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Botswana: Eine afrikanische Ausnahmeerscheinung

Botswana
(c) AP (MONIRUL BHUIYAN)
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Staatspräsident Ian Khama im Amt bestätigt. Er will sein Vorzeigeland weiter modernisieren.

Gaborone. Es war ein überragender Sieg, überraschend war er allerdings nicht: Botswanas Staatspräsident Ian Khama wurde am Sonntag nach dem klaren Sieg der Botswana Democratic Party (BDP) bei der Parlamentswahl für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt. In dem Binnenland, zwischen Südafrika und Simbabwe gelegen, war am Freitag gewählt worden.

An Khamas Wiederwahl gab es kaum Zweifel. Die Regierungspartei BDP ist seit 43 Jahren ununterbrochen am Ruder. Mit Khama, der 2008 das Präsidentenamt von Festus Mogae übernahm, schließt sich ein Kreis, ist er doch der Sohn des Staatsgründers Seretse Khama. Obwohl der 56-Jährige Oberhäuptling der Bamangwato ist, der größten Ethnie des Landes, hat er für Stammesriten wenig übrig. In seinen Adern fließt eben auch britisches Blut; seine Mutter war Lady Ruth, eine Engländerin, die sein Vater gegen den Willen der Stammesältesten 1948 heiratete, als er in Oxford Jura studierte.

 

Erfolgsrezept: Demokratie und Diamanten

Was der ehemalige Armeechef anstrebt, schrieb er auf seine Wahlplakate: „Unsere Nation kann einen großen Sprung schaffen, um den Status der Länder und Wirtschaften der Ersten Welt zu erreichen.“ Auf Augenhöhe mit Europa und den USA, das ist Khamas Ziel. Vorwürfe der Opposition, er sei mehr Oberbefehlshaber als Demokrat, lassen ihn so ungerührt wie das Murren älterer Botsuaner, solang der eingefleischte Junggeselle keine Familie gründe, sei er kein echter Mann.

Was Khama seinem Volk in den nächsten zwei Legislaturperioden abverlangen wird, hat er vor 19 Monaten in seiner Antrittsrede verkündet: Das dürre, diamantenreiche Land müsse sich unaufhörlich modernisieren und globalisieren. Dabei gilt Botswana bereits seit Langem als das Musterland Afrikas. Konstante Wachstumsraten von durchschnittlich neun Prozent über 25 Jahre hinweg haben den Menschen das höchste Pro-Kopf-Einkommen Afrikas beschert. Die Landeswährung Pula („Regen“) gilt als härteste des Kontinents.

Seit 43 Jahren herrschen friedliche, demokratische Zustände; alle fünf Jahre, wie am Freitag zum zehnten Mal, haben die Bürger die Auswahl unter mehreren Parteien.

Die Botsuaner sind stolz auf die Bilanz seit Erlangung der Unabhängigkeit von Großbritannien im September 1966, wobei man nie Kolonie, sondern nur Protektorat war. Während andere rohstoffreiche Länder Afrikas ausnahmslos von Bürgerkrieg und Militärdiktaturen heimgesucht wurden, blieb es hier ruhig. Der Wohlstand hat einen Namen: Diamanten. 1967 und 1969 entdeckte der Geologe Gavin Lamont drei riesige Diamantenfelder, das Land wurde weltgrößter Produzent.

 

Kluge Investitionen und Staatsführung

Mit dem natürlichen Reichtum ging man verantwortungsbewusst um: Die BDP-Regierungen investierten in Schulen, Krankenhäuser, Wasserleitungen, Straßen. Von unsinnigen Großprojekten sah man ab.

Die Frage ist, was geschieht, wenn die Diamantenförderung in etwa 20 Jahren endet. Bisher hat man es versäumt, effektiv für die Zukunft zu planen. Man sei an einem prekären Punkt angelangt, warnt Dumelang Saleshando von der Botswana Congress Party. Es sei nicht gelungen, die Wirtschaft zu diversifizieren. Das erkläre auch die permanent hohe Arbeitslosigkeit von über 20 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2009)