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Die Banken haben ein Imageproblem

Wells Fargo wurde erst kürzlich von einem Skandal erschüttert.
Wells Fargo wurde erst kürzlich von einem Skandal erschüttert.APA/AFP/PAUL J. RICHARDS
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Auch zehn Jahre nach der Krise sind die Umfragewerte für klassische Banken im Keller. Vor allem junge Leute haben das Vertrauen verloren. Österreichs Banken stehen aber ganz gut da.

Wien. Kredite vom Autohändler, Währungen aus dem Internet, Apps statt Schecks. Die Welt des Geldes ändert sich rasant. Das liegt nicht nur an der Technologie. Sondern auch daran, dass sich das Image der Banken von der Finanzkrise nie erholt hat. Zumindest nicht, wenn man sich den globalen Durchschnitt ansieht. Und mit der Finanzkrise hat es nur begonnen.

Die seitdem reihenweise aufgeflogenen Manipulationsskandale, in die oft eine ganze Reihe der bekannten Großbanken verwickelt waren, haben ihr Übriges getan. „Zehn Jahre lang wurde in den Medien von allen Branchen die Finanzbranche am häufigsten im Zusammenhang mit Korruption genannt. Nicht etwa die Autobranche“, sagt Roland Schatz, der Geschäftsführer des schweizerischen Instituts Mediatenor.

Rechtzeitig für das Weltwirtschaftsforum in Davos hat Mediatenor eine neue, 160 Seiten starke Studie zu der Frage angefertigt, wie das Bild von Banken in der Öffentlichkeit ist. Das Ergebnis ist ernüchternd.

2006 war das letzte Jahr, in dem die Banken in der Berichterstattung eine ausgeglichene Bilanz hatten, also die Leistungen den Verfehlungen auf Augenhöhe gegenüber gestanden sind, was die Erwähnungen in den Leitmedien der westlichen Welt betrifft. „Nach der Krise hieß es auch in Davos von Seiten der Banker, dass sie verstanden hätten.“ Aber die Chance zur Rehabilitierung sei vergeben worden, so Schatz.

 

Lieber Investmentbanking

Der Skandal rund um Wells Fargo, wo im Namen der Kunden Millionen von gefakten Konten angelegt wurden und Kundengelder ohne Erlaubnis verschoben wurden, hätte das gezeigt, als er 2016 aufgeflogen ist. „Vor der Finanzkrise hatten Investmentbanker vielleicht ein schlechtes Image. Aber seither bezieht es sich auch auf das Filialgeschäft“, so Schatz: „Dazu kommt die bis heute bestehende fundamentale Kritik, dass die Banken vor der Krise Produkte an ihre Kunden verkauft haben, die sie selbst nicht verstehen.“

All das habe auch dazu geführt, dass in vielen klassischen Bankbereichen plötzlich Alternativen aufgetaucht sind. „Wenn Sie bei einem großen Unternehmen Produkte kaufen wollen, dann machen die heute schon oft die Finanzierung selbst. Wer sich ein Auto kauft, bekommt das Geld vom Händler, nicht von der Bank. Überall da, wo die Banken in das Geschäft zurückfinden wollen, ist der Platz besetzt, weil sie jahrelang lieber Investmentbanking gemacht haben.“ Dazu kämen neue Phänomene wie Kryptowährungen oder App-Services.

 

Erste steht gut da

Dass besonders die jungen Leute den Banken weniger vertrauen als ihre Eltern, zeigt eine Studie von Facebook: Die kommt zu dem – tatsächlich wenig überraschenden – Schluss, dass Menschen unter 40 Bankgeschäfte auf dem Handy abwickeln und dementsprechend offen für neue Angebote sind, die nicht von klassischen Banken kommen.

Zumindest für Europa (und speziell Österreich) gibt es aber Hoffnung, so Schatz. „In Österreich ist die Berichterstattung und die Meinung über Banken wesentlich ausgewogener. Ähnliches ist etwa in Ländern wie Kanada oder Südafrika zu beobachten, wo es Regeln gegen die übertriebene Spekulation gab.“

Am besten schneidet in Österreich laut Mediatenor die Erste Group ab, deren Image „klar im grünen Bereich“ liege. Auf den Plätzen folgen Bank Austria und Raiffeisen. Die Bank Austria habe zuletzt zwar Fortschritte gemacht, sei aber noch immer überwiegend mit negativen Themen in den Medien vertreten, so Schatz. (jil)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2018)