Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Österreich: Neuer Rekord bei Kirchenaustritten

Symbolbild Kirche
(c) AP (Eckehard Schulz)
  • Drucken

In Österreich gibt es nur noch 5,53 Millionen Katholiken, um 0,8 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Zahl der Austritte stieg um 30 Prozent. Ausschlaggebend seien die Causa Wagner, Williamson und die Wirtschaft.

Mit Stichtag 31. Dezember 2009 lebten 5,53 Millionen Katholiken in Österreich. Das bedeutet gegenüber dem Jahr zuvor einen Rückgang um 0,8 Prozent. 2009 sind insgesamt 53.216 Personen aus der Kirche ausgetreten, das sind 0,96 Prozent der Katholiken in Österreich und ein neuer Rekord. Selbst während des Sexskandals im Priesterseminar St. Pölten (bisheriges Rekordjahr 2004) sind "nur" 51.731 Katholiken ausgetreten. Im Jahr davor wurden nur 40.654 Austritte registriert (0,73 Prozent). 4650 Personen wurden 2009 in die Kirche neu oder wieder aufgenommen (2008 waren dies 5450).

Die Katholiken stellen damit 67 Prozent oder zwei Drittel der österreichischen Bevölkerung. Zum Vergleich: Im Jahr 1961 waren es noch 87 Prozent.

Vor allem im ersten Halbjahr - nach der Causa des Holocaust-Leugners Williamson und der missglückten Ernennung des erzkonservativen Gerhard Maria Wagner zum Linzer Weihbischof - gab es einen deutlichen Anstieg der Austritte, der dann gegen Jahresende signifikant zurückgegangen ist. 2009 sei für die Kirche in Österreich kein leichtes Jahr gewesen. Trotzdem seien die Katholikenzahlen "relativ stabil" geblieben, so Erich Leitenberger, Pressesprecher der Erzdiözese Wien. Eine Rolle bei der Entwicklung der Austrittszahlen spiele auch die gravierende Finanz- und Wirtschaftskrise.

"Wie wenn sich jemand von der Familie trennt"

Für negative Stimmung unter den Gläubigen hatte auch der Feldkircher Bischof Elmar Fischer mit seinen Aussagen über Homosexualität gesorgt. Er verzeichnete in seiner Diözese einen historischen Höchststand an Austritten. 2515 Menschen kehrten dort der Kirche den Rücken, 2008 waren es noch 1668 gewesen. Fischer hatte gesagt, Homosexualität sei "heilbar", und sie mit anderen "psychischen Erkrankungen" wie Alkoholismus verglichen. Er entschuldigte sich am folgenden Tag und begründete seine Aussage mit einem veralteten Wissensstand.

In der ersten Monaten des Jahres 2009 hätten die Vorgänge rund um die Aufhebung der Exkommunikation lefebvrianischer Bischöfe, insbesondere die Aussagen des Holocaust-Leugners Richard Williamson, sowie die Irritationen rund um Wagner ein sehr negatives Bild der Kirche in den Medien erzeugt, erklärte sich Leitenberger den Anstieg bei den Austritten. Viele Menschen, die der Kirche bereits stark entfremdet waren, hätten dies dann zum Anlass genommen, auszutreten. Die klärenden Worte von Papst Benedikt XVI. und den österreichischen Bischöfen seien zwar von vielen sehr positiv aufgenommen worden, für nicht wenige aber auch zu spät gekommen.

Jeder Kirchenaustritt sei für die Kirche als Gemeinschaft sehr schmerzlich, betonte Leitenberger: "Es ist, wie wenn sich jemand von der Familie trennt". In Wien traten 16.527 Personen aus der Kirche aus, um 3593 mehr als 2008. In der Diözese Linz sank die Zahl der Katholiken um 8946 auf 1.032.208.



In der Diözese Graz-Seckau gehörten zu Jahresbeginn 889.714 Personen der katholischen Kirche an. 8875 Personen traten dort 2009 aus der Kirche aus. Auch in der Erzdiözese Salzburg ist im vergangenen Jahr die Zahl der Kirchenaustritte angestiegen: Kehrten 2008 insgesamt 3307 Personen der Kirche den Rücken zu, so waren es im abgelaufenen Jahr 2009 4441.

Diözesen wollen auf Menschen zugehen

Die Diözesen wollen aktiv auf Menschen zugehen und mit ihnen ins Gespräch über "Gott und die Welt" kommen, sagte Leitenberger. In der Erzdiözese Salzburg entstehen etwa in der jährlichen Begegnungswoche "Offener Himmel" viele persönliche Kontakte mit der Kirche vor Ort. Für die Diözese Linz betont Generalvikar Severin Lederhilger ebenfalls das Bemühen der Kirche, aktiv auf die Menschen zuzugehen, so zum Beispiel im Kommunikationsschwerpunkt "Glaube gibt Halt".

(APA/Red.)