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Neuer Rekord bei offenen Stellen

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Themenbild: Arbeit(c) APA/DPA/JULIAN STRATENSCHULTE
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Alle klagen über die steigende Arbeitslosigkeit. Zugleich gibt es so viele freie Stellen wie noch nie. Warum können diese nicht besetzt werden?

Wien. Nach einer kurzen Verschnaufpause im Dezember und im November steigt die Arbeitslosigkeit wieder. So hat sich im Jänner die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer auf 493.852 Personen erhöht. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 0,7 Prozent. Bemerkenswert ist allerdings, dass das Arbeitsmarktservice (AMS) im gleichen Zeitraum bei den offenen Stellen einen Anstieg um 35,1 Prozent auf 45.165 verzeichnet. Trotz Rekordarbeitslosigkeit gibt es so viele offene Stellen wie noch nie.

Diese Diskrepanz sorgte bereits in der Vergangenheit für politische Kontroversen. So fragte Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP), warum das Arbeitsmarktservice die vielen offenen Stellen nicht besetzen kann. Das war als Seitenhieb auf den Koalitionspartner zu verstehen. Denn für das AMS ist Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) zuständig. Faktum ist, dass sich das sogenannte „Mismatch“ am österreichischen Arbeitsmarkt zunehmend vergrößert. Warum passen Arbeitslose und offene Stellen immer weniger zusammen? Und sollen tatsächlich die Zumutbarkeitsgrenzen verschärft werden, wie es die ÖVP seit Jahren fordert?

Die „Presse“ hat sich angesehen, wo und in welchen Branchen es besonders viele freie Arbeitsplätze gibt: An der Spitze im Bundesländervergleich liegt Oberösterreich mit 12.127 offenen Stellen. Danach folgt Wien mit 6063 Arbeitsplätzen. Das ist insofern eine Überraschung, weil die Arbeitslosigkeit in Wien mit über 170.000 Jobsuchenden besonders hoch ist. An dritter Stelle folgt Niederösterreich mit 6057 offenen Stellen, auf Platz vier liegt die Steiermark mit 5556 Arbeitsplätzen. Wie sieht es nun bei den Branchen aus? Besonders viele Jobs werden im Tourismus und in der Gastronomie angeboten. Hier vermeldet das AMS bei den freien Jobs ein Plus von 27,1 Prozent auf 6618. Seit Monaten klagen Tiroler Tourismusbetriebe, dass sie händeringend nach Köchen und Kellnern suchen. Auch in der Sparte „Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ bietet das AMS österreichweit 7375 Jobs ab, was im Jahresvergleich ein Plus von 42,7 Prozent bedeutet.

(C) DiePresse

Um die Mobilität am Arbeitsmarkt zu fördern, haben SPÖ und ÖVP im neuen Arbeitsprogramm eine Übersiedlungsprämie beschlossen. Schon jetzt können Betroffene eine Entfernungsbeihilfe mit einer monatlichen Höchstgrenze von 203 Euro in Anspruch nehmen. Neben den Fahrkosten zum neuen Arbeitsplatz sollen damit auch die Unterkunftskosten abgedeckt werden.

Förderung wird deutlich erhöht

Künftig wird die Förderung noch einmal deutlich erhöht. Zusätzlich zu den reinen Fahrtkosten von monatlich 203 Euro soll Arbeitslosen auch eine Übersiedlungsprämie von bis zu 400 Euro pro Monat zuerkannt werden. Diese Prämie soll zur Abdeckung der höheren Wohnkosten für eine doppelte Haushaltsführung dienen. Sie wird für bis zu zwei Jahre gewährt.

In Summe werden Arbeitslose monatlich mit bis zu 603 Euro (Fahrt- und Wohnkosten) gefördert, wenn sie sich entscheiden, woanders einen Job anzunehmen. IHS-Arbeitsexperte Helmut Hofer hält es für sinnvoll, auch die Einhaltung der Zumutbarkeitsgrenzen strenger zu kontrollieren. Rein rechtlich kann beispielsweise Arbeitslosen in Wien schon jetzt zugemutet werden, einen Job in Tirol anzunehmen, falls bei der Arbeitsstelle eine Unterkunft angeboten wird und der Betroffene keine Betreuungspflichten (wie schulpflichtige Kinder) hat. Wer sich weigert, hat hier aber meist keine Sanktionen zu befürchten. Die AMS-Betreuer setzen bei der Übersiedlung vor allem auf die Freiwilligkeit.

Wie schwer es ist, Arbeitslose aus Wien in entferntere Bundesländer zu vermitteln, zeigen diese Zahlen: Von Jänner bis Oktober 2016 sind dem Wiener AMS folgende Vermittlungsversuche gelungen: 1744 Arbeitslose aus Wien nahmen einen Job in Oberösterreich an, 864 Personen gingen nach Kärnten, 497 nach Salzburg, 322 nach Tirol und 200 nach Vorarlberg. Die meisten Menschen taten dies freiwillig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2017)