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Anleger bereiten sich auf Trump-Party vor

Manch Anleger richtet die Tanzschuhe her
Manch Anleger richtet die Tanzschuhe her(c) AFP (BRYAN R. SMITH)
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"Wenn Trump sich die richtigen politischen Ideen herauspickt, könnte er die Party deutlich über die Amtseinführung hinaus am Laufen halten", heißt es von Seiten der Analysten.

Wenige Stunden vor der Vereidigung Donald Trumps zum 45. US-Präsidenten haben sich nur wenige Anleger an die Aktienmärkte gewagt. "Ab heute kann Trump seinen Ankündigungen Taten folgen lassen", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Der Dax lag am Freitag knapp im Plus bei 11.607 Punkten, der EuroStoxx50 gewann 0,3 Prozent auf 3301 Zähler.

"Wenn Trump sich die richtigen politischen Ideen herauspickt, könnte er die Party deutlich über die Amtseinführung hinaus am Laufen halten", schrieben die Analysten der Rabobank in einem Kommentar. "Er hat aber auch einige Zutaten in petto, Protektionismus in erster Linie, die einen ziemlich schlimmen Kater hervorrufen können, sollte er sie in die Bowle mischen." In der Hoffnung auf einen US-Wirtschaftsboom haben die europäischen Börsen seit Trumps Wahl Anfang November rund zehn Prozent zugelegt.

Der 70-jährige Immobilien-Milliardär hat sich im Wahlkampf für Investitionen, Steuersenkungen und Deregulierung eingesetzt. Gleichzeitig drohte er mit Strafzöllen. Er attackierte Firmen, die Waren in die USA einführen, auch direkt - meist über den Kurznachrichtendienst Twitter . Zu den Angegriffenen zählen die deutschen Autobauer. Einige Konzerne wie Ford legten milliardenschwere Investitionspläne im Ausland auf Eis. "Sein Mikro-Management von Investitionsentscheidungen könnte einen negativen Effekt auf das US-Geschäftsklima haben", warnten die Rabobank-Experten.

Dollar sucht am "Trump-Day" eine Richtung

Für den Starinvestor George Soros sind diese Aussichten ein Stolperstein für die weltweiten Börsen. "Die Unsicherheit ist jetzt am größten und ich glaube, dass sich die Aktienmärkte deshalb nicht gut entwickeln werden", sagte er in Davos. Am "Trump-Day" legte der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, nach anfänglichen Verlusten 0,3 Prozent zu. Im Gegenzug verbilligte sich der Euro um rund einen Viertel US-Cent auf 1,0631 Dollar.

Das Pfund Sterling rutschte sogar um fast einen ganzen US-Cent auf bis zu 1,2259 Dollar ab. Auslöser war der knapp zweiprozentige Einbruch der britischen Einzelhandelsumsätze im Dezember. Das war das größte Minus seit April 2012. "Hoffentlich ist das nur ein Ausrutscher", sagte Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. Allerdings sei die Stimmung der Verbraucher schwankungsanfällig und viele finanzierten ihre Käufe auf Pump.

Am Rohstoffmarkt verteuerte sich die Ölsorte Brent aus der Nordsee dagegen um 1,6 Prozent auf 55,02 Dollar je Barrel (159 Liter). Anleger hofften darauf, dass die großen Exportländer bei ihrem Treffen am Wochenende Beweise vorlegen, dass sie die Produktion wie vereinbart drosseln, sagte Hans von Cleef, Volkswirt der ABN Amro Bank.

Übernahmefantasien geben Lufthansa erneut Auftrieb

Bei den Unternehmen rückte erneut die Lufthansa ins Rampenlicht, die sich um bis zu 5,7 verteuerten. Einem Bericht der "Wirtschaftswoche" zufolge will ein Staatsfonds aus Abu Dhabi bei der Fluggesellschaft einsteigen. Die Lufthansa wollte sich zu dem Thema nicht äußern. In Abu Dhabi war zunächst niemand für einen Kommentar erreichbar. Vor wenigen Tagen hatte Etihad, die staatliche Fluggesellschaft des Emirats, Pläne zum Kauf eines Lufthansa-Aktienpakets dementiert.

Fusionsfantasien beflügelten auch TDC, die in Kopenhagen bis zu 4,5 Prozent zulegten. Einem Zeitungsbericht zufolge will der schwedische Rivale Telia die dänische Telekomfirma schlucken. Um dies zu verhindern, denke TDC über eine Übernahme des schwedischen Kabelfernseh-Anbieters Com Hem nach. Deren Titel stiegen in Stockholm zeitweise auf ein Rekordhoch von 93,90 Kronen. Telia fielen dagegen um 1,2 Prozent.

(Reuters)