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Rossini-Feuerwerk zum Jubiläum der Operklosterneuburg

Kritik François de Carpentries inszeniert die späte Komödie „Le Comte Ory“.

Zu Beginn die Geburtstagsfeiern: Operklosterneuburg wurde 20, Intendant Michael Garschall 50 – und man spielte zum Jubiläum die Opéra comique „Le Comte Ory“ von Gioacchino Rossini, ein Spätwerk des Meisters, in dem der Komponist noch einmal seine „Verwertungs-Künste“ demonstrierte. Fast die Hälfte der zwölf Musiknummern seiner Partitur übernahm Rossini in leicht veränderter Form aus der Krönungsoper für den französischen König Karl X., „Il viaggio a Reims“.

Regisseur François de Carpentries betonte in Hans Kudlichs stimmigen, mit sparsamsten Mitteln gestalteten Dekors und Karine von Herckes originellen Kostümen die humoristischen Aspekte des Stücks. In der Titelrolle ließ der moldauische Tenor Iurie Ciobanu aufhorchen: schönes lyrisches Timbre, saubere Intervall-Sprungtechnik, strahlende Spitzentöne und eine Spielfreude, die während seiner quirligen Darstellung der „Schwester Colette“ im zweiten Akt einige stilistische Unebenheiten provozierte.

 

Fesselnde Ménage-à-trois

Daniela Fally als Comtesse Adèle kostet die ganze Bandbreite dieser Partie aus, keusch und voller Anmut in den lyrischen Momenten, kokett bis zur Frivolität in den fulminanten Koloraturpassagen. Mit Margarita Gritskova in der Hosenrolle des Pagen Isolier stand ein zweiter Publikumsliebling der Wiener Staatsoper auf der Bühne. Die junge Russin beeindruckte mit enormem Stimmumfang, sattem Klang in den tiefen Lagen, aber auch gestochen scharfen Mezzo-Koloraturen. Das Terzett Ory-Isolier-Adèle, eine witzige Ménage-à-trois, geriet dermaßen fesselnd, dass die Ankunft der Soldaten, die das Spiel unterbricht, tatsächlich wie ein Störfaktor wirken musste – ein Sieg des genialen Dramaturgen Rossini . . .

Gewollt skurril die Ragonde Carole Wilsons, ebenfalls Staatsopern-Mitglied, solid Alice Florina als Ilie, Martin Achrainer als Raimbaud und Peter Kellner als Erzieher des Grafen. Von der Spielfreudigkeit des Sängerensembles inspiriert schien der von Michael Schneider einstudierte Chor: Amüsant, wie die Damen nach Konsultation des Eremiten (= Comte Ory) selig lächelnd, aber ein wenig derangiert zurückkehren . . .

Christoph Campestrinis Beethoven-Philharmonie ließ manchmal hören, dass Rossinis übermütig klingende Musik nicht ganz so einfach zu spielen ist. (-tt)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2017)