schweiz solle die Einreisesperre für Thompson überdenken, hieß es: Schließlich sei der Sänger weder eine gesuchte Person noch hätte ihn irgendein Land verurteilt.

Gestern ertönte der Ordnungsruf des kroatischen Präsidenten Stipe Mesi? – und zwar in Richtung heimischer Regierung: Kroatien habe keinen Anspruch auf einen Protest, stellte Mesi? klar. Jedes Land habe das Recht, aus Sicherheitsbedenken einer Person die Einreise zu verweigern.

Hintergrund des Streits war ein Konzerttermin im schweizerischen Kriens (Kanton Luzern), der ursprünglich für den 3. Oktober geplant gewesen war. Der Auftritt fiel ins Wasser: Ende September hatte das Schweizer Bundesamt für Polizei Thompson die Einreise verweigert.

 

Von Nationalisten verehrt

Thompsons Konzerte sorgen außerhalb Kroatiens immer wieder für Kontroversen. Der Künstlername des Sängers ist eine Reverenz an die gleichnamige Maschinenpistole, die im Bürgerkrieg in Kroatien verwendet wurde. Auch Perkovi? hat im Krieg gekämpft.

Seine Lieder, in denen er das Ustascharegime der Jahre zwischen 1941 und 1945 verherrlicht, finden vor allem bei kroatischen Ultranationalisten Anklang. Zu den Konzerten erscheinen immer wieder Fans in dunkler Kleidung mit dem Aufdruck „Crna legija“, „Schwarze Legion“ – der SS des kroatischen Ustaschastaates. Mesi? scheint einen Imageschaden durch das Extremistenimage zu befürchten. Mit der Protestnote stehe man offiziell einer umstrittenen Person zur Seite, „die mit einer ,Neo-Ustascha-Ideologie‘ liebäugle“, kritisierte er.

In Österreich ist Thompson zuletzt im Mai 2009 im Wiener Budo-Center aufgetreten. Organisator des Konzerts war die „Österreichisch-Kroatische Gemeinschaft für Kultur und Sport“. Die Stadt Wien erklärte damals, vom Verein nicht über Thompsons Auftritt informiert worden zu sein. Ein früheres geplantes Konzert in Österreich – bei einer Public-Viewing-Veranstaltung in St. Andrä im Juni 2008 – wurde aufgrund des erhöhten Sicherheitsrisikos untersagt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2009)