Porträt: "Bonzenquäler" Harry Himmer

Harry Himmer:
(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)

Vom jung-schwarzen Bonzenquäler zum Alcatel-Generaldirektor. Der ÖVP-Politiker Harry Himmer ist seit 1995 in der Politik.

"Bonzen quälen, Himmer wählen" - dieser Wahlslogan aus dem Jahr 1990 ist bis heute die bekannteste politische Aktion von Harald Himmer. Damals warb der Obmann der Jungen ÖVP im Nationalratswahlkampf um Vorzugsstimmen - und scheiterte.

Politisches Urgestein

Seither ist sowohl die politische Karriere als auch das privatwirtschaftliche Engagement des 44-Jährigen von bemerkenswerter Konstanz geprägt: Seit dem Jahr 1995 ist Himmer VP-Bezirksobmann in Wien-Landstraße und zugleich Bundesrat. Im Brotberuf arbeitet er seit 1992 beim Telekomausrüster Alcatel.

Himmer als Hahn-Nachfolger?

Nach vierzehn Jahren als Zukunftshoffnung der Wiener Volkspartei setzt Harald Himmer, auch gerne Harry genannt, nun offensichtlich zum Sprung an die Spitze der Hauptstadt-Konservativen an. Gerüchte, wonach er sich bei der Bundespartei auch gleich als Nachfolger von Johannes Hahn als Wissenschaftsminister ins Gespräch gebracht hat, möchte der Betroffene allerdings nicht kommentieren.

Himmer, ein ÖAAB-Mann

Innerhalb des Bünde-Systems der Volkspartei ist Himmer ungeachtet seiner privatwirtschaftlichen Führungsposition dem Arbeitnehmerflügel ÖABB zuzurechnen und wird dementsprechend von diesem Flügel in seinen Ambitionen unterstützt. Zupass kommt ihm dabei, dass der Wiener ÖAAB-Landesobmann Matthias Tschirf nicht nur Klubobmann der VP im Rathaus, sondern im Bezirk Landstraße auch Stellvertreter Himmers ist. Diesem wird keine große Sympathie für den ebenfalls um den Parteivorsitz ritternden Wirtschaftsbündler Ferry Maier nachgesagt, seit dieser 2004 Tschirf den Rücktritt als Klubobmann nahegelegt hatte.

Politische Geschichte

Himmer selbst trat auf politischer Ebene vor seinem Wechsel in den Bundesrat 1995 primär als Bundesobmann der JVP in Erscheinung, eine Funktion, die er zwischen 1990 und 1993 bekleidete. Im Nationalratswahlkampf 1990 gab der Jungpolitiker, der seine Kampagne mit besagtem "Bonzen quälen, Himmer wählen" stellte, Pressekonferenz unter dem Titel "Bonzen, wollt Ihr ewig fressen? Harry Himmers Diätvorschläge gegen die Politversklavung" und plädierte für die Einführung des Persönlichkeitswahlrechtes. Auch forderte der seit 1995 amtierende Bundesrat damals eine Beschränkung der parlamentarischen Tätigkeit auf zwei Funktionsperioden in einer Folge.

Alcatel-Manager

Geboren wurde Himmer am 24. November 1964. Nach einem bereits 1989 abgeschlossenen Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien war er zunächst in der Werbebranche tätig, bevor er 1992 bei Alcatel Austria (damals noch ohne US-Partner Lucent firmierend) Austria begann. Nach verschiedenen Positionen im Unternehmen erfolgte 2007 der Aufstieg zum Generaldirektor von Alcatel-Lucent Austria und Ungarn-Chef.

(APA)