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Bus gegen Bahn: Flixbus fühlt sich ungerecht behandelt

29 06 2017 Berlin Deutschland GER starke Regenfaelle in Berlin Stadtautobahn Flixbus A100
Flixbus hat Angst: Sollte die Autobahnmaut für Busse kommen, muss das Unternehmen viele Kleinstädte aus dem Fahrplan nehmen, weil sich die Fahrt nicht mehr lohnt.imago/Stefan Zeitz
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Forderungen nach einer Busmaut und gleichzeitigen Entlastungen für Personenzüge reizen Fernbusanbieter Flixbus. Die DB-Lobby solle die Milliardenbelastung nicht zu ihm schieben - das sei "verkehrspolitischer Wahnsinn".

Nachdem Flixbus zum Quasi-Monopolisten unter Deutschlands Fernbussen aufgestiegen ist, hat das Münchner Unternehmen nun seinen nächsten Rivalen im Visier: die Deutsche Bahn. Hintergrund sind die Forderungen mehrerer Parteien, die Gebühren für die Nutzung des Schienennetzes nach dem Güterverkehr auch für Personenzüge zu senken. SPD, Grüne und Linke haben sie in ihre Wahlprogramme für die anstehende Bundestagswahl aufgenommen.

Firmenchef André Schwämmlein warnte am Wochenende im Interview mit der Deutschen Presseagentur vor weiteren Entlastungen für die Bahn: "Wir haben beide bewiesen, dass wir ein attraktives Produkt bauen können. Die DB-Lobby hätte es nicht nötig zu sagen, erlasst uns mal ein paar Milliarden mehr und schiebt zeitgleich noch ein paar Millionen Kosten zu den Flixbus-Leuten."

Gleichzeitig gibt es immer wieder Forderungen, die Autobahnmaut auf Busse auszuweiten. "Verkehrspolitisch würde ich das für völligen Wahnsinn halten", sagte Schwämmlein. Die Bahn könne dann ihre Fahrkarten billiger anbieten. Flixbus aber müsse Ziele in Klein- und Mittelstädten aufgeben, weil sich die Fahrten nicht mehr lohnen. Wer die Maut fordere, müsse auch ehrlich sagen: "Wir möchten eine Busmaut und wir möchten, dass der Student und der Rentner zehn Prozent mehr für sein Ticket zahlt."

Flixbus erwartet heuer 30 Prozent mehr Fahrgäste

Flixbus dominiert gut vier Jahre nach der Fernbus-Marktfreigabe den deutschen Markt und ist auch in mehreren europäischen Ländern unterwegs. "Wir fahren in Italien und Frankreich jeweils gut 200 Busse, beide Märkte entwickeln sich sehr gut. In Frankreich liegt unser Marktanteil bei 50 Prozent plus, in Italien eher bei 30 Prozent." Jede vierte Flixbus-Verbindung führt über Grenzen.

Das auch in Österreich aktive Unternehmen erwartet heuer europaweit ein Fahrgastplus von 30 Prozent auf 40 Millionen. "Wir werden es in diesem Jahr schaffen, im Gesamtunternehmen profitabel zu sein", kündigte Firmenchef Schwämmlein im Gespräch mit der dpa an. In Deutschland, Österreich und der Schweiz schreibe man schon schwarze Zahlen.

Schwämmlein sagte, die meisten Fahrgäste wechselten aus dem Auto in den Bus. "Natürlich ist die Deutsche Bahn für uns der große sichtbare, unternehmerische Wettbewerber. Aber es werden Bus und Bahn wachsen - auch wenn nicht jeder morgen sein Auto verkaufen wird."

Von der Strecke Berlin-München will sich Flixbus nicht zurückziehen, obwohl die Bahn dort ab Dezember Fahrten unter vier Stunden über die neue Schnellfahrstrecke anbieten will. "Natürlich werden dann mehr Menschen Bahn fahren", sagte Schwämmlein." Aber ich gehe davon aus, dass es den Fliegern mehr weh tun wird als uns."

Busse können in Echtzeit verfolgt werden

Fahrgäste von Flixbus sollen auf ihren Handys künftig genau verorten können, wo ihr Bus sich gerade befindet. Damit verfolgen die Münchner ein ähnliches Konzept, wie es bereits bei den Autos von Fahrdienstvermittler Uber oder den Radfahrern des Essenslieferservice Foodora zum Einsatz kommt. Über Echtzeitdaten bei Google-Maps will das Unternehmen besser über Verspätungen informieren. "85 Prozent unserer Busse sind pünktlich", sagte Schwämmlein. Das heißt nach der Unternehmensdefinition, dass sie weniger als 15 Minuten zu spät oder zu früh ankommen.

(APA/dpa)