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Unternehmen

Ein Haus mit Hang zur Verzierung

Konrad (l.) und Albert (r.) Maurer in ihrer Werkstatt, im Vordergrund die alten grünen Galonmaschinen.
Konrad (l.) und Albert (r.) Maurer in ihrer Werkstatt, im Vordergrund die alten grünen Galonmaschinen.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Der letzte Posamenteriebetrieb Wiens lebt von der Arbeit Hunderter Webstühle und Spinnmaschinen. Die Familie Maurer stellt hier alles her, das schmückt. Die goldenen Zeiten sind vorbei. Aber Feuerwehr, Polizei und Heer sorgen für genug Arbeit.

Das Erste, das der Besucher der Kandlgasse 20 bemerkt, ist ein beständiges Dröhnen und Wummern. Im efeubewachsenen Innenhof ist es noch ruhig. Stößt man aber die Tür zur Werkstatt auf, hört man die Hunderten Web-, Spinn-, Flecht- und Stickmaschinen, die vom Kellergeschoß bis in den zweiten Stock auf Hochbetrieb laufen. Wie viele es genau sind, weiß nicht einmal Geschäftsführer Konrad Maurer genau. Das beständige Wummern und das leichte Beben des Fußbodens fielen ihm gar nicht mehr auf. Er halte es wie sein Vater, der habe immer gesagt: „Es stört mich nur, wenn ich die Maschinen nicht höre. Dann arbeiten sie nicht.“

Konrad Maurer und sein Sohn Albert führen hier im Neubau, im Herzen des ehemaligen Wiener Textilviertels, eingerahmt von der Band- und der Seidengasse den letzten Posamenteriebetrieb der Stadt. Was er genau herstelle, werde er oft gefragt, sagt der Seniorchef. „Alle Artikel, die zum Schmücken da sind“, antwortet der 76-Jährige. Also etwa Quasten, Kordeln, Spitzen, Fransen, Epauletten, Abzeichen. „Damit sind wir der zweitälteste Berufsstand der Welt“, fügt er mit einem Zwinkern hinzu und führt in die Weberei im obersten Stock hinein. Das Wummern wird stärker, die Hitze trotz der geöffneten Fenster auch. „Kommen Sie im Sommer wieder“, sagt Maurer lachend.
Lautstarker Arbeitsplatz.
Aus den Dutzenden Schützen- und Greifwebstühlen laufen die Borten aus feinen, bunten Metalldrähten für Trachtenkleider und Kirchenstoffe heraus. Zwei Mitarbeiter arbeiten hier – und oft das Arbeitsinspektorat. An die zwanzig Mal war es mit seinen Lautstärkenmessgeräten zugegen, und jedesmal wurde dem Betrieb bescheinigt, dass er unter der gefährlichen Lärmgrenze liegt. Bis zum nächsten Kontrolltermin.