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Finanzbranche: Neuer Belastungstest für Österreichs Banken

(c) APA (Gert Eggenberger)

Die Nationalbank führt einen neuen Stresstest durch. Hypo Kärnten braucht vermutlich Kapitalspritze. Von der OeNB gibt es dazu keinen Kommentar.

Wien/München. Österreichs Großbanken müssen sich einem neuen Stresstest unterziehen. Laut „Presse“-Information sammelt die Nationalbank (OeNB) gerade von allen führenden Kreditinstituten die notwendigen Daten ein. Die Ergebnisse sollen voraussichtlich Mitte Dezember präsentiert werden. Von der OeNB gibt es dazu keinen Kommentar.

Die letzte große Belastungsprobe gab es im Frühjahr. Damals reagierte die OeNB auf negative Analysen von Ratingagenturen über die drohenden Kreditausfälle in Osteuropa. Beim Test kam heraus, dass die Eigenkapitalquote der sechs größten Banken wegen der Ostkredite im schlimmsten Fall von 8,5 Prozent auf 5,1 Prozent fallen könnte. OeNB-Chef Ewald Nowotny meinte damals, dass die 5,1 Prozent nicht so schlimm seien: „Damit liegen die Banken immer noch über der gesetzlichen Mindestquote von vier Prozent.“ Mittlerweile planen aber die internationalen Aufsichtsorgane die weltweite Anhebung der Eigenkapitalquote der Banken von vier auf sechs Prozent ab 2011. Nun prüft die Nationalbank die Auswirkung dieser neuen Vorschrift auf die Finanzbranche.

Denn seit dem Stresstest im Frühjahr hat sich viel geändert. Einige Kreditinstitute können ihren Geldbedarf wieder über die Kapitalmärkte abdecken und brauchen keine Staatshilfe mehr. Erste Bank und die Bank-Austria-UniCredit-Gruppe bereiten gerade milliardenschwere Kapitalerhöhungen über die Börse vor.

Die Nationalbank will daher auch die Angaben über die Kreditvorsorgen neu bewerten. Denn alle Großbanken gehen davon aus, dass die Kreditausfälle bis Mitte 2010 steigen werden. Die OeNB klären, ob hier ausreichend vorgesorgt wird.

 

Hypo Kärnten als Sorgenkind

Experten erwarten, dass sich im Zug des neuen Stresstests die Spreu vom Weizen trennen wird. Auf der Gewinnerliste werden Erste Bank, Bank Austria und Raiffeisen Zentralbank (RZB) liegen. Alle drei Institute wollen heuer trotz der Krise einen Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe erwirtschaften. Etwas differenzierter sieht die Situation bei der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) aus. Die ÖVAG ist im Vorjahr in die Verlustzone gerutscht und wird auch 2009 rote Zahlen schreiben.

Ein großer Problemfall ist die Kärntner Hypo Group Alpe Adria. Die Tochter der Bayerischen Landesbank (BayernLB) erweist sich immer mehr als Fass ohne Boden. Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) sagte am Donnerstag, dass die Hypo vermutlich noch einmal eine Kapitalspritze benötige. Die Situation bei der Kärntner Tochter sei „alles andere als erfreulich“. Sie sei eines der „Hauptsorgenkinder der BayernLB“. Laut Fahrenschon können die Bayern den neuen Kapitalbedarf bei der Kärntner Tochter aber „allein schultern“.

Wegen des Kaufs der Hypo Group ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft. Die BayernLB zahlte vor zwei Jahren 1,67 Mrd. Euro für die Kärntner Landesbank. Im Zuge von zwei Kapitalerhöhungen mussten die Deutschen später 1,1 Mrd. Euro nachschießen. Im Vorjahr stellte der österreichische Staat der Hypo 900 Mio. Euro zur Verfügung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2009)